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10.10.2011

11:04 Uhr

Rekapitalisierung

Banken wackeln - trotz staatlicher Infusionen

VonYasmin Osman, Anne Grüttner, Gerd Höhler, Regina Krieger

Kapital allein ist nicht genug: Trotz aller Notoperationen der Regierungen drohen Europas Banken zum Dauerpatienten zu werden. Denn die Finanzmärkte und die Ratingagenturen haben ihr Urteil längst gefällt.

Besonders Griechenlands Banken bräuchten den Berechnungen zufolge zu viel frisches Kapital. dapd

Besonders Griechenlands Banken bräuchten den Berechnungen zufolge zu viel frisches Kapital.

Als der Weltwährungsfonds IWF im September eine stärkere Kapitalausstattung für die europäische Bankbranche ins Spiel brachte, war die Empörung noch groß. Mittlerweile steuert die Politik auf genau diese Lösung zu. Die Europäische Union debattiert nur noch über Ausmaß und Form einer stärkeren Kapitalausstattung. Die diskutierte Rekapitalisierung soll die Banken in die Lage versetzen, notfalls auch eine Insolvenz Griechenlands zu verkraften. Finanzexperten begrüßen das Vorhaben zwar, sie fordern aber zugleich, dass Europa auch seine Staatsschuldenkrise löst.

Die Rekapitalisierung könnte teuer werden. Die Analysten von Morgan Stanley empfehlen, die Banken so stark mit Eigenkapital auszustatten, dass sie selbst dann noch sieben bis acht Prozent Eigenkapital vorweisen könnten, wenn sowohl das Krisenszenario des europäischen Stresstests einträfe als auch ein Schuldenschnitt der europäischen Krisenstaaten. Das würde Europa bis zu 150 Milliarden Euro kosten. Rechnet man noch die möglichen Folgen einer leichten Rezession in Europa mit ein sowie die geplanten höheren Eigenkapitalregeln, dann kommen die Analysten der japanischen Bank Nomura sogar auf die Summe von 350 Milliarden Euro.

Dennoch haben Investoren zunächst ein positives Votum zu den Kapitalisierungsplänen abgegeben, die Kurse vieler Bankaktien stiegen. Das muss nicht so bleiben: Zwar sinkt durch Kapitalspritzen die Gefahr, dass eine Bank durch die Pleite anderer Banken in Bedrängnis kommt. Doch andererseits geht eine solche Kapitalisierungswelle meist zulasten der Altaktionäre. „Eine Rekapitalisierung der europäischen Banken könnte auf der psychologischen Ebene zumindest kurzfristig das Vertrauen in den Bankensektor etwas stärken“, sagt Thomas Stögner, Bankanalyst von Macquarie Securities.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sähe es am liebsten, wenn Banken sich zunächst um privates Kapital bemühen würden. Erst danach solle der Staat einspringen. Das könnte angesichts des extremen Misstrauens der Investoren sehr schnell geschehen. „In Europa wäre kaum eine Bank in der Lage, derzeit eine nennenswerte Kapitalerhöhung durchzuführen“, sagt Macquarie-Analyst Stögner. Auch Jon Peace, Bankanalyst bei Nomura, glaubt, dass „Staatshilfen unvermeidlich sein könnten“.

Wie die Krise die europäischen Banken trifft

Die Geschichte wiederholt sich

Schon einmal mussten die Europäer ihre Banken 2008 retten. Nun steht die nächste Runde an. Finanzexperten begrüßen die Pläne der Europäer, die Kapitalpolster ihrer Institute zu stärken. Doch der Bedarf ist nicht überall gleich hoch: Die Krise trifft die Banken der Krisenländer unterschiedlich hart.

Portugal

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von neun Banken gerade erst herabgestuft. Moody’s begründet das mit den Folgen, die eine portugiesische Staatspleite für die Banken haben könnte. Die bisherige Finanzkrise haben die Banken gut gemeistert und trotz der schwierigen Situation bislang keine staatlichen Kapitalspritzen benötigt. Stabilisiert hat die Banken, dass sie einen großen Teil ihres Finanzbedarfs durch Kundeneinlagen decken können. Die Einlagen sind laut der Ratingagentur Fitch bislang stabil geblieben.

Spanien

Eigentlich ist die Sanierung und Rekapitalisierung der Banken gerade abgeschlossen. Das gilt insbesondere für die Sparkassen, die zu viele Kredite an Bauträger vergeben hatten und die nach dem Platzen der Immobilienblase auf ihren unverkauften Wohnsiedlungen und unbezahlbaren Kreditschulden sitzen geblieben waren. Griechenland-Anleihen sind für die Banken zwar kein Thema, doch sie besitzen viele spanische Anleihen – und sind so durch die Ausweitung der Schuldenkrise bedroht.

Griechenland

Die Banken haben zwar die Finanzkrise 2008 gut überstanden, doch seit der Schuldenkrise hängen sie dennoch am Fliegenfänger. Würde es in Griechenland einen Schuldenschnitt geben, hätte das Land kein Geld für die Rettung seiner Banken. Zudem wird es für die Banken schwerer, EZB-Kredite zu erhalten. Dazu bräuchten sie neue Staatsanleihen, doch Griechenland finanziert sich nur noch über die EU und nicht mehr über Anleihen.

Italien

Die erneute Bonitätsherabstufung des Landes durch eine Ratingagentur trifft die Banken zur Unzeit. Sie sind zunehmend auf Notenbankkredite angewiesen, da auch gute Ergebnisse beim europäischen Stresstest die Nervosität der Investoren nicht zerstreuten. Zu schwer wiegt die Angst vor einer Insolvenz Italiens und den Folgen für dessen Banken. Das ist ungünstig, weil zumindest die Großbank Unicredit noch eine Kapitalerhöhung plant. Das hatte die Notenbank von allen Instituten eingefordert, und bis auf Unicredit sind dem auch alle gefolgt. Kein Wunder, dass der designierte Zentralbankchef Italiens, Fabrizio Saccomanni, nach dem Ratingurteil extra betonte, dass Italiens Banken solide seien und ihre Kapitalausstattung dem europäischen Vergleich standhalte.

Großbritannien

Nach Meinung des britischen Finanzministers George Osborne sind britische Banken „liquide und gut kapitalisiert“. Von Moody’s wurden die Institute dennoch herabgestuft. Die Regierung werde zwar wohl weiterhin wichtige Banken unterstützen, aber unter Umständen das Zusammenbrechen kleinerer Finanzinstitute zulassen, heißt es zur Begründung. Für Aufregung sorgt auch ein Bericht der „Financial Times“, wonach die Royal Bank of Scotland einem Regierungsvertreter zufolge wohl auch noch einmal Staatshilfen bekäme, „wenn es in Europa einen breit angelegten Vorstoß zur Rekapitalisierung von Banken gibt“.


Einige Banken bräuchten im Verhältnis zu ihrer aktuellen Marktkapitalisierung einfach zu viel frisches Kapital. Das gilt insbesondere für Griechenland: Eine Staatsinsolvenz mit 60 Prozent Schuldenerlass würde laut der Ratingagentur Moody’s einen Kapitalbedarf von 27 Milliarden Euro bei den dortigen Banken auslösen, ein Vielfaches ihrer aktuellen Marktkapitalisierung. Auch die portugiesischen Banken bräuchten bei einem Schuldenschnitt ihres Landes nach Berechnungen von Nomura Kapital in doppelter Höhe ihres Marktwerts.

Kommentare (10)

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boemmel

10.10.2011, 11:13 Uhr

stelln wir uns ma janz dumm: wat is ne bank. ene bank is a maschin. auf der einen seite kommt kapital rein und aus dem anderen kommts wieda russ. wat für ne umweltverschwenung so ne bank. neee nee neee.

Naechste-Bankenrettungspakete

10.10.2011, 11:21 Uhr

Die Banken retten und den Steuerzahler belasten und verarschen, das könnt ihr prächtig in Berlin und Brüssel.
Was ihr hier politisch beschlossen habt, ist ein Verbrechen an eurem Volk!
Dafür werdet ihr in Politik, Finanzwelt und Wirtschaft den gerechten Preis bezahlen, davon bin ich absolut überzeugt.

Account gelöscht!

10.10.2011, 11:35 Uhr

Man sollte mal etwas Abstand nehmen von den Rezepten der amerikanischen Finanzwirtschaft und der amerikanischen Ratingagenturen. Diese sind fremdgesteuert und Onkel Sam freut sich diebisch wenn seine Rechnung aufgeht. Deshalb auch immer scheibchenweise ,mal Fitch, dann Moodys usw. Doch man muss es ihnen lassen die Ablenkungsmanoever von der maroden US Wirtschaft und Subprime gelingt. Ich empfehle jedem Kritiker mal die Ostkueste von New York nach Washington abzufahren und das Elend zu bestaunen!

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