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29.01.2007

11:52 Uhr

Reformen sorgen für Wachstum

Russische Banken erleben einen Boom

VonThomas Wiede

Während das Bild der russischen Bankenbranche im Westen zumeist von Skandalen und Krisen geprägt ist, wirtschaftete sich der Finanzmarkt eigenständig aus dem Tief. Umfassende Reformprozesse ermöglichten raschen Zuwachs. Die Sberbank plant nun den Börsengang.

Russlands größte Banken. Aktiva, in Mill. Rubel (Quelle: Interfax)

Russlands größte Banken. Aktiva, in Mill. Rubel (Quelle: Interfax)

MOSKAU. Morde, Geldwäsche und Finanzkrisen: Russlands Bankensektor hat nicht den besten Ruf. Die Schatten, die sich spätestens seit dem Auftragsmord an Zentralbanker Andrej Koslow im Herbst 2006 im Moskauer Park Sokolniki über die Branche gelegt haben, können aber nicht darüber hinwegtäuschen: Der russische Finanzmarkt hat sich seit der Krise 1998 schneller normalisiert, als es so mancher westlicher Beobachter erwartet hatte.

So hat jetzt die große staatliche Sberbank ihren Gang auf das Parkett angekündigt. 3,5 Millionen Neuaktien im Gesamtwert von 328 Mrd. Rubel (9,53 Mrd. Euro) sollen angeboten werden, berichtete die Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ unter Berufung auf interne Sberbank-Quellen. Die VTB-Bank will bald folgen, auch die Gazprombank liebäugelt mit dem Schritt. Ermutigt werden sie von der Zentralbank – die den Börsengang als entscheidend für eine stärkere internationale Position sieht.

Die Börsengänge folgen einer Reihe von Reformen. Erst vor wenigen Wochen erleichterte das russische Parlament, die Duma, die Regeln für den Einstieg ausländischer Investoren: sie können künftig bis zu 20 Prozent einer russischen Bank kaufen, ohne dass die Zentralbank ihr Plazet geben muss. Bisher lag diese Grenze bei nur einem Prozent. Der Anteil des ausländischen Kapitals im Bankensektor liegt inzwischen schon bei rund 13 Prozent und dürfte jetzt noch rascher steigen. Russlands Finanzminister Alexej Kudrin sieht weitere wichtige Erfolge auf dem Weg der Öffnung: die Einschränkungen im Devisenverkehr und bei der Kapitalbewegung sind gefallen. Der Rubel ist nun frei konvertierbar, Transaktionen müssen künftig nicht mehr über besondere Konten russischer Banken abgewickelt werden und auch die ärgerliche Pflicht, bei internationalen Geschäften einen Garantiebetrag bei einer Bank zu hinterlegen, entfällt. Als Folge seien die Aktiva der russischen Banken 2006 um 25 Prozent gewachsen. „Das ist ein enorm hohes Tempo“, lobt der Minister.

Steigende Realeinkommen der Unternehmen wie auch der Bevölkerung unterstützen den Trend noch. Viele Russen haben wieder Vertrauen zu den Banken gefasst und ihre im Küchenschrank gehorteten Reserven zu den Schaltern getragen. Dabei hat die Sberbank eine starke Position: Nach Angaben von Deutsche UFG denkt rund ein Drittel der Russen beim Thema Geldanlage als erstes an ein Depot bei der Sberbank, ihre alte Sparkasse. VTB – früher die Außenhandelsbank und bekannt geworden durch ihr Engagement bei EADS – gibt sich in einer internationalen Werbekampagne bereits als „global player“: In diesem Jahr will die Bank in acht Länder expandieren, in Westeuropa, China und in Ländern der ehemaligen Sowjetunion (siehe oben stehender Artikel).

Dennoch mahnen Institute wie die Weltbank beständig weitere Reformen in der russischen Geldwirtschaft an. Die Branche gilt nach wie vor als stark segmentiert. 1 300 Kreditinstitute sind registriert, davon gelten rund 50 als klassische Banken, der Rest ist entweder an einen Konzern angeschlossen oder bestenfalls ein Investmentfonds. Obwohl die Kreditsumme wächst, haben die Konsumentendarlehen nur einen Anteil von 5,6 Prozent am BIP, errechnete Deutsche UFG. In Osteuropa liegt der Anteil zwischen acht und fünfzehn Prozent – ein Zeichen für die geringe Durchdringung der Volkswirtschaft mit Finanzdienstleistungen.

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