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26.01.2016

09:12 Uhr

Ratingagentur

Herabstufung drückt Deutsche-Bank-Aktie unter 16 Euro

Die Änderung des deutschen Insolvenzrechts von Januar 2017 beschert der Deutschen Bank schon jetzt schlechte Noten von Moody's. Der Aktienkurs sackte am Morgen zwischenzeitlich um fast 4 Prozent auf unter 16 Euro.

Schlechte Noten von Moody´s: Die Ratingagentur stuft die Bonitätsnote der Deutschen Bank herab. Reuters

Deutsche Bank

Schlechte Noten von Moody´s: Die Ratingagentur stuft die Bonitätsnote der Deutschen Bank herab.

BerlinDie Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote der Deutschen Bank heruntergestuft. Die Bewertung der langfristigen Schuldtitel liege nun bei „Baa1“ nach zuvor „A3“, gab Moody's in der Nacht zum Dienstag bekannt. Die Aktie sank zur Börseneröffnung am Dienstag zwischenzeitlich um fast 4 Prozent auf 15,975 Euro. Danach pendelte sie sich bei 16,14 Euro mit einem Minus von rund 2,5 Prozent ein.

Der Ausblick sei negativ, ergänzten die Experten und deuteten damit die Möglichkeit einer weiteren Herabstufung an. Zur Begründung verwiesen sie auf eine geplante Änderung des deutschen Insolvenzrechts von Januar 2017 an. Demnach sollen etwa Einlagen bei Insolvenzen künftig stärker geschützt werden als bestimmte ungesicherte Schuldtitel.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Moody's gab vor diesem Hintergrund zugleich Ratingschritte für insgesamt 35 deutsche Banken bekannt. Die Note für die langfristigen vorrangigen Anleihen der Commerzbank wurde mit „Baa1“ bestätigt. Die vorrangigen Bonds der BayernLB wurden auf „A2“ von „A3“ hochgestuft.

Von

rtr

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