Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2012

07:00 Uhr

Reaktionen auf Mitarbeiter-Kritik

Goldman Sachs und die Prostitution in Vegas

VonNils Rüdel

Die öffentliche Abrechnung eines Ex-Mitarbeiters mit Goldman Sachs schlägt hohe Wellen. Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Aufschneider. Ihre Freude an der Affäre haben derweil die Comedians. 

Goldman Sachs ist mächtig im Gerede. Reuters

Goldman Sachs ist mächtig im Gerede.

WashingtonEs sind 1271 Wörter  auf der Meinungsseite der „New York Times“, illustriert mit einer Horde Geier, die sich über ein Aas hermachen. 1271 Wörter über die Investmentbank Goldman Sachs, die Politiker auf den Plan riefen, Bank-Experten und den ein oder anderen Komiker.

Die den Börsenwert des Instituts um mehr als zwei Milliarden Dollar rasierten und den Firmenchef zu einer Erklärung zwangen. Der Wirbel um die öffentliche Abrechnung eines scheidenden Goldman-Mitarbeiters mit seinem Ex-Arbeitgeber war am Mittwoch das Thema an der Wall Street.

Greg Smith, ein Derivatehändler aus London, hatte in seinem Pamphlet eine „vergiftete und zerstörerische“ Kultur bei Goldman beklagt. Es gehe nur noch um Profit, so der Autor. „Es macht mich krank, wie kaltschnäuzig die Leute darüber reden, ihre Kunden abzuzocken.“ Früher habe dagegen ausschließlich der Kunde im Vordergrund gestanden, schrieb Smith. Deshalb werde er die Firma nach zwölf Jahren verlassen.

US-Banken im Stresstest

Bank of America

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 8,7 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 6,2 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,7 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -51,3 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 70,1 Milliarden Dollar

Citigroup

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 11,7 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 4,9Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,9 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -50,3 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 67 Milliarden Dollar

Goldman Sachs

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 12,1 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 7,2 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,8 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -21,5 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 0,3 Milliarden Dollar

JPMorgan

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 9,9 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 5,9 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 6,3 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressszenario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -22,9 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 55,8 Milliarden Dollar

MetLife

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 9,3 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 6,3 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,4 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -10,8 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 0,9 Milliarden Dollar

Morgan Stanley

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 12 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 7,6 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,4 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -22,5 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 0,7 Milliarden Dollar

Für manche ist er deshalb ein Held, ein Whistleblower, der die finsteren Machenschaften der schillerndsten Investmentbank der Welt an die Öffentlichkeit bringt. „Wow, du bist wirklich ein Vorbild“, schrieb einer an Smiths Facebook-Pinnwand, ein anderer forderte: „Die Welt braucht mehr Greg Smiths“.

Presseschau: Mr. Smith zieht gegen Goldman

Presseschau

Mr. Smith zieht gegen Goldman

Die öffentliche Abrechnung eines Top-Bankers mit Goldman Sachs sorgt für Schlagzeilen.

Mit Sympathie reagierten auch Politiker in Washington. Einen „radikalen, starken“ Artikel nannte etwa Paul Volcker Smiths Aufsatz. „Leider ist es ein Geschäft, das zu einer Menge Interessenskonflikten führt“. Der Ex-Chef der US-Notenbank Fed ist einer der prominentesten Befürworter einer strengen Regulierung der Finanzbranche und steht Pate für die so genannte „Volcker-Regel“, die es Investmentbanken wie Goldman verbieten soll, mit eigenem Geld zu spekulieren. 

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.03.2012, 07:55 Uhr

"Das ist eben dein Job als Händler, Geschäfte entwerfen, die Kunden dazu bringen, sie abzuschließen – und dir eine Menge Geld dafür zu geben".

Wie kann man nur so dumm und kurzsichtig sein? Der Job ist es tatsächlich ein Geschäft zu entwerfen, aber eines von dem der Kunde profitiert und deswegen dafür bezahlt und eben nicht weil er abgezockt wird. Handel war schon immer ein Geschäft an dem beide Seiten verdient haben aber daran sieht man wohl auch dass Banker nicht mit ehrbaren Kaufleuten zutun haben, wohl eher etwas mit Verbrechern und Betrügern.

Account gelöscht!

15.03.2012, 08:00 Uhr

@rokober ... das könnte man jetzt auch falsch verstehen!

Account gelöscht!

15.03.2012, 08:06 Uhr

Könnte man das?
Oder ist's eher die Realität?
Gehöre nicht mehr zu der Generation, die in Schutt und Asche rumläuft und sich den geschichtlichen unseligen Schuh anzieht, d.h. aus Angst jegliche Kritik vermeidet, sobald es eine bestimmte Spezies von Geschäftemachern anbelangt!
Hatte sehr viele berufliche Erfahrungen damit gemacht, und weiss, wovon ich rede.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×