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17.04.2014

15:01 Uhr

Rekordverlust

Britische Co-op-Gruppe büßt für Bankskandal

Nach dem durch Misswirtschaft und eine Drogenaffäre geprägten „Katastrophenjahr“ 2013 fährt die britische Co-op-Gruppe den größten Verlust ihrer Geschichte ein. Nun braucht das Bankgeschäft dringend frisches Kapital.

Die Co-op-Gruppe steckt wegen ihres Bankgeschäfts weiter in Schwierigkeiten. 2013 endete mit einem Rekordverlust. dpa

Die Co-op-Gruppe steckt wegen ihres Bankgeschäfts weiter in Schwierigkeiten. 2013 endete mit einem Rekordverlust.

LondonGroßbritanniens skandalgeschüttelte Genossenschaftsgruppe Co-operative büßt mit einem Riesenverlust für die Sünden der Vergangenheit. Mit gut drei Milliarden Euro (2,5 Milliarden Pfund) häufte das Traditionsunternehmen nach Angaben vom Donnerstag im vergangenen Jahr seinen bislang höchsten Fehlbetrag an. Grund ist vor allem die Misswirtschaft in dem zusätzlich von einer Drogenaffäre erschütterten Bankgeschäft. Nachdem dort eine gewaltige Kapitallücke bekanntgeworden war, sah sich die Co-op Group gezwungen, 1,5 Milliarden Pfund zuzuschießen. Hinzu kommen immense Wertberichtigungen auf Supermärkte der im Jahr 2009 für 1,6 Milliarden Pfund übernommenen Somerfield-Kette.

„2013 war ein Katastrophenjahr für die Co-operative Group“, das schlimmste in unserer 150-jährigen Geschichte, gestand Interimschef Richard Pennycook. „Die heutigen Ergebnisse zeigen das. Aber sie werfen zugleich ein Licht auf grundlegende Fehler in Management und Unternehmensführung.“ Er kündigte an, die Gruppe durch den notwendigen Reformprozess zu führen. Sein Vorgänger Euan Sutherland war im März zurückgetreten.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Außer Handels- und Kredithäusern betreibt der Verbund Bestattungsinstitute, Apotheken und Versicherungsbüros. Die Achillesferse ist das Bankgeschäft, das an Hedgefonds ging. Denn die Finanzprobleme führten dazu, dass die Gläubiger die Mehrheit der Co-op Bank übernahmen. Deren Verwaltungsratschef Paul Flowers, ein früherer Lokalpolitiker und Methodisten-Prediger, hatte im Juni seinen Hut genommen. Für weitere Schlagzeilen sorgte seine Festnahme wegen des Verdachts auf Drogenbesitz, wofür er sich nun vor Gericht verantworten muss. Die Co-op Bank braucht weitere 400 Millionen Pfund. Die Gruppe erwägt, ob sie sich an zusätzlichen Hilfen beteiligt. Sie müsste allein 120 Millionen Pfund nachlegen, um ihre Beteiligung bei 30 Prozent zu halten.

Von

rtr

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