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04.11.2014

11:25 Uhr

Raoul Weil

Ex-UBS-Banker in den USA freigesprochen

VonHolger Alich

Der frühere Top-Banker Raoul Weil stand im Verdacht Kunden der Schweizer Großbank UBS bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Jetzt ist er in den USA freigesprochen worden. Der Hintergrund ist kurios.

Ex-UBS-Banker Raoul Weil wurde vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen. Reuters

Ex-UBS-Banker Raoul Weil wurde vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen.

BernAm Ende ging es schnell: Nur etwa eine Stunde brauchten die Geschworenen, um zu ihrem Urteil zu kommen: „Nicht schuldig“. Raoul Weil, der Ex-Nummer 3 der Schweizer Großbank, ist freigesprochen vom Vorwurf der Beihilfe zur massenhaften Steuerhinterziehung von US-Kunden. Den Geschworenen fehlten klare Beweise. Offenbar rettete Weil seine Art, mit Mitarbeitern zu kommunizieren.

Mit dem Urteilsspruch geht für Weil ein Alptraum zu Ende, der 2008 begann: Um im Zuge der Ermittlungen Druck auf UBS zu machen, schrieben die Fahnder den Bank-Manager 2008 zur Fahndung aus. Insgesamt habe UBS tausenden US-Kunden beim Verstecke von rund 20 Milliarden Dollar geholfen, so der Vorwurf.

Welche Finanzfirmen für US-Sanktionsverstöße büßen mussten

Verstoß kann teuer werden

Vor BNP Paribas hat die US-Justiz schon eine ganze Reihe an Finanzkonzernen wegen Verstößen gegen Sanktionen gegen Staaten wie den Iran zur Kasse gebeten. Eine Übersicht.

Deutsche Börse (November 2013)

Die Deutsche Börse zahlt 152 Millionen Dollar, weil ihre Tochter Clearstream bei Wertpapierübertragungen eingefrorenes Geld illegalerweise in den Iran überwiesen haben soll.

Standard Chartered (2012)

Mehrere US-Behörden verdonnern die britische Bank Standard Chartered im Jahresverlauf zur Zahlung von insgesamt 667 Millionen Dollar wegen unerlaubter Geschäfte mit dem Iran.

ING (Juni 2012)

Der niederländische Finanzkonzern ING zahlt 619 Millionen Dollar wegen Geschäften mit Iran und Kuba.

RBS (Mai 2010)

Die Royal Bank of Scotland zahlt 500 Millionen Dollar für Geschäfte der übernommenen niederländischen ABN Amro mit dem Iran, Libyen, dem Sudan, Kuba und anderen sanktionierten Staaten.

Credit Suisse (Dezember 2009)

Die Schweizer Credit Suisse büßt mit 536 Millionen Dollar für Geschäfte mit dem Iran und anderen Staaten.

Lloyds (Januar 2009)

Die britische Bank Lloyds zahlt 350 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen Iran- und Sudan-Sanktionen.

Die Bank entging damals haarscharf einer existenzbedrohenden Strafklage; per Notrecht wurde ihr erlaubt, erste 250 Kunden Namen zu verraten. Später schloss UBS einen Vergleich ab und zahlte 780 Millionen Dollar Buße.

Doch die USA jagten Weil weiter, der nach dem Einsetzen eines Haftbefehls gegen ihn zurückgetreten war. Vergangenes Jahr wurde er während eines Aufenthalts in Italien verhaftet und in die USA ausgeliefert.

Die Anklage stützte sich vor allem auf die Aussagen von Weils früheren direkten Untergebenen, Martin Liechti, der bei UBS für das US- und Latein-Amerika verantwortlich war. Er ging den US-Fahndern 2008 ins Netz. Um seinen Hals zu retten, hatte Liechti mit der Justiz kooperiert. Er war der Kronzeuge in dem Verfahren.

Laut Liechti seien seinerzeit rund 90 Prozent der Gelder von US-Kunden bei UBS nicht versteuert gewesen - und Weil sei dies sehr wohl bewusst gewesen. Weil selbst habe angeordnet, um jeden einzelnen Kunden zu kämpfen, als es um den Fortbestand des US-Geschäfts ging.

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