Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.11.2015

16:56 Uhr

Regulierungstagung

Angst vor mageren Jahren bei Banken geht um

VonFrank Matthias Drost, Yasmin Osman

Europas Bankenaufseher wollen die Profitabilität der Kreditinstitute im kommenden Jahr stärker in den Fokus rücken, kündigen sie auf der Handelsblatt-Jahrestagung an. Denn Altlasten bremsen Europas Geldhäuser aus.

Die Französin ist Chefin der EZB-Bankenaufsicht.

Danièle Nouy

Die Französin ist Chefin der EZB-Bankenaufsicht.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will die Ertragslage der Geldhäuser genauer untersuchen, die sie beaufsichtigt. „Wir haben eine Umfrage zu den Profitabilitätsprognosen der Banken durchgeführt“, betonte deshalb die Chefin der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Danièle Nouy, auf der Handelsblatt-Konferenz „Neue Entwicklungen in der Bankenaufsicht“ in Frankfurt. Ihre Behörde wolle 2016 die Treiber für die Profitabilität einzelner Institute und die unterschiedlichen Geschäftsmodelle genauer beurteilen. „Das ist ganz klar ein wichtiger Teil des Aufsichtsfokus“, so Nouy.

Nouys Worte zeigen, wie besorgt die Bankenaufseher mittlerweile über die dünne Ertragslage des Finanzsektors sind, der auch unter den extrem niedrigen Zinsen der EZB leidet. Zweites Problem sind die schlechten Wachstumsaussichten für die Euro-Zone. Es ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Banken zu stark reguliert werden und deshalb zu wenig Kredite vergeben. Befeuert wird die Diskussion von der Situation in den USA. Dort arbeiten Institute wie JP Morgan schon längst wieder sehr profitabel.
Den Unterschied macht Nouy aber nicht an einer zu strengen Regulierung fest, sondern an der Art der Krisenbewältigung. „Die US-Institute hatten den Vorteil, dass sie sich entschieden haben, schneller ihre Altlasten abzubauen“, sagte sie. Auch strengere Regeln wurden frühzeitig eingeführt. „Dieser Weg ist schmerzhafter, dafür erfolgt die Rückkehr zur Normalität aber auch schneller“, konstatierte die Französin.

Sie gibt sich deshalb als Verfechterin eines entschlosseneren Abbaus verbliebener fauler Kredite. Diese Altlasten bremsten die Fähigkeit der Banken, die Wirtschaft zu finanzieren. Auch Irmfried Schwimann, von der EU-Wettbewerbskommission, hält die Aufsichtsregeln nicht für zu streng. Es könne zwar sein, dass die Regulierung streng sei, doch alles andere wäre dem europäischen Steuerzahler auch kaum zu vermitteln gewesen, sagte sie.

Wie schwer neben den neuen Aufsichtsregeln die Niedrigzinsen die Institute belasten, machte Burkhard Eckes deutlich, der den Bereich Banking bei der Prüfungsgesellschaft PwC leitet. „Banken haben Prognosen erstellt, was geschieht, wenn die Zinsen in den nächsten drei bis fünf Jahren niedrig bleiben“, sagte er. Das Ergebnis: Viele Institute werden 2018 oder aber im Jahr 2019 in die roten Zahlen rutschen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×