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22.03.2013

10:51 Uhr

Reaktion auf EU-Vorstoß

Deutsche Bank will Boni-Regeln ausreizen

Die Deutsche Bank rechnet damit, ihren Spitzenkräften künftig höhere Grundgehälter zu zahlen. Die Co-Spitze des größten deutschen Geldhauses verdiente zusammen so viel wie Vorgänger Josef Ackermann.

Mehr Bares wird eine Reaktion von Banken auf die EU-Regulierung lauten. dpa

Mehr Bares wird eine Reaktion von Banken auf die EU-Regulierung lauten.

FrankfurtDie schärferen Bonusregeln in Europa führen bei der Deutschen Bank voraussichtlich zu höheren Fixgehältern der Top-Manager. Die neuen Vorgaben könnten dazu führen, dass das Institut die Grundgehälter für Vorstandsmitglieder und andere Führungskräfte erhöhen müsse, erklärte die unabhängige externe Vergütungskommission der Bank am Freitag. So könne die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu den Geldhäusern erhalten werden, die nicht von den Bonus-Schranken betroffen seien.

In der Europäischen Union sind die Banker-Boni künftig auf die Höhe der Grundgehälter begrenzt - es sei denn, die Aktionäre beschließen, dass die Prämien doppelt so hoch liegen dürfen. Die Vergütungskommission empfiehlt der Deutschen Bank, die Eigner um eine solche Obergrenze von 200 Prozent des Fixgehalts zu bitten.

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„Der entfachte Druck auf die Grundvergütungen ist weder betriebswirtschaftlich von vergütungspolitisch sinnvoll“, kritisiert Werner Klein von der Vergütungsberatung hkp die EU-Pläne. Der Staat greife unmittelbar in Grundfragen der unternehmerischen Selbstbestimmung ein

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Die Deutsche-Bank-Vergütungskommission hat unter Führung des früheren BASF-Chefs Jürgen Hambrecht in den vergangenen Monaten Leitlinien für die Bezahlung der Banker erarbeitet. Sie sind zum Teil schon in die Vergütungspraxis 2012 eingeflossen. Mit der Kommission will die Bank den Kulturwandel unterstreichen, den sie sich auf die Fahnen geschrieben hat. Hohe Boni gelten als eine Ursache für die Finanzkrise.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

Die neuen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen haben 2012 zusammen soviel verdient wie der Vorgänger Josef Ackermann zuvor. Beide CEOs erhielten jeweils 4,8 Millionen Euro, kündigte Aufsichtsratschef Paul Achleitner am Freitag an. „Das liegt deutlich unter dem Branchenschnitt.“ Die variable Vergütung werde zu 100 Prozent in Aktien ausbezahlt mit fünfjähriger Haltefrist. Der Gewinn des größten deutschen Geldhauses war im vergangenen Jahr wegen hoher Kosten für Rechtsstreitigkeiten stark gesunken. Ackermann hatte im Jahr zuvor knapp zehn Millionen Euro verdient.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

22.03.2013, 10:49 Uhr

wie wäre es wenn die Spitzenkräfte in den nächsten fünf Jahre für 0 arbeiten da sie ja in den letzten 10 Jahren sehr viel verdient haben für NICHTS.

Account gelöscht!

22.03.2013, 10:57 Uhr

@GORDONGECKO

Absolut richtig. Wir brauchen nur die Aktienkurse anschauen. Die "Spitzenleute" waren Kapitalvernichter!

Laßt solche "Manager" doch nach Amerika oder England gehen;
aber dort will sie ja keiner haben.

Account gelöscht!

22.03.2013, 11:04 Uhr

jetzt steckt sich der Inder tatsächlich wieder 4,8 Mio Euro in die Taschen für NICHTS "unglaublich"

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