Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.05.2013

15:46 Uhr

Rating-Urteil

S&P stuft Commerzbank herab

Die Bonitätswächter von Standard & Poor's senken den Daumen über die Commerzbank. Das Geldhaus brauche länger, ein tragfähiges Geschäft aufzubauen. Deshalb stufen die Experten die Kreditwürdigkeit herab.

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, geht in Deckung: Die Analysten von S&P stufen die Bonität der Bank herab. dpa

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, geht in Deckung: Die Analysten von S&P stufen die Bonität der Bank herab.

FrankfurtDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkt die Kreditwürdigkeit der Commerzbank. Die Bonitätswächter stufen die Ratingnote um eine Stufe von „A“ auf „A-“ herab. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus brauche länger als zunächst gedacht, um ein unausgewogenes Geschäftsmodell umzubauen, führen die Experten als Begründung an.

Die S&P-Analysten bemängeln vor allem, dass die Bank deutlich mehr Zeit brauche, um die Risiken abzubauen, die von faulen Krediten ausgeht. Der Commerzbank stehe eine „harte Zeit bevor“, wenn sie höhere, stabilere und nachhaltigere Erträge erwirtschaften wolle. Im Vergleich zu Banken mit einer ähnlichen Bonitätsnote stehe die Commerzbank schlechter da. Deswegen habe man die Ratingnote tiefer gesetzt. Eine weitere Herunterstufung sei möglich, falls die Konjunkturschwäche in Europa die Bank stärker belaste, als sie derzeit Kreditrisiken abbauen könne. Wenige Tage zuvor hatte auch die Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit der Commerzbank gesenkt.

Die Aktie des Finanzinstituts musste nach der Bekanntgabe der Herabstufung Gewinne vom Vormittag wieder abgeben und pendelte um 8,05 Euro. In den vergangenen Wochen hatte das Papier starke Schwankungen erlebt, seit Jahresanfang jedoch 25 Prozent des Werts eingebüßt.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die teilverstaatlichte Commerzbank hatte das vergangene Jahr mit einem massiven Verlust von 720 Millionen Euro abgeschlossen und befindet sich derzeit in einer Phase der Umstrukturierung. Ende Januar kündigte sie an, bis 2016 zwischen 4.000 und 6.000 Vollzeitstellen abbauen zu wollen. Zuletzt sammelt das Geldhaus mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung Geld bei den Aktionären ein, um die Staatshilfe zurückzuzahlen.

Das Finanzinstitut will vor allem sein Privatkundengeschäft modernisieren. Ziel des Geldhauses ist es, eine sogenannte „Multikanalbank“ zu werden: Dabei will die Commerzbank im Kontakt mit den Kunden die Vorteile einer herkömmlichen Filialbank mit den Vorteilen von Online-Banken kombinieren und neue Kunden gewinnen.

Von

ert

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.05.2013, 15:45 Uhr

wollen wir hoffen, dass der Aktiekurs wieder steigt.

Meister

28.05.2013, 16:55 Uhr

Zur Commerzbank äußere ich mich erst wieder wenn es eine Perspektive gibt - also ohne die Herrn Müller und Blessing.
Bei jedem Drittklassigen Fußballverein würden die Herren nicht die nächste Saison erleben, nur der liebe Hauptaktionär unsere Bundesregierung klammer sich an die Beiden. So ist die CoBa doch die herzallerliebste "Bad Bank" der Regierung.
Im Übrigen gibt es in der zweiten und dritten Reihe Führungskräfte, die würden gerne den Supertanker in die richtigen Fahrwasser führen. Wann bekommen die Ihre Chance? (Sie können ja wohl kaum mehr Schaden als der bisher entstandene anrichten ;)

Markus

28.05.2013, 17:44 Uhr

Die Commerzbank Aktie wird zu rund 1/3 ihres Buchwerts gehandelt. D.h. selbst ein kleiner künftig zu erwartender ROE bedeutet für den Aktionär ein dreifacher return auf seinen Einsatz. Dass die Bank ihr letztes Drittel an Marktwert verliert, wäre eine Spekulation auf eine Pleite, welche (wie gesehen) unwahrscheinlich ist. Deshalb bin ich in einem drei-jahres Horizont sehr optimistisch!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×