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12.02.2013

15:32 Uhr

Ratingagentur

S&P gibt sich nach Klage kämpferisch

Die Milliardenklage gegen S&P elektrisiert die Wall Street. Die Ratingagentur beteuert nun noch einmal, nichts falsch gemacht zu haben. Eine Verurteilung hätte für den Finanzdienstleister gravierende Folgen.

Eine Verurteilung käme für den Finanzdienstleister einer Katastrophe gleich. Reuters

Eine Verurteilung käme für den Finanzdienstleister einer Katastrophe gleich.

New YorkDie wegen ihrer Hypothekenpapier-Bewertungen vor Gericht gebrachte Ratingagentur Standard & Poor's gibt sich siegessicher. Die Klage des US-Justizministeriums entbehre „jeglicher faktischen oder juristischen Grundlage“, erklärte der Mutterkonzern McGraw-Hill am Dienstag in New York. S&P zeigte sich überzeugt, den Fall gewinnen zu können und verwies auf 41 ähnliche Klagen in der Vergangenheit, die entweder vor Gericht verworfen oder zurückgezogen worden seien. „Wir werden uns energisch verteidigen“, sagte Chefjustiziar Kenneth Vittor in einer Telefonkonferenz.

Das US-Justizministerium hatte S&P in der vergangenen Woche auf 5 Milliarden Dollar (3,7 Mrd. Euro) verklagt. Der Vorwurf: Die weltgrößte Ratingagentur habe vor der Finanzkrise wissentlich zu gute Noten für amerikanische Hypothekenpapiere verteilt und damit Investoren betrogen, die die Papiere anschließend gekauft haben. Denn nur wenige Monate später brach der Markt zusammen und die Investoren verloren Aber-Milliarden mit den angeblich so sicheren Wertpapieren.

Für den Finanzdienstleister wäre eine Verurteilung eine Katastrophe, nicht nur wegen des Imageschadens: Eine Strafzahlung in der geforderten Höhe würde ein Vielfaches des Jahresgewinns darstellen, der 2012 bei unterm Strich 437 Millionen Dollar lag. 2011 hatte McGraw-Hill noch mehr als doppelt so viel verdient, doch der Konzern befindet sich im Umbruch. Das zweite Standbein mit Bildungsangeboten wird für 2,5 Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Apollo verkauft. Das Geschäft soll bis Ende März abgeschlossen werden.

S&P beteuerte zum wiederholten Male, dass die Bewertungen „in gutem Glauben“ entstanden seien. Auch habe S&P schneller und umfassender als jeder Konkurrent auf den einbrechenden US-Häusermarkt reagiert und damit zusammenhängende Wertpapiere abgewertet. „Leider hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass diese Aktionen nicht ausreichend waren.“ Die Immobilienkrise sei letztlich schlimmer gekommen als angenommen. Dieses Versagen sei aber keine Folge eines Fehlverhaltens bei S&P. Auch kaum jemand anderes habe die Schwere der Krise vorausgeahnt, verteidigte sich die Ratingagentur.

Die Einschätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Wertpapieren ist ein Milliardengeschäft. „2012 war ein tolles Jahr“, sagte McGraw-Hill-Chef Harold McGraw III bei der Vorlage der Geschäftszahlen am Dienstag. Die Tochter S&P ist Marktführer, weitere große Spieler sind Moody's und Fitch. Alle drei konnten ihren Umsatz im vergangenen Jahr kräftig steigern.

Das Geschäftsmodell der Branche steht jedoch schon lange in der Kritik: Denn nicht die Anleger zahlen für die Bewertungen, sondern die Verkäufer der Wertpapiere, im Falle der Hypothekenpapiere waren dies Banken. Kritiker sehen deshalb einen Interessenkonflikt und die Gefahr von „Kuschel-Noten“.

Unklar ist bislang, warum sich das US-Justizministerium sowie die Generalstaatsanwälte mehrerer Bundesstaaten nur auf S&P gestürzt haben. Auch Moody's und Fitch hatten US-Hypothekenpapiere lange mit Bestnoten bewertet. Zum S&P-Mutterkonzern McGraw-Hill gehören neben der Ratingagentur und der zum Verkauf stehenden Bildungssparte auch noch die bekannten S&P-Dow-Jones-Börsenindizes sowie der besonders in der Autobranche umtriebige Marktforscher J.D. Power.

 

Von

dpa

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