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02.02.2013

14:59 Uhr

Regulierung

Bankenverband lehnt Trennbanken ab

Die Trennung von Investmentbanking und dem Privatkundengeschäft war von der Politik angeregt worden. Die Krise habe gezeigt, dass Universalbanken stabiler seien als spezialisierte Institute, argumentiert der Verband.

Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbands. dapd

Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbands.

FrankfurtDer Bankenverband hat sich erneut für die Universalbanken starkgemacht und einer Trennung des risikoreichen Investmentbankings von den Kundeneinlagen eine Absage erteilt. "Ich glaube nicht, dass ein Trennbankensystem uns weiter bringt", sagte der scheidende Präsident des deutschen Bankenverbands, Andreas Schmitz, der "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe). "Die Krise hat vor allem gezeigt, dass Universalbanken oftmals stabiler sind als Spezialbanken." Denn so seien vor allem Spezialanbieter wie Lehman Brothers, Northern Rock oder der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate in Schieflage geraten. "Trennbanken sind nicht das Richtige für Kontinentaleuropa", sagte Schmitz, der im April sein Amt an Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen übergeben wird.

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Doch die Umsetzung bereitet den Experten große Sorgen.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Bundesfinanzministerium einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, der Großbanken wie etwa die Deutsche Bank zwingt, den als spekulativ eingestuften Handel auf eigene Rechnung und Geschäfte mit Finanzinvestoren in einer getrennten Einheit zu betreiben. Dabei lehnt sich die Regierung an Vorschläge einer Experten-Kommission um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen an, geht aber nicht so weit wie dieser. Mit den Maßnahmen will der Bund die deutschen Sparer besser vor riskanten Geschäften der Banken schützen.

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Sollten die Liikanen-Vorschläge umgesetzt werden, dann werden nach Einschätzung von Schmitz für die deutschen Kunden die Preise steigen. "Sie müssten künftig für die Dienstleistungen ihrer Hausbank und einer Spezialbank zahlen", sagte er. Vor allem Firmenkunden bräuchten diverse Investmentdienstleistungen wie Wechselkursabsicherungen. "Das gebe es dann nicht mehr aus einer Hand", merkte Schmitz an.

Die Deutsche Bank sieht die Vorschläge des Bundesfinanzministeriums ebenfalls mit Sorge. Die Pläne seien beunruhigend, hatte Co-Chef Anshu Jain am Donnerstag bei der Präsentation der Jahreszahlen in Frankfurt gesagt. "Wir haben definitiv keinen Grund zum Feiern."

Nach Ansicht von Schmitz haben die Banken durchaus ihre Lehren aus der Finanzkrise gezogen. "Sie halten mehr Eigenkapital vor, die Risikokontrolle ist viel besser geworden und die Banker setzen ihren gesunden Menschenverstand wieder öfter ein. Außerdem sind die Vergütungssysteme angepasst worden."

Von

rtr

Kommentare (10)

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Klare_Kante

02.02.2013, 20:29 Uhr

Das Herr Schmitz dieser Meinung ist, wird kaum jemanden wundern. Ich kann nur hoffen, dass die Politik den Normalsparer schützt und nicht die Investmentbanker. Deshalb kann es nur eine Entscheidung geben, kompromisslose Trennung von Haus- und Spezialbanken. Das Argument der steigenden Kosten für Leistungen wie z.B. für Wechselkursabsicherungen ist nicht statthaft. Wer Leistungen in Anspruch nimmt, muss eben auch dafür zahlen, das ist im Kapitalismus nunmal so. Dafür muss dann der Kleinsparer auch die damit verbundenen Risiken nicht mittragen. Ich fände es sogar hilfreich die Vorschläge des finnischen Notenbankchefs Liikanen noch deutlich zu verschärfen. Der Sumpf in den Investmentabteilungen sollte endgültig und dauerhaft trockengelegt werden.

Account gelöscht!

02.02.2013, 20:33 Uhr

Was sind Investmentbanken? Und welchen Nutzen haben sie für die Völker?
Die Wert-Zerstörer“. Banker, die in der Londoner City arbeiten und jährlich zwischen 500.000 und zehn Millionen Pfund einstreichen, zerstören für jedes Pfund Sterling, das sie an Wert schaffen, sieben Pfund Gemeinschaftsvermögen, heißt es in einer Studie des britischen Thinktanks nef.

Banken verursachen Schäden, für die wir alle bezahlen
Bankenregulierung. Die Staatshilfen für Banken haben einen fünfstelligen Milliardenbetrag erreicht - und das ist noch nicht alles. Wie die Banken zum eigenen Vorteil Werte vernichten und was noch auf uns zukommt.

Für Franz Hörmann, Professor an der Wirtschaftsuniversität in Wien, ist die Zeit der Banken und des Geldes vorbei. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt er, warum wir die Banken getrost ignorieren können, die freien Märkte "Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten" sind und noch in den nächsten drei Jahren der Zusammenbruch des gesamten Systems droht. Die Banken sind rund um den Globus pleite. Darum kann man getrost so tun, als ob es sie nicht mehr gäbe.

Die Banken dienen nicht mehr der Realwirtschaft, sie sind zum Spielcasino verkommen. Das ist das ganze Dilemma. Warum geben wir denn das ganze Geld aus – doch nicht wegen Griechenland! Da werden auch keine Investitionen befördert, das sind einfach Wetten, die abgeschlossen werden.

Gerald Celente: „Sie (die Banken) stehlen Ihr Geld und geben es ihren Freunden. Und das alles, ohne dass es dabei bedeutenden Widerstand gäbe, manchmal gibt es überhaupt keinen – die Menschen lassen sie einfach gewähren“.

Account gelöscht!

02.02.2013, 20:34 Uhr

Teil II
Steve Keen: Rund 80 Prozent der Tarp-Gelder, die dazu gedacht waren, die Wirtschaft zu beleben, gingen direkt in Spekulationen an den Aktienmärkten. Alleine deswegen sind die Aktienkurse so stark gestiegen. Wenn wir künftig zurückblicken, werden wir sehen, dass wir uns in der größten Finanzblase aller Zeiten befinden. Ein Grund dafür ist der Bankensektor, der völlig außer Kontrolle geraten ist.

+++ EU-Staaten greifen für krisengeschüttelte Banken tief in die Taschen +++
Die Finanzkrise hat die EU-Staaten dazu veranlasst, den Banken gewaltige Summen zur Verfügung zu stellen, um die Finanzstabilität zu erhalten. Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 genehmigte die Europäische Kommission nach eigenen Angaben Hilfen der 27 Mitgliedstaaten für den Finanzsektor im Umfang von insgesamt 4589 Milliarden Euro. Kein Schreibfehler - leider.
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/EUStaaten-greifen-fuer-krisengeschuettelte-Banken-tief-in-die-Taschen/story/26492176

+++ 18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken +++
http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/453406/182-Billionen-Euro-faule-Werte-vergiften-europaeische-Banken?from=gl.home_Wirtschaft

Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen in Schattenbanken ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf

„Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken“.
Johannes Rau (*16.01.1931-†27.01.2006), ehem. Bundespräsident.

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