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03.12.2013

14:05 Uhr

Ratingagenturen in der Kritik

Aufsicht sieht zahlreiche Mängel

Europas Wertpapieraufsicht hat die Ratingagenturen aufs Korn genommen. Unabhängigkeit und Vertraulichkeit stehen infrage. Standard & Poor's verweist auf ständige Verbesserungen der Bewerterarbeit.

Zwischen Februar und Oktober wurde die Arbeit von Standard & Poor's untersucht. Reuters

Zwischen Februar und Oktober wurde die Arbeit von Standard & Poor's untersucht.

Paris/ Frankfurt/ BrüsselDie Europäische Wertpapieraufsicht Esma liefert neue Munition gegen die vielfach kritisierten Ratingagenturen. Unter anderem werden in einer Untersuchung der Esma die Unabhängigkeit der Bewerter infrage gestellt und der Umgang mit vertraulichen Informationen bemängelt. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat nach der Kritik an der Arbeit der Bewerter auf ständige Verbesserungen ihrer Prozesse verwiesen. „Wir sind in unseren Ratingaktivitäten den höchsten Standards verpflichtet und verbessern vor diesem Hintergrund kontinuierlich unsere analytischen und operativen Prozesse“, sagte eine S&P-Sprecherin am Dienstag in Frankfurt.

Zuvor hatte die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde in Paris einen Bericht zur Arbeit der Ratingagenturen vorgelegt. „Die Esma-Untersuchung hat Mängel deutlich gemacht im Verfahren für die Länderratings, die Risiken für die Qualität, Unabhängigkeit und Integrität der Ratings und des Bewertungsprozesses darstellen könnten“, hatte Esma-Chef Steven Maijoor bei der Vorstellung des Berichts betont. Kritisiert werden etwa Verzögerungen bei der Veröffentlichung der Ratings oder mangelnde Qualifikation bei den eingesetzten Prüfern.

Untersucht wurden zwischen Februar und Oktober die Arbeit der drei großen Ratingagenturen Fitch, Moody's sowie Standard & Poor. Die Länderratings sind umstritten - auch wegen ihrer Wirkung auf die wirtschaftliche Situation betroffener Staaten.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Die EU-Kommission sieht sich in ihrem Umgang mit den Agenturen durch den Bericht bestätigt. Die Ergebnisse zeigten eine Reihe von Mängeln in der Arbeit der Ratingagenturen, sagte der für den Binnenmarkt zuständige Kommissar Michel Barnier am Dienstag in Brüssel.

Die EU hatte in diesem Jahr schärfere Regeln für Ratingagenturen beschlossen. Danach können Anleger die Unternehmen für schwere Fehler bei Bewertungen haftbar machen. Schadenersatz wird fällig, wenn Ratingagenturen ein Unternehmen oder einen Staat absichtlich oder fahrlässig falsch beurteilen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Aktionaer

03.12.2013, 14:21 Uhr

Früher haben die Amis:

+ Phosphor-Bomben (Deutschland)
+ Atom-Bomben (Japan)
+ Napalm (Vietnam)
+ Uranbomben (Irak, Libyen)
+ Giftgas (Syrien)

benutzt, um den Frieden in die Welt zu bringen.

Heute nutzen sie ihre Ratingagenturen, um ihre Freunde kaputt zu machen. Ratingagenturen sind die Atombomben im Wirtschaftskrieg. Wir müssen langsam lernen, dass wir uns auch hier von den schwach werdenden, sterbendem Wirtschaftssystem der USA abkoppeln.

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