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04.01.2013

16:43 Uhr

Referenzzinssatz

BayernLB steigt aus Euribor aus

Die Bayerische Landesbank beteiligt sich nicht mehr an der Erhebung des Zinssatzes Euribor. Das Geldinstitut konzentriert sich stattdessen wieder stärker auf Geschäfte innerhalb Deutschlands.

Die Bayerische Landesbank beteiligt sich nicht mehr an der Erhebung des Zinssatzes Euribor. dapd

Die Bayerische Landesbank beteiligt sich nicht mehr an der Erhebung des Zinssatzes Euribor.

FrankfurtDie Bayerische Landesbank steigt aus der Festsetzung des europäischen Referenzzinssatzes Euribor aus. Bei dem zum Jahreswechsel erfolgten Ausstieg habe es sich um eine "geschäftsstrategische Entscheidung" gehandelt, sagte ein BayernLB-Sprecher am Freitag zu Reuters. Die Landesbank, die einst am Kapitalmarkt ein großes Rad drehen wollte, konzentriert sich seit einiger Zeit wieder schwerpunktmäßig auf Geschäfte in Bayern und Deutschland. Auch die niederländische Rabobank macht bei der Festsetzung des Satzes, der wie sein großer Bruder Libor unter Manipulationsverdacht steht, nicht mehr mit.

Der Ausstieg der Banken droht die Pläne von Politikern und Aufsehern zu untergraben, die den Euribor angesichts der jüngsten Skandale reformieren und zuverlässiger machen wollen. Je weniger Institute bei der Festlegung mitmachen, desto einfacher ist es für einzelne, den Satz durch falsche Angaben zu verzerren.

Zuletzt hatten sich schon die US-Bank Citigroup und der Sparkassen-Fondsdienstleitser Deka zurückgezogen. Auch andere Banken in Deutschland und Österreich prüfen, ob sie bei der Euribor-Erhebung weiter dabei sein wollen. "Die LBBW hat noch keine Entscheidung über einen Verbleib oder Ausstieg aus dem Euribor-Panel getroffen", sagte ein Sprecher zu Reuters. "Wir prüfen das", erklärte die Wiener Raiffeisen Bank International. "Die NordLB beobachtet die weitere Entwicklung", sagte eine Sprecherin der Bank.

Wozu sich die BayernLB verpflichtet hat

Besinnung auf die heimische Wirtschaft

Die BayernLB will sich künftig wieder auf Kunden in ihrer Heimatregion konzentrieren. „Die Bank wird ihren Kunden als Unternehmens- und Immobilienfinanzierer mit regionaler Konzentration auf Bayern und Deutschland weiterhin verlässlich und ohne Einschränkungen zur Verfügung stehen“, erklärte das Geldhaus. Auch bei Geschäften im Ausland könnten diese Kunden weiter auf die Bank zählen. Parallel solle das Geschäft mit den Sparkassen ausgebaut werden.

Bilanzsumme schrumpfen

Seit Beginn des Umbaus im Jahr 2009 hat die BayernLB nach eigenen Angaben bereits seine Bilanzsumme von einst 420 Milliarden Euro auf aktuell rund 300 Milliarden Euro verringert. Nach Angaben des bayerischen Finanzministers Markus Söder (CSU) soll das Volumen letztlich auf rund 200 Milliarden Euro halbiert werden.

Beteiligungen verkaufen

Ein Mittel zum Zweck ist der Verkauf von Beteiligungen. Verkauft werden sollen diverse Auslandsstandorte, die Wohnungstochter GBW, die ungarische Tochter MKB sowie die Landesbausparkasse. Letztere geht an die bayerischen Sparkassen, die der BayernLB zudem über eine Kapitalerhöhung frisches Geld zukommen lassen sollen. Insgesamt steuern sie rückwirkend 1,65 Milliarden Euro zur Rettung der Bank bei, an der sie sich 2008 nicht beteiligt hatten.

Staatshilfe zurückzahlen

Gemäß der Vereinbarung muss die Bayern LB bis zum Jahr 2019 fünf Milliarden Euro an Staatshilfen an den Freistaat zurückzahlen. Anschließend will das Land die BayernLB verkaufen und damit auch die verbliebenen Hilfen - fünf Milliarden Euro - zurückbekommen. „Wenn der Markt es hergibt, werden wir uns trennen von der Bank“, sagte Finanzminister Söder, der auch Verwaltungsratschef der BayernLB ist. Dies sei ein ambitioniertes Ziel.

Stellenabbau

Einen direkten Stellenabbau dürfte die EU-Kommission nicht fordern, doch die Auflagen bedingen indirekt die Arbeitsplatzstreichungen. BayernLB-Chef Gerd Häusler hatte eingeräumt, dass auch ein weiterer „gewisser Stellenabbau“ in der Kernbank notwendig sei. Die Stellenstreichung sei allerdings schon weitgehend abgeschlossen. Vor allem aufgrund des Verkaufs von Beteiligungen werde der Gesamtkonzern nach dem Ende des Umbaus rund 5.000 Mitarbeiter weniger haben. Derzeit sind es nach Angaben der Bank rund 11.000.

Ähnlich wie der Londoner Interbankenzins Libor, der im Zentrum des Manipulationsskandals steht, beruht der Euribor auf den Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. Sie melden einmal täglich die Zinsen, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Auf dieser Basis wird dann der Euribor-Referenzzins ermittelt, an dem sich die Preise für viele Finanzprodukte wie Hypotheken oder Tagesgeld orientieren. Der Libor ist zwar der weltweit bedeutendere Satz, in Europa spielt der Euribor jedoch für einige Produkte eine wichtigere Rolle.

In Deutschland sind an der Festlegung des Euribor Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, LBBW , Helaba, NordLB und die Landesbank Berlin beteiligt. Die Finanzaufsicht Bafin prüft Finanzkreisen zufolge seit Sommer, ob die Institute genügend Vorkehrungen getroffen haben, um Zinsbetrügereien wie beim Libor zu verhindern. Hier hatten Banken falsche Angaben gemacht, um ihre Referenz-Zinssätze zu ihren Gunsten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Auch beim Euribor wird wegen möglicher Manipulation ermittelt.

Reuters hatte bereits Mitte Dezember berichtet, dass mehrere Landesbanken einen Ausstieg aus dem Euribor erwägen. Neben den Kosten haben die Institute vor allem Angst vor teuren Prozessen, falls es bei der Erhebung oder Übermittlung der Daten zu Fehlern kommt. "Die Banken übernehmen beim Euribor eine hoheitlich Aufgabe", sagte ein Banker zu Reuters. "Und vielen ist unwohl dabei, dass sie dabei ein Risiko auf sich nehmen."

Es gebe jedoch auch einige Gründe, an Bord zu bleiben, sagte ein anderer Insider. "Für die Reputation ist es zum Beispiel gut, wenn man weiter an der Festsetzung des Euribors mitwirkt." Auch die Deutsche Bundesbank würde es gerne sehen, wenn möglichst viele einheimische Institute weiter an der Erhebung des Referenzsatzes teilnähmen, sagten zwei Banker. Die Bundesbank wollte sich dazu nicht äußern.

Von

rtr

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