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13.11.2012

15:22 Uhr

Ratingagentur Moody's

Banken droht Herabstufung wegen Libor-Klagen

Ein Bericht der Ratingagentur Moody's warnt vor hohen Kosten durch Rechtsstreitigkeiten für die in die Libor-Affäre verwickelten Banken. Die Kosten könnten die Höhe der Strafzahlungen für die Banken weit übertreffen.

Die Ratingagentur Moody's will auf Gerichtsurteile und Schadensersatzforderungen an die in die Libor-Affäre verwickelten Banken schnell reagieren. Reuters

Die Ratingagentur Moody's will auf Gerichtsurteile und Schadensersatzforderungen an die in die Libor-Affäre verwickelten Banken schnell reagieren.

Frankfurt/BerlinDen in die weltweiten Zins-Manipulationen verwickelten Großbanken droht neuer Ärger: Die Ratingagentur Moody's warnte am Dienstag, möglicherweise würden schlechtere Bonitätsnoten für die betroffenen Institute fällig. Das liege nicht unbedingt an den absehbaren Strafen der Regulierer für die falsch gemeldeten Libor-Zinssätze, schrieben die Experten in einer Studie. Schließlich seien diese für die einzelnen Häuser verkraftbar und gefährdeten deren Kreditwürdigkeit nicht.

Moody's treiben vielmehr die Kosten eventueller Klagen um: "Verluste aus möglichen Rechtsstreitigkeiten über die angeblichen Manipulationen - auch wenn sie unsicher und schwierig zu quantifizieren sind - könnten deutlich höher ausfallen als alle Strafen der Regulierer." Das hätte dann entsprechende Folgen für das Rating, womöglich schon sehr bald.

Seit Monaten ermitteln Behörden weltweit gegen Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank, deren neuer Co-Chef Anshu Jain am 28. November im Finanzausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen muss. Den Geldhäusern wird vorgeworfen, zwischen 2005 und 2009 internationale Referenz-Zinssätze wie Libor und Euribor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

Die Untersuchungen konzentrieren sich vor allem auf das Jahr 2008, in dem sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Libor-Festsetzung bei. Die Zinssätze beruhen auf den - von außen bislang kaum nachprüfbaren - Angaben der Banken zu den von ihnen zu zahlenden Zinsen am Geldmarkt. Das Potenzial für Manipulationen ist daher nach Einschätzung der Ermittler groß. Allein auf dem Libor beruhen Finanztransaktionen im Volumen von schätzungsweise 500 Billionen Euro.

Worum es beim Libor-Skandal geht

Was ist der Interbankenmarkt?

Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Geber und Nehmer wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen in die jeweilige Stabilität. Denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieser Handel, der lange reibungslos funktionierte, war nach der Lehman-Pleite 2008 gestört, weshalb die Notenbanken die Privatinstitute immer wieder mit billiger Liquidität versorgen müssen.

Was ist der Libor?

Der Libor - die London InterBank Offered Rate - wird seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Mit den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz an dem sich alle möglichen Kredite in der Realwirtschaft mit variablen Zinsen orientieren.

Wie kann der Libor überhaupt manipuliert werden?

Das Problem ist die im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft mangelnde Transparenz. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen. Eigentlich sollen die Mitarbeiter, die die Sätze nach London melden, völlig neutral die Daten abliefern. Wie offen sich Händler der Bank mit diesen Mitarbeitern austauschten und absprachen, verdeutlichen etwa von der britischen Finanzaufsicht veröffentlichten internen Mails bei Barclays.

Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?

Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro InterBank Offered Rate - für den Euro. Er wurde 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die höhere Zahl soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen.

Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?

Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung. Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können den Banken dabei in die Karten spielen.

Weiß man, wie viel Geld mit den Zinsmanipulationen „gemacht“ wurde?

Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen US-Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.

Warum ist das nicht früher aufgefallen?

Bis zur Lehman-Pleite 2008 konnten Banken praktisch unkontrolliert schalten und walten. Die Manipulationen und möglichen Absprachen fielen erst auf, weil sich die Libor-Zinsen in der Finanzkrise nicht wie erwartet veränderten.

Gibt es jetzt eine andere Kontrolle der Banken?

Nach der Lehman-Pleite sollte alles besser werden. Weltweit wollte die Politik die Finanzbranche an die Kandare nehmen. Doch der Reformeifer schlief wieder ein. So versucht die britische Regierung etwa, den Finanzplatz London zu schützen. Allerdings führen Skandale wie der Libor-Fall der Politik die Probleme schmerzhaft vor Augen.

Welche Folge hat das für Privatkunden?

Kredite mit variablen Zinssätzen hängen direkt von Libor und Euribor ab. Diese sind in Deutschland allerdings nicht so weit verbreitet wie etwa in Spanien oder Großbritannien. Hierzulande vereinbaren etwa Häuslebauer lieber Kredite mit festen Zinsen.

Die britische Bank Barclays hatte als erstes Institut eine Beteiligung an den Manipulationen eingeräumt und dafür fast eine halbe Milliarde Dollar Strafe abgedrückt. Das Top-Management musste gehen. Im Falle der Deutschen Bank läuft schon länger eine Sonderprüfung der deutschen Finanzaufsicht Bafin.

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