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13.06.2012

07:27 Uhr

Rede in Berlin

Die perfekte Inszenierung des Anshu Jain

VonPeter Köhler, Frank Matthias Drost

Lange wurde sein Auftritt in Berlin erwartet, beim CDU-Wirtschaftstag ist es soweit: Anshu Jain stellt sich der Politik vor. Der neue Co-Chef der Deutschen Bank überzeugt ausgerechnet mit ein paar Sätzen Deutsch.

„Die Deutsche Bank ist mein Zuhause”

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BerlinJa, es war ein genialer Schachzug. Seit Monaten wurde Anshu Jain, der neue Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, mit der Frage gequält, wie es um seine Fremdsprachenkenntnisse für die neue Heimat bestellt ist. Als er am Dienstagabend in wohlbedachtem Abstand hinter dem Rollstuhl von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu seinem vielleicht wichtigsten Auftritt seiner noch jungen Amtszeit schritt, merkte man ihm die Anspannung an.

Sein Blick war auf den letzten Metern vor dem Podium starr nach vorne gerichtet, Jain sammelte sich innerlich. Dann zückte er sein Ass im Ärmel. Er eröffnete seine erste öffentliche Grundsatzrede vor dem Wirtschaftsrat der CDU mit ein paar abgelesenen Sätzen auf Deutsch - und das saß. Er erntete den Beifall der 2000 Unternehmer und Politiker im vollkommen überfüllten Festsaal des Nobelhotels Interconti in Berlin - und die Anspannung ließ merklich nach.

Anshu Jains Lebensstationen

Anshu Jain

Anshu Jain wird 1963 als Sohn des Beamten Ambuj Jain und seiner Frau Shashi in Jaipur geboren. Er hat einen jüngeren Bruder und wächst im Süden von Neu-Delhi auf.

1980

Bachelor-Studium der Wirtschaftswissenschaften am Shri Ram College of Commerce der Universität Delhi. 1985 absolviert er einen MBA an der Isenberg School of Management.

1985

Jain steigt als Analyst beim US-Broker Kidder Peabody & Co. ein.

1988

Jain wechselt zu Merrill Lynch nach New York, wo er unter Edson Mitchell branchenweit die erste Abteilung für Hedgefonds-Manager aufbaut.

1995

Jain heuert im Gefolge von Mitchell bei der Deutschen Bank an.

2002

Die Deutsche Bank beruft ihn in das Group Executive Committee, die zweite Führungsebene.

2009

Jain wird Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.

2011

Der Aufsichtsrat wählt ihn zusammen mit Jürgen Fitschen zum künftigen CEO der Bank.

Danach nahm er das Auditorium mit auf einen globalen Exkurs durch die Staatsschulden- und Bankenkrise, wobei er das Image des kühlen Investmentbankers abstreifte. Wörter wie Rendite, Derivate oder Fixed Income - Fehlanzeige, die sind für den „Investors Day“ reserviert, aber nicht für die Gralshüter der sozialen Marktwirtschaft.

Jain startete eine Charme-Offensive in Richtung Mittelstand, er setzte die Tradition seines vorherigen „Bosses“ Josef Ackermann als überzeugter Europäer fort und übte Selbstkritik an der Branche, räumte Fehler in der Vergangenheit ein und reichte demütig die Hand für einen neuen Pakt mit der Gesellschaft.

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Gewiss, jedes Komma wurde bestimmt unzählige Male gecheckt von einer Heerschar von Beratern und Kommunikationsprofis - aber die haben eben ganze Arbeit geleistet. Es war eine Inszenierung. Und die wirkte. Durch die holprigen Sätze in Deutsch kam der gebürtige Inder nicht mehr so aalglatt herüber, wie ihn vielleicht Investoren und seine Händlertruppe in London in Erinnerung haben. Und er hatte zahlreiche Gesten eingeübt, mit denen er das Publikum leitete und buchstäblich umarmte.

Kommentare (34)

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UweLinke

13.06.2012, 07:43 Uhr

Mit den Banken ist das wie im Märchen, nur dass nicht die Prinzessin, sondern der Prinz von einer Prinzessin mit dem Gesicht von Frau Merkel wachgeküßt wird um dann den 7 Zwergen die Teller leerzufressen und letztendlich aus Gold Stroh zu spinnen.

Tja „Knusper Knusper Knäuschen,
ein Banker steht am Häuschen.
Doch, Hexe, lass ihn wo er ist,
denn sonst benutzt er eine List.
Wird immer fetter – frisst Dein Haus.
Am Ende ziehst Du selbst bald aus.

Uwe Linke / 19399 Dobbertin

eli

13.06.2012, 07:47 Uhr

Aber geh, sind alle deutschen Manager und Politiker so leicht zu haben. Dann wundert mich am Zustand dieses Deutschlands und Europas NICHTS mehr.

maui

13.06.2012, 07:53 Uhr

Wenn die Politik mir Milliarden von Steuergeldern dort rein schieben würde, wo Götz-von-Berlichingen seinen letzten verbalen Hinweis äußerte, würde ich auch laben-loben-salben. Es zählt auf dem ganzen Weg noch immer, dass eine Chicago-Gruppe um 1930 herum beschloss, eine weltweite Konsumgesellschaft aufzuziehen. Konsum, damit die Milliarden Dummies abgelenkt sind, was in Deutschland in den letzten Jahren super gut klappt, denn die Zinsen sind ja niedrig, also "geben wir es aus, nehmen halt auch bei niedrigen Zinsen Kredit auf"..nur aktuell füllen sich die Hosen wieder stärker, vielleicht wegen Grexia am Sonnetach...und dann soll ein Drittel der Weltbevölkerung ausgehungert werden, damit "wir", der Rest, die verbleibenden zweiDrittel, noch sehr gut leben können. Die Hartz-VI-Politik war ein wesentlicher Schub dazu! Merkel schiebt alle deutschen Rentenansprüche an Grexia, ein reines Bankrottland und jetzt auch Spanien ab. Das für Generationen. OECD fordert in einer Zeit lediglich fiktiv-virtuell-werthaltigen, real wertlosen EUROS dass alle Privatpersonen zu Altersvorsorge gesetzlich gemaßregelt werden. Europa soll kaputt gemacht werden. Aber, warum eigentlich???

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