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03.01.2007

17:01 Uhr

Rekordergebnis

In Polen brummt das Bankgeschäft

VonReinhold Vetter

Die polnischen Banken werden das Jahr 2006 erneut mit einem Rekordergebnis abschließen. Experten der Nationalbank in Warschau erwarten einen Nettogewinn der Branche von gut elf Mrd. Zloty (knapp drei Mrd. Euro), was einem Zuwachs von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei profitieren die Geldinstitute vor allem vom Wirtschaftswachstum und den Privatkunden.

WARSCHAU. „Treibende Kraft sind vor allem die Kredite an Privatkunden sowie an kleine und mittelständische Unternehmen“, betont Günter Hohberger von der Ersten Bank in Wien. Auch das Hypothekengeschäft sei auf dem Vormarsch, meint der Analyst. Den Erfolg der Kreditinstitute spürt auch die Warschauer Börse, wo Bankwerte seit Monaten stark gefragt sind.

Die polnische Nationalbank hält die gute Konjunktur für eine wesentliche Voraussetzung des blühenden Bankengeschäfts. „Das hohe Wachstum und die steigenden Löhne stärken die finanzielle Situation der Bankkunden“, sagt Wojciech Kwasniak, Chef der Bankenaufsicht der Zentralbank. Wachsender Konsum erhöhe das Bedürfnis nach Krediten. Gerade die Besserverdienenden suchten zunehmend auch nach Möglichkeiten, ihr Geld Gewinn bringend anzulegen. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche und andere Konjunkturforscher erwarten für 2006 einen Anstieg des realen Brutto-Inlandsprodukts Polens um Werte zwischen 5,2 und 5,5 Prozent, womit Polen zu den Spitzenreitern unter den neuen EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa zählt.

Ein wichtiger Motor des Wachstums ist der Export. Da polnische Produkte gerade auf westlichen Märkten zunehmend konkurrenzfähiger werden, gewinnt gerade auch die Exportfinanzierung an Bedeutung für die Banken des Landes.

Generell profitieren die polnischen Banken von ihren Rationalisierungs- und Modernisierungsanstrengungen der letzten Jahre. Bankmanager wie Boguslaw Kott von der Millenium Bank, Brunon Bartkiewicz von der ING Bank Slaski und Slawomir Lachowski von der BRE Bank verweisen zu Recht auf die hohe Professionalität ihrer Institute. Neue Produkte wie die Nutzung von Girokonten über Internet gewinnen an Attraktivität. Eine wachsende Zahl von Kunden nutzt Bankkonten, um ihre Handykarte aufzuladen. Um noch näher an ihre Kunden zu gelangen, planen Institute wie die Bank Pekao, Citibank Handlowy, Nordea, Polbank und Bank Zachodni WBK für das kommende Jahr die Einrichtung von über tausend neuen Filialen – nicht zuletzt an Tankstellen und auf dem Gelände von Hoch- und Fachhochschulen. Die Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen (Straßenbauten, Schienen, Flughäfen), die mit EU-Geldern gefördert werden, ist ein weiteres Geschäftsfeld, auf dem die Banken zunehmend Geld verdienen.

Mehr als zwei Drittel des Nettogewinns, den der polnische Bankensektor in diesem Jahr erwirtschaftet hat, entfällt auf die drei größten Institute. Das sind die mehrheitlich noch staatliche Bank PKO als Marktführer sowie die Bank Pekao und die Bank Przemyslowo-Handlowy (BPH) als Tochterbanken der italienischen Unicredit-Gruppe. Auch die ING Bank Slaski, die Citibank Handlowy, die Commerzbank-Tochter BRE Bank und die Bank Zachondni WBK gehören zu den ertragstärksten Instituten (Tabelle). Nach Angaben der polnischen Nationalbank werden gegenwärtig knapp 61 Prozent des polnischen Bankkapitals von ausländischen Investoren gehalten.

Im kommenden Jahr wird sich die polnische Bankenlandschaft an der Spitze nachhaltig verändern. Durch die Übernahme von 285 Filialen der Bank Przemyslowo-Handlowy wird die Unicredit-Tochter Bank Pekao künftig das größte Institut des Landes sein und damit die Bank PKO von ihrem bisherigen Spitzenplatz verdrängen. Um die restlichen 200 BPH-Filialen ist inzwischen ein internationaler Bieterwettbewerb entbrannt. Die geplante Ausdehnung des Filialnetzes durch andere Banken ist nicht zuletzt eine Antwort auf die bevorstehende Fusion.

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