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30.08.2012

16:45 Uhr

Rekapitalisierung

Griechische Banken müssen weiter bangen

VonGerd Höhler

Die faulen Kredite der griechischen Banken steigen. Ende 2012 könnten sie bei einem Fünftel liegen. Das verteuert die Rekapitalisierung: Mit den 50 Milliarden Euro aus dem zweiten Rettungspaket könnte es knapp werden.

Griechische Fahnen vor der Akropolis: Die Aussichten der Banken des Landes sind düster. dapd

Griechische Fahnen vor der Akropolis: Die Aussichten der Banken des Landes sind düster.

AthenDie gute Nachricht zuerst: Die Griechen bringen wieder mehr Geld zur Bank. Nachdem die Einlagen im ersten Halbjahr wegen der Furcht vor einer drohenden Staatspleite und einer Rückkehr zur Drachme um zehn Prozent zurückgegangen waren, stiegen sie im Juli um zwei Prozent auf 159,4 Milliarden Euro. Nun kommt die schlechte Nachricht für die angeschlagenen griechischen Kreditinstitute: Wegen der anhaltenden Rezession können immer mehr Unternehmen und private Haushalte ihre Darlehen nicht länger bedienen. Die Institute stehen deshalb vor neuen Milliardenrückstellungen. Die wachsenden Kreditrisiken verteuern die ohnehin kostspielige Rekapitalisierung der griechischen Banken.

Nach Angaben der griechischen Zentralbank lag die Quote der faulen Kredite, die seit 90 Tagen oder länger nicht mehr bedient werden, Ende 2011 im Branchendurchschnitt bei 15,9 Prozent. Schätzungen aus Bankenkreisen besagen, dass sich die Quote inzwischen der 20-Prozent-Marke nähert. Das entspricht einer Kreditsumme von knapp 47 Milliarden Euro. „Jeden Monat steigt die Quote der Kreditausfälle um etwa einen Prozentpunkt“, berichtet ein griechischer Bankenvolkswirt.

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Eine Wende zum Besseren ist nicht in Sicht. Statt erwarteter 4,7 Prozent wird die Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um rund sieben Prozent schrumpfen, nachdem sie bereits 2011 um 6,9 Prozent eingebrochen war. Die Arbeitslosenquote liegt bei 23 Prozent – Tendenz steigend. Allein der griechische Groß- und Einzelhandel rechnet für dieses Jahr mit rund 62 000 Insolvenzen. Und noch ist die Talsohle nicht erreicht. Die Hoffnung, die Wirtschaft werde 2013 wieder wachsen, beginnt sich zu verflüchtigen. Die Volkswirte der Alpha Bank erwarten für das kommende Jahr einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent.

Die griechischen Banken haben bereits in den zurückliegenden drei Jahren Kredite von 20 Milliarden Euro abschreiben müssen. Um den Schaden zu begrenzen, kommen die Institute klammen Kunden entgegen. Allein in den vergangenen sieben Monaten wurden rund 700 000 Darlehensverträge, die eine Kreditsumme von knapp 30 Milliarden Euro betreffen, neu verhandelt. Die Banken setzen die Tilgung in der Hoffnung aus, dass die Kunden die Darlehen später wieder bedienen können, oder sie verlängern die Laufzeiten der Kredite – bei Hypothekendarlehen auf bis zu 99 Jahre.

Die Kreditmisere belastet die Bankbilanzen. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass die Branche deshalb in diesem und im kommenden Jahr in der Verlustzone bleiben wird. Umso dringender wird jetzt die Rekapitalisierung der Institute, die beim Schuldenschnitt (Haircut) im Frühjahr schwer hatten bluten müssen. Die vier größten griechischen Banken meldeten für das Jahr 2011 Verluste nach Steuern von 27,9 Milliarden Euro.

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Davon gingen 23 Milliarden auf das Konto des im März vollzogenen, aber bereits in den Bilanzen des Vorjahrs berücksichtigten Haircuts, der die Kapitalbasis der meisten Institute weitgehend vernichtete. Im zweiten Griechenland-Rettungspaket sind insgesamt 50 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung der Banken vorgesehen. Wenn die Kreditausfälle weiter im gegenwärtigen Tempo steigen, könnte sich diese Summe aber als unzureichend erweisen.

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Im Mai bekamen die Banken bereits als Überbrückung eine Kapitalspritze von 18 Milliarden Euro vom griechischen Bankenrettungsfonds HFSF. Ein weiterer Zuschuss soll fließen, sobald die Euro-Finanzminister die Freigabe der schon für den August erwarteten nächsten Kreditrate von 31,5 Milliarden Euro bewilligen. Davon sind 25 Milliarden für die Banken vorgesehen. Die Auszahlung der Rate hängt aber von dem für Oktober erwarteten Fortschrittsbericht der Prüfer von Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds ab. Nicht nur das verzögert die Zuteilung des Geldes. Die Rekapitalisierung, bei der Griechenlands Notenbankchef Giorgos Provopoulos eine Schlüsselrolle spielt, erfordert die Klärung komplizierter Fragen. Es geht unter anderem um die steuerliche Behandlung des Schuldenschnitts und die Bewertung der neuen Anleihen, die den Banken im Tausch zu den alten Bonds eingebucht wurden.

Die Banken stehen bei der Rekapitalisierung vor einem weiteren Dilemma: Einerseits brauchen sie das Kapital so schnell wie möglich, um sich billige Liquidität bei der EZB leihen zu können. Andererseits möchten sie mit den Kapitalerhöhungen möglichst so lange warten, bis Griechenlands Verbleib in der Euro-Zone gesichert scheint. Denn nur dann können die Institute hoffen, dass sich private Investoren an den Kapitalerhöhungen beteiligen.

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