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09.07.2013

15:03 Uhr

Referenz-Zinssatz

New Yorker Börse legt künftig Libor fest

Der Börsenbetreiber Nyse Euronext soll das Vertrauen in den skandalerschütterten Interbankenzins Libor wiederherstellen. Britische Behörden hatten einen Ausschuss mit der Wahl eines Unternehmens beauftragt.

Nach dem Libor-Skandal soll künftig Börsenbetreiber Nyse in New York für den Interbankenzins verantwortlich sein. dpa

Nach dem Libor-Skandal soll künftig Börsenbetreiber Nyse in New York für den Interbankenzins verantwortlich sein.

LondonDer Börsenbetreiber Nyse Euronext ist künftig für die Festlegung des von einem Manipulationsskandal erschütterten Interbanken-Zinses Libor zuständig. Der transatlantische Börsenbetreiber werde dafür ein neues Tochterunternehmen gründen, teilte ein unabhängiges Gremium am Dienstag mit.

Der Ausschuss war im Februar von der britischen Regierung und der Finanzaufsicht FCA mit der Suche nach einem Unternehmen beauftragt worden, das den Libor in Zukunft ermittelt. Anfang kommenden Jahres soll Nyse die neue Aufgabe übernehmen. Der britische Bankenverband, der den Libor seit den 80er Jahren festgelegt hat, habe der Empfehlung des Ausschusses zugestimmt. Der Referenz-Zinssatz werde aber weiterhin von den britischen Finanzbehörden reguliert.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Nach einem Bericht des Senders Sky News zahlt Nyse Euronext für die in Verruf gekommene BBA Libor, die den Zinssatz bislang festgelegt hat, die symbolische Summe von einem Pfund. Auch der Finanzdienstleister Thomson Reuters, der die Libor-Daten bislang für den britischen Bankenverband eingesammelt hat, hatte Interesse bekundet. BBA und Thomson Reuters wollten sich dazu nicht äußern.

Die Aufseher tüfteln seit Monaten an Ideen, wie sich die Glaubwürdigkeit des Libor wieder herstellen lässt. Er ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze für Hypotheken und andere Kredite. Von ihm hängen weltweit Finanzgeschäfte im Volumen von mehreren Hundert Billionen Dollar ab. Er wird einmal täglich ermittelt und beruhte bislang auf den Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. In der Finanzkrise haben etliche Geldhäuser bei den Angaben getrickst.

Von

rtr

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