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07.07.2017

17:01 Uhr

Raiffeisen Bank Polska

Börsengang gescheitert – Hoffnung nicht verloren

VonHans-Peter Siebenhaar

Die österreichische Raiffeisen Bank bekommt ihre polnische Tochter nicht an die Börse. Zu geringe Anlegerinteressen verhindern den Börsengang in Warschau. Doch die Finanzaufsicht in Polen lässt trotzdem nicht locker.

Gescheiterter Börsengang. Reuters

Raiffeisen Polbank

Gescheiterter Börsengang.

WienPolen entwickelt sich für die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) zu einem immer größeren Problem. Angesichts mangelnden Interesses bei Investoren musste die Wiener Osteuropa-Bank den Börsengang der in Umstrukturierung befindlichen Raiffeisen Bank Polska verschieben. Ursprünglich endete die Zeichnungsfrist am Donnerstag. „Es ist kein Verzicht, sondern eine Aufschiebung“, sagte ein RBI-Sprecher.

Der Schritt kam nicht ganz unerwartet. Denn bereits in den vergangenen Tagen gab es Marktgerüchte, dass Anleger das Papier der Raiffeisen Polbank – wie die polnische Tochter im Branchenjargon genannt wird – mit sehr spitzen Fingern anfassen. Trotzdem reagierte die Börse negativ. Die Aktie der RBI sank am Freitagnachmittag um 1,29 Prozent auf 22,60 Euro.

Nach Angaben der RBI führe man Gespräche mit der polnischen Finanzaufsicht, wie es nun weitergehen soll. Raiffeisen steht unter Druck. Denn die Österreicher hatten mit den polnischen Finanzbehörden ursprünglich vereinbart, 15 Prozent der Polbank bis Ende Juni an die Börse zu bringen. Die Finanzaufsicht KNF in Warschau bestand immer wieder auf diesen Termin. In einer erste Reaktion zeigte sich die Behörde besorgt. Wie die KNF mitteilte, wird sie alle „notwendigen Maßnahmen“ ergreifen, damit das Aktienpaket von mindestens 15 Prozent „so früh wie möglich“ an die Warschauer Börse geht.

Wie viel Geld die Polbank angesichts völlig unprofitabler Fremdwährungskredite in Schweizer Franken überhaupt noch ist, darüber gehen die Spekulationen auseinander. Das Volumen der Fremdwährungskredite der Polska S.A. beträgt nach Angaben von Raiffeisen in Wien immer noch rund 2,8 Milliarden Euro. In Branchenkreisen wird allerdings erwartet, dass der derzeitige Wert der 15 Prozent, die an die Börse gehen sollen, sehr deutlich unter dem Buchwert von rund 950 Millionen Zloty (223 Millionen Euro) liegen wird.

Als die RBI die polnische Polbank übernahm, hatte sie sich auf Drängen der polnischen Finanzaufsicht zu den 15 Prozent verpflichtet. Die Polbank wurde nach der Übernahme mit der polnischen Raiffeisentochter verschmolzen, die Vorgabe der Aufsicht wurde jedoch bis heute nicht erfüllt.

Bereits im vergangenen Jahr unternahmen die Österreicher den Versuch, den 15-Prozent-Anteil an der Bank Polska loszuwerden. Doch die Verhandlungen mit der polnischen Alior-Bank führten zu keinem Ergebnis. Die Alior-Bank wird von der staatlichen Versicherungsgesellschaft PZU kontrolliert. Nach offiziellen Angaben scheiterten die Verhandlungen an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Insider berichten, dass der Vorstand der Alior-Bank vom eigenen Aufsichtsrat kein grünes Licht bekommen hat. Die Alior-Bank hatte im vergangenen Jahr bereits das Polen-Geschäft der Bank Austria, einer Tochter der italienischen Großbank Unicredit, erworben.

Die RBI-Gruppe ist in 14 Ländern in Mittel- und Osteuropa präsent. Die 50.000 Mitarbeiter betreuen knapp 17 Millionen Kunden. Die Mehrheit an der von Wien aus gesteuerten Bank halten die österreichischen Raiffeisen-Landesbanken mit annähernd 59 Prozent. Die Bank Polska wiederum besitzt knapp 300 Filialen mit 4.200 Mitarbeitern. 85 Prozent der Polbank will die RBI weiter behalten.

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