Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2013

12:42 Uhr

Raiffeisenbank

„Weine nicht, wenn der Zinssatz fällt“

Das Internationale Jahr der Genossenschaften ist vorbei. Doch bis die Raiffeisen-Idee im Internet für Gesprächsstoff sorgte, musste das Jahr sich dem Ende neigen. Das Video einer österreichischen Bank sorgt für Furore.

RadstadtIm Internet kursiert derzeit das Image-Video der österreichischen Raiffeisenbank Radstadt-Untertauern-Filzmoos-Forstau, einer kleinen Genossenschaftsbank mit drei Filialen und knapp 30 Mitarbeitern. Das gesungene Loblied auf die Tugenden kleiner Geldhäuser und die Raiffeisen-Idee hat bereits mehrere Zehntausend Betrachter begeistert. Wir dokumentieren es hier (und entschuldigen uns schon einmal für den Ohrwurm).

Transkript des Videos:

Männliche Stimme: „Willkommen auf unserer Homepage. Wir sind die Raiffeisenbank Radstadt, ihre einheimische Bank ...“

Mitarbeiter im Chor: „... mit dem persönlichen Service!“

Ab hier gesungen auf die Melodie von „Marmor, Stein und Eisen bricht“

Weine nicht, wenn der Zinssatz fällt,
dam dam, dam dam
es gibt einen, der zu dir hält,
dam dam, dam dam

„Sparda Movie Stars“: Azubi-Video wird für Sparda-Bank zum PR-Gau

„Sparda Movie Stars“

Azubi-Video wird für Sparda-Bank zum PR-Gau

Mit einem Youtube-Clip wollten weibliche Auszubildende der Sparda-Bank Südwest für den Beruf der Bankkauffrau werben. Doch das ging daneben. Das Netz spottet, das Video geht offline – das Image-Desaster scheint perfekt.


Marmor, Stein und Eisen bricht
aber unsere Raikas nicht
alles, alles geht vorbei
doch wir sind uns treu

Die Raika* Radstadt schon lang besteht
dam dam, dam dam
Seit 113 Jahr es immer aufwärts geht
dam dam, dam dam

Ob Konto, Kredit oder Sparverkehr
die Raika kann noch vieles mehr
Versicherung und Wertpapier
alles bieten wir

Die Empörungswelle brechen

Monitoring betreiben

Beobachten Sie genau, was im Internet über Ihre Marke und Ihr Unternehmen geschrieben wird. Ein solches Monitoring können Sie selbst machen oder bei einer Agentur in Auftrag geben. So banal es auch klingt: Längst nicht alle Unternehmen wissen, was auf ihren eigenen Facebook-Seiten läuft. Ein Beispiel: Unlängst wurde die Facebook-Seite der Unilever-Marke Dove mit Links zu Pornoseiten überschwemmt. Da stellt sich durchaus die Frage: Schaut denn da niemand drauf?

Fangemeinde aufbauen

Bauen Sie sich systematisch eine eigene Fangemeinde auf, seien Sie im Internet aktiv, begeistern Sie Ihre Kunden. Sollten Sie dann doch einmal angegriffen werden – ob gerechtfertigt oder nicht – springt Ihnen auf jeden Fall der beste Anwalt zur Seite, den es gibt: Ihre eigene Fangemeinde. Ein Vorzeigebeispiel ist in diesem Fall die Drogeriekette DM.

Empörung nicht unterschätzen

Verschwenden Sie keine Zeit an den Gedanken, dass Sie nicht Opfer von Shitstorms werden können, wenn Sie gar nicht erst in den sozialen Netzwerken aktiv sind. Denn Kundenempörung kann sich überall entladen. Da ist es schon besser, es passiert auf Ihrer eigenen Webseite, wo Sie beschwichtigend eingreifen können.

Risiko einordnen

Wenn Sie plötzlich eine Ansammlung kritischer Kommentare entdecken, müssen Sie schnell eine Risikoeinordnung vornehmen. Ihre Social-Media-Kompetenz sollte so groß sein, dass Sie innerhalb einer Stunde einschätzen können, wer der Absender des Protests ist, wie groß seine Reichweite ist und welche Ernsthaftigkeit dahintersteht.

Eingreifen - oder es lassen

Anschließend müssen Sie die Frage klären, ob Sie eingreifen wollen. Handelt es sich beispielsweise nicht um substanzielle Kritik an Ihrem Unternehmen, dann ist die Cool-bleiben-Strategie richtig. Allerdings sollten die Provokateure darauf hingewiesen werden, dass ihre Sprache jugendfrei und nicht beleidigend sein sollte. Andernfalls drohen Sie, die Stänkerer zu sperren.

Stellung nehmen

Sollte die Kritik der Internet-User substanziell sein, dann sollten Sie auch dazu Stellung nehmen. Das heißt noch lange nicht, dass Sie in den ersten Stunden nach Ausbruch des Sturms sofort mit einer fertigen Lösung aufwarten müssen. Aber Sie sollten authentisch sein und zeigen, dass Sie derzeit alles daransetzen, den Sachverhalt aufzuklären.

Gelassen bleiben

Wenn Sie erst mal mitten im Auge des Web-Orkans stehen, dann bleiben Sie gelassen. Zeigen Sie Empathie und hören den Protestlern zu. Wichtig ist: Fangen Sie nicht an, zurückzuschimpfen oder oberlehrerhaft zu wirken. Komplizierte sachliche Argumente, so richtig sie sein mögen, sind in diesem Moment fehl am Platz. Greifen Sie stattdessen die Netzsprache auf und zeigen ein wenig Humor.

Keine Beiträge löschen

Löschen oder zensieren Sie nicht die Beiträge von Ihren Kritikern. Zeigen Sie sich souverän und stellen Sie sich den Vorwürfen.

Agendasetting betreiben

Sorgen Sie dafür, dass das Thema des tobenden Shitstorms nicht Ihr Unternehmen und dessen Außenwirkung beherrscht. Betreiben Sie Agendasetting: Wählen Sie andere Themen aus, für die sich Ihre Kunden interessieren könnten und treiben Sie diese voran. Damit relativieren Sie die Bedeutung des Shitstorms.

Mit dem Unplanbaren rechnen

Rechnen Sie mit dem Unvorhersehbaren, mit dem Unplanbaren. Unternehmen, die alles kontrollieren wollen – auch ihre Kunden – werden an den Möglichkeiten der sozialen Netzwerke verzweifeln. Denn dort übernehmen nun einmal immer mehr die Konsumenten die Kommunikation.

Am wichtigsten der Kunde ist
dam dam, dam dam
die Raika Radstadt das nie vergisst
dam dam, dam dam

Den Kundenwunsch schnell zu erfüllen,
das ist unser großes Ziel.
Drum müssen wir schnell selbst entscheiden
und deshalb selbständig bleiben.

Als Mitglieder ihr auch mitbestimmt
dam dam, dam dam
Die Eigenständigkeit jeder wichtig nimmt
dam dam, dam dam

Skurrilste Unternehmens-Videos 2012: Wenn Praktikanten singen und rappen

Skurrilste Unternehmens-Videos 2012

Wenn Praktikanten singen und rappen

Nicht immer haben die Unternehmensvideos den gewünschten Erfolg. Manche sorgen im Netz für jede Menge Spott. Wir haben die skurrilsten Firmen-Videos des Jahres zusammengestellt.

Ob Wirtschaftskrise oder Kursverfall,
die Raika lebt auf jeden Fall!
Euer Geld für euer Land,
ihr habt es in der Hand

Ob Basel III, Liquidität
dam dam, dam dam
Eigenmittel sind Priorität
dam dam, dam dam

Für Banken es nicht leichter wird,
die Staatenkrise – alles verwirrt
mit Vorsicht und Bedachtsamkeit
überstehen wir auch diese Zeit

Unternehmen im Shitstorm

Dell

Einen der ersten Shitstorms löste der amerikanische Blogger und Journalismus-Dozent Jeff Jarvis 2005 aus. Er postete seinen Frust über den Kundenservice und die Produkte des Computerherstellers Dell - andere Nutzer schlossen sich an. Über die „Dell Hell“ (Dell-Hölle) berichteten auch zahlreiche Medien.

Nestlé

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace startete 2010 eine Kampagne gegen den Schokoriegel Kitkat. Der Vorwurf: Durch die Nutzung von Palmöl werde der Regenwald und damit der Lebensraum der Oran-Utans zerstört. Das Schock-Video der Umweltschützer verbreitete sich rasant. Hersteller Nestlé ließ den Clip und die vielen Kommentare aus dem Netz löschen. Die Reaktionen darauf waren noch heftiger.

O2

Ein Blogger beschwerte sich 2011 wegen Netzproblemen bei dem Unternehmen - und bekam die Antwort, es handele sich um einen Einzelfall. Daraufhin startete er die Aktion „Wir sind Einzelfall“. Tausende Betroffene meldeten sich. O2 gestand bald ein, dass es nicht nur Einzelfälle gab und versprach, sein Netz auszubauen.

ING Diba

Nach einem Werbespot, in dem Basketballer Dirk Nowitzki eine Scheibe Wurst verspeist, fluteten Vegetarier und Veganer 2011 die Facebook-Seite der Bank. Nach einer Weile teilte das Unternehmen mit, alle Kommentare zu dem Thema zu löschen und die Diskussion damit zu beenden.

Henkel

Der Henkel-Konzern wollte 2011 im Netz das Design für eine limitierte Edition seines Spülmittels Pril bestimmen lassen. Das Unternehmen fand den Favoriten der Nutzer mit einem Grillhähnchen auf dem Etikett wohl unpassend und ließ eine Jury die beiden Designs mit den wenigsten Stimmen aus den Top 10 auswählen. Die Teilnehmer fühlten sich verschaukelt und machten ihrem Ärger im Internet Luft.

Schlecker

2011 geriet ein Brief des mittlerweile insolventen Unternehmens an die Öffentlichkeit, in dem es seinen neuen Slogan „For You. Vor Ort.“ mit dem „niedrigen bis mittleren Bildungsniveau der Zielgruppe“ verteidigte. Auf Facebook, Twitter und im Blog der Firma reagierten die Nutzer empört.

Trotz Online-Banking und Maschinerie
dam dam, dam dam
Das Raika-Personal vergisst Dich nie
dam dam, dam dam

Der persönliche Kontakt uns wichtig ist,
die menschliche Seite man nie vergisst
Wir sind für euch alle da
und das das ganze Jahr

Drum lasst uns feiern und zusammen stehen
dam dam, dam dam
Und in eine erfolgreiche Zukunft gehen
dam dam, dam dam

Krisenmanagement: Wie man am besten einen Shitstorm managt

Krisenmanagement

Wie man am besten einen Shitstorm managt

Die Fußball-EM-Sponsoren wissen, was ein Shitstorm ist. Wegen illegaler Hundetötungen in der Ukraine attackierten Tierschützern ihre Seiten auf Facebook. PR-Experte Tapio Liller weiß, wie man eine solche Krise übersteht.

Wir wünschen Euch das Allerbest,
fallende Kurse nie verzweifeln lässt.
Vor allem aber, bleibt gesund
Und noch lang in unserer Rund

Wir wünschen Euch das Allerbest,
fallende Kurse nie verzweifeln lässt.
Vor allem aber, bleibt gesund
Und noch lang in unserer Rund

Und noch lang in unserer Rund
Und noch lang in unserer Rund
Und noch lang in unserer Rund

*kurz für Raiffeisenkasse

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.01.2013, 20:58 Uhr

Wer hier kritisiert, sollte sich mal den Facebook-Auftritt der Sparkassenlounge anschauen. Den Auftritt als Inhaltsleer zu bezeichnen, ist noch positiv beschrieben. Viele Sparkassenvorstände schämen sich und sind entsetzt, wenn sie die Seite sehen.

Commerzbank-Werbung: Wir sehen die Mitarbeiterin einer Hamburger Commerzbank-Filiale morgens durch Frankfurt laufen. Ich wundere mich jedes Mal, wie es die junge Frau schafft bis morgens um 9 Uhr in der Bank zu sein. Der aufgeklärte Kunde lässt ich heute nicht mehr durch ein Video überzeugen.
Wenn wir im Februar 2012 Blessings Bericht (Mitarbeiterbefragung) zur internen Stimmung in der Commerzbank lesen, wissen wir wie unglaublich schlecht die Stimmung unter den Bankmitarbeitern ist. Über 40% der Banker würden die eigene Bank nicht an ihre besten Freunde empfehlen. Das Mitarbeiterurteil nenne ich VERNICHTEND. Vernichtend für die gesamte Führungsebene! Das ist keine Ohrfeige mehr, das ist ein K.O.. Wie soll da Kundennähe aufgebaut werden.
Im selben Atemzug wir gesagt: „Wir haben Fehler gemacht und werden uns ändern.“ Wer das glaubt, glaubt auch, dass die Erde eine Scheibe ist.
In solch einen Umfeld beziehungsweise dieser Arbeitsatmosphäre bekommt kein Unternehmen einen wirklichen Wandel hin. Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert. Mich würde es sehr überraschen, wenn das in Zukunft funktioniert. Ich würde es sehr begrüßen!!! Der Wechsel muss vom Management vorgelebt werden. Den spüren die Mitarbeiter nicht. Das spürt der Kunde, dass es sich nur Werbung handelt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×