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11.04.2011

09:27 Uhr

Regierungskommission

London verordnet Großbanken eine Rosskur

VonMichael Maisch

Die britische Bankenkommission schockt mit ihrem Grundsatzbericht die Bankenbranche. Sie fordert eine strikte Trennung der Privat- und Investmentsparten und mehr Eigenkapital. Für die Institute kann das teuer werden.

In Londons Finanzdistrikt Canary Wharf hielt sich die Freude über den Kommssionsbericht in Grenzen. Quelle: dpa

In Londons Finanzdistrikt Canary Wharf hielt sich die Freude über den Kommssionsbericht in Grenzen.

LondonAuf die britischen Großbanken kommen die größten Reformen seit Jahrzehnten zu. Das geht aus dem heute vorgelegten Grundsatzbericht der von Premierminister David Cameron eingesetzten Bankenkommission hervor. Er enthält einen ganzen Katalog von Maßnahmen, die die Institute teuer zu stehen kommen dürften.

Die Kommission prüft seit einigen Monaten, wie das Finanzsystem umgebaut werden muss, um eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern. Außerdem sollen die Experten unter Führung des ehemaligen Notenbankers John Vickers für mehr Wettbewerb auf dem verkrusteten Bankenmarkt sorgen.

Vickers fordert von den Banken, dass sie Privatkundengeschäft und Investment-Banking intern strikt voneinander trennen. Für die Geldhäuser hieße das, dass sie die Sparten unabhängig mit eigenem Kapital ausstatten müssten. Dieses sogenannte Ringfencing soll dafür sorgen, dass für das Finanzsystem essentielle Funktionen wie Zahlungsverkehr, Sicherheit von Giro und Sparkonten sowie Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen auch dann noch sichergestellt sind, wenn das Investmentbanking wieder einmal in eine Krise rutscht. Für die Banken heißt das, dass sie ihre Mittel nicht mehr so frei und flexibel einsetzen können wie bisher, was die Finanzierungskosten nach Schätzungen von Analysten um vier bis fünf Milliarden Pfund in die Höhe treiben dürfte.

Außerdem hält die Kommission eine Kernkapitalquote von zehn Prozent für Banken wie Barclays, HSBC und Lloyds für angemessen. "Diese Quote scheint für Institute mit Bedeutung für das internationale Finanzsystem sinnvoll, große britische Privatkundenbanken sollten sie in jedem Fall erfüllen", heißt es in dem Bericht. Bislang müssen die Banken eine Kernkapitalquote von sieben Prozent vorweisen.

Kommentare (5)

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Stefan-L-Eichner

11.04.2011, 10:52 Uhr

Trennbankensystem und Dekonzentration im Bankensektor – das sind zwei wesentliche und vor allem richtige Schritte hin zu funktionierenden, wettbewerblich gesunden Märkten und mehr Finanzmarktstabilität.

Die britische Bankenkommission rückt damit erstmals seit Beginn der Finanzmarktkrise ins Bewusstsein der Politik, dass es um viel mehr geht, als um das Problem „Too big to fail“. Es geht um funktionierende Märkte, denn die Empfehlung der Kommission bedeutet ja implizit, dass es diese Funktionsfähigkeit nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt gibt.

Damit wird eine notwendige und lange überfällige Diskussion eröffnet, wofür man dem Team um John Vickers nur danken kann. Sie dreht sich um die Frage:

Was sind die Voraussetzungen für funktionierende Märkte, das heißt für wirksamen, fairen und gesunden Wettbewerb?

Denn Antworten der Vergangenheit tragen nicht mehr – das ist doch ein wichtiges Fazit der Finanzmarktkrise.

Nicht nur Großbritannien, sondern vor allem auch die USA und Europa werden die Kompetenz und vor allem auch den Mut aufbringen müssen, eine tragfähige Antwort zu finden, wenn sie stabile Märkte und eine Rückkehr zu Wachstum und Beschäftigung wollen (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/02/wettbewerbsleitbilder-der.html).

Bei den Banken anzufangen, das ist der logische erste Schritt. Was jedoch die britische Regierung aus den Vorschlägen der Bankenkommission wirklich macht, das bleibt abzuwarten.

muellmonster

11.04.2011, 11:12 Uhr

Wenn England das durchzieht ( was hier auch notwendig wäre, nur ist Merkel einfach zu schwach dafür ) dann eröffne ich demnächst in England ein Konto und lege mein Geld dort an.

Markus

11.04.2011, 11:14 Uhr

Prinzipiell sind die Vorschläge nicht schlecht. Eine Kernkapitalquote von 10% ist absolut machbar. Denn die Finanzkrise hat uns gelehrt, das alles was beispielsweise unter 8% liegt verantwortungslos ist.

Das das Retail Banking nicht mit dem Investmentbanking vermischt werden sollte, ist klar, da werden keine Synergien gehoben.

Das Herr Diamond von Barclays mit Abwanderung droht, dürfte wohl daran liegen, das Barclays unter der neuen Regulierung massiv Kapital aufnehmen muss.

Eine Aufspaltung der Universalbanken ist jedoch auch der falsche Weg, weil hier die Gefahr besteht das das sog. "Schattenbankensystem" damit noch mehr gefördert wird,
wie das beispielsweise in den USA seit dem Dodd/Frank Act praktiziert wird.

Da werden reihenweise Hedge Fonds und Private Equity Bereiche mit ganzen Händlerteams abgespalten, aber hintenrum bleiben die Banken trotzdem noch mit etwa um die 30% beteiligt, um an den Gewinnen mitzuverdienen.

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