Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.10.2015

06:55 Uhr

Rekordverlust bei der Deutschen Bank

Das große Ausmisten

VonDaniel Schäfer

Lieber sanieren als Luftschlösser bauen: Der neue Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, schafft Fakten. Und die sind schmerzhaft für das deutsche Geldhaus. Doch der Härtetest kommt erst Ende des Monats.

Der Neue bei der Deutschen Bank

Wer ist John Cryan?

Der Neue bei der Deutschen Bank: Wer ist John Cryan?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtEs ist ein glasklares Signal an Investoren und Mitarbeiter: Mit einem Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro im dritten Quartal, einer Kappung der Dividende und möglichen Einschnitten bei den Boni demonstriert John Cryan, dass bei der Deutschen Bank ein neuer, eisiger Wind weht.

Statt wie sein Vorgänger Anshu Jain mit unrealistischen Zielen Luftschlösser zu bauen, startet der neue Vorstandschef die grundlegende Sanierung des Geldhauses. An die Stelle von Versprechungen tritt der Anspruch des Briten, ohne große Worte Fakten zu schaffen.

Durch den Rekordverlust der Bank ist die Wahrheit nun für jeden ersichtlich: Die Altlasten sind bei der Bank immer noch enorm. Hohe Abschreibungen im Investmentbanking auf den Wert der 16 Jahre zurückliegenden Übernahme von Bankers Trust, ebenso auf den erfolglosen und vor der Rückabwicklung stehenden Kauf der Postbank sowie neue Kosten für Rechtstreitigkeiten ziehen die Bank tief in die roten Zahlen.

Gehaltsmillionäre bei deutschen Banken (nach Funktionen)

Quelle

Die European Banking Authority in London veröffentlicht jährlich eine Übersicht über Einkommensmillionäre bei europäischen Banken. Die Zahlen hier beziehen sich auf das Jahr 2013 und wurden im September 2015 von der Behörde veröffentlicht.

Management-Aufsicht

Zahl der Einkommensmillionäre:
1
Fix-Gehalt:
1,38 Millionen Euro

(Kein Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Allgemeine Management-Funktionen

Zahl der Einkommensmillionäre:
111

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,83 Millionen Euro

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
185 Prozent

(Kein Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Investmentbanking

Zahl der Einkommensmillionäre:
196 (2012: 100)

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,49 Millionen Euro (2012: 1,54 Millionen Euro)

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
185 Prozent (2012: 325 Prozent)

Privatkundengeschäft

Zahl der Einkommensmillionäre:
11 (2012: 17)

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,36 Millionen Euro (2012: 1,17 Millionen Euro)

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
177 Prozent (Vorjahr: 120 Prozent)

Vermögensverwaltung

Zahl der Einkommensmillionäre:
15 (2012: 17)

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,5 Millionen Euro (2012: 1,53 Millionen Euro)

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
419 Prozent (Vorjahr: 169 Prozent)

Zentralfunktionen („Corporate functions“)

Zahl der Einkommensmillionäre:
27

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,59 Millionen Euro

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
303 Prozent

(keine Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Unabhängige Kontrollfunktionen

Zahl der Einkommensmillionäre:
12

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,42 Millionen Euro

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
227 Prozent

(keine Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Alle übrigen

Zahl der Einkommensmillionäre:
24

Durchschnittlicher Jahresverdienst:
1,33 Millionen Euro

Verhältnis von variabler zu fester Vergütung:
219 Prozent

(keine Vergleichsdaten für das Vorjahr)

Nun gehört es zum Standardrepertoire eines neuen Vorstandschefs, im ersten Quartal seiner Amtszeit mit Horrorzahlen aufzuwarten. Diese kann man kommod seinem Vorgänger in die Schuhe schieben – um in den darauf folgenden Quartalen umso schöner zu glänzen. „Kitchen sinking“ nennen die Anglo-Amerikaner diese beliebte Vorgehensweise: Die Probleme in den Ausguss kippen.

Bei dieser Strategie werden die Probleme gerne auch mal überzeichnet, um nachher umso besser dazustehen. Doch was in manchen Fällen in die Rubrik billiger Managementtricks gehört, ist im Falle Cryans und der Deutschen Bank ebenso glaubwürdig wie bitter notwendig. Denn es ist unbestritten, dass das unter chronischer Renditeschwäche und ewigen Skandalen leidende Geldhaus einer ebenso entschlossenen wie zunächst schmerzhaften Restrukturierung bedarf.

Aktie bricht ein: Deutsche Bank kündigt Rekordverlust an

Aktie bricht ein

Deutsche Bank kündigt Rekordverlust an

Die Deutsche Bank hat einen Milliardenverlust für das dritte Quartal angekündigt. Die Unternehmensaktie brach nachbörslich ein, kämpft sich am Donnerstagvormittag aber wieder ins Plus.

Dabei machte der aus dem Aufsichtsrat in die CEO-Rolle gewechselte Cryan von Anfang an keine Gefangenen. Schon in seiner ersten Botschaft an die Mitarbeiter zum Jobstart nannte er die Probleme beim Namen: Er geißelte die „inakzeptabel“ hohen Kosten und komplexen Abläufe. Und er kündigte Einschnitte im Handelsgeschäft an, welches im heutigen Umfeld in manchen Bereichen zu viel Kapital konsumiere und damit nicht mehr wirtschaftlich sei. Nun handelt er danach.

Doch das bilanztechnische Großreinemachen kann nur ein erster Schritt sein. Was Cryan den gebeutelten Aktionären und Mitarbeitern bis Ende Oktober liefern muss, ist ein klarer Fahrplan für die Restrukturierung sowie die lange ersehnten Details der neuen Strategie 2020. Und er muss Mut zeigen und den in Teilen durch den Skandal um manipulierte Libor-Zinsen desavouierten Vorstand und erweiterten Führungskreis darunter entschlossen umbauen.

Bislang hat es der ehemalige Finanzchef der UBS geschafft, die Management-Etikette zu wahren: Immerhin zwei Tage vor Ablauf der berühmten 100-Tage-Schonfrist schafft er auf spektakuläre Art erste Fakten. Doch die – hoffentlich ausreichende –Bilanzbereinigung war der leichtere Teil. Der wirklich diffizile, an dem er letztlich gemessen werden wird, muss in drei Wochen folgen.

Kommentare (32)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

08.10.2015, 07:46 Uhr

M.E. sind Universalbanken heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß. Entweder man konzentriert und fokussiert sich ausschließlich auf das profitable aber schwankungsanfällige internationale Investmentbanking als Global Player (so wie Goldman, Citi, JP Morgan und Morgan Stanley). Oder man macht eben das (fast) risikolose aber margenschwache Retailgeschäft mit Omis Sparbuch und Kredite für Krethi & Plethi am Schalter daheim (so wie das Commerzamt). Aber beides unter einen Hut geht einfach nicht.

Herr Thomas Behrends

08.10.2015, 08:04 Uhr

Ich werde das Gefühl nicht los, dass positive Unternehmensergebnisse, vor allem der DAX-AG's, nur noch mit Betrug zu bewerkstelligen sind.

Herr M. M.

08.10.2015, 08:27 Uhr

Wer hätte gedacht,dass Verbrecher endlich bekommen,was sie verdienen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×