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05.12.2011

11:04 Uhr

Renditen

Deutsche Bank warnt Branche vor längerer Schwächephase

In der Bankenbranche dürfte die Zeit der hohen Renditen so bald nicht wiederkommen. Jetzt stimmt auch der künftige Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, den Markt auf eine Periode der Bescheidenheit ein.

Jürgen Fitschen, künftiger Co-Vorstandschef der Deutschen Bank. dpa

Jürgen Fitschen, künftiger Co-Vorstandschef der Deutschen Bank.

DüsseldorfDie kommende neue Führung der Deutschen Bank senkt die Erwartungen. Bisher hatte Vorstandschef Josef Ackermann die Zielrendite von 25 Prozent noch nicht grundsätzlich aufgegeben. Sein Nachfolger dagegen sieht die Branche vor einer längeren Schwächephase. So sagte Jürgen Fitschen, der künftige Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, bei einem Treffen prominenter Bankenvertreter, Ökonomen und Politiker in Berlin: "Wir treten in eine Periode niedrigerer Renditen ein. Es gibt Mutmaßungen in der Branche, die von 10 bis 15 Prozent Eigenkapitalrendite für die Branche sprechen."

Im Augenblick habe Sicherheit und Liquidität für ein Kreditinstitut wie die Deutsche Bank Vorrang, betonte Fitschen. Der scheidende Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatte in der Vergangenheit eine Rendite von 25 Prozent angepeilt und im Jahr 2008 auch tatsächlich erreicht. Ackermann hatte allerdings bereits selbst angekündigt, dass diese Größe im laufenden Geschäftsjahr verfehlt werde.

Wegen der europäischen Schuldenkrise hatte die Deutsche Bank ihr ehrgeiziges Gewinnziel bereits im Oktober aufgegeben. Ackermann war da endgültig auf Distanz zu seinem großen Ziel gegangen, in diesem Jahr einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro vor Steuern im Kerngeschäft zu erreichen. Diese Marke sei nach einem enttäuschenden dritten Quartal außer Reichweite, weil Besserung nicht in Sicht sei, hatte er auf einer Investorenkonferenz in London eingeräumt. Vor allem das Investmentbanking leidet unter der lähmenden Angst von Unternehmen und Anlegern vor der Pleite eines Euro-Landes. Im Kapitalmarktgeschäft sollen nun bis März 2012 weitere 500 Stellen abgebaut werden - allerdings vor allem im Ausland.

Die Deutsche Bank hatte in den ersten sechs Monaten nach ihrer Ziel-Definition im Kerngeschäft 5,5 Milliarden Euro verdient. Das vierte Quartal ist traditionell eher mau, daher hätte sie im dritten Vierteljahr Analysten zufolge schon 2,5 bis drei Milliarden Euro einfahren müssen, um ihr Ziel noch zu erreichen. Vor einem Jahr waren es 1,3 Milliarden Euro - und damals war lief das Geschäft vor allem im September deutlich besser. Seit Anfang September hatten 13 von 29 Analysten ihre Gewinnerwartungen nach unten geschraubt, und zwar im Schnitt um gut zehn Prozent. Auch über andere im Investment-Banking starke Banken wie Goldman Sachs haben Experten wegen der Krise an den Märkten ihre Daumen gesenkt.

Ackermann hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass das Gewinnziel nur in einem normalen Marktumfeld zu erreichen sei. Angesichts der Verwerfungen als Folge der Schuldenkrise in der Euro-Zone kann davon jedoch keine Rede sein.

Von

afp

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

05.12.2011, 09:51 Uhr

NACHRICHT IN KURZFORM: 30,65 €
Auch ein Reporter sollte sich nicht freizumachen suchen, Fakten, Daten und Tatsachen von Verantwortlichen zu entpersonalisieren.
Er ist persönlich verantwortlich,
was in seiner Bank geschah.
So wie er zwei Nachfolger hat, scheints schlagen zwei Herzen in seiner Brust.
WHAT GOES UP MUST COME DOWN!

Politikverdrossen

05.12.2011, 10:10 Uhr

Dieses Renditeziel von 25% hat sich zu einem Politikum entwickelt, das der Bank sehr geschadet hat. Daher ist es nur konsequent, dieses für die Zukunft zu senken und aus den Schlagzeilen zu nehmen.

Inhaltlich dagegen war eine EK-Rendite von 25% (vor allem bei diesem hohen Leverage) immer angemessen, und ist im Mittelstand mehr als verbreitet. Aber bei den fehlenden BWL-Grundkenntnissen in der Politik, der Presse und der Bevölkerung ist dies offensichtlich nicht zu vermitteln.

Wieder ein Fall von: polit. Propagande schlägt ökonomischen Sachverstand.

Mogelpackung-Eigenkapitalrendite

05.12.2011, 10:22 Uhr

Die "Ackermann´sche Eigenkapitalrendite" ist ohnehin eine Mogelpackung. Ackermann nutzt bei seinen bonustreibenden Renditeprahlerreihen die Doppelköpfigkeit des Begriffes. So steigt die Eigenkapitalrendite nicht nur, wenn die Gewinne steigen. Auch die REDUZIERUNG des Eigenkapitals bei sonst gleichem Gewinn, steigert die Eigenkapitalrendite optisch. Aktuell liegt die Verschuldung der Dt.Bank bei 2229 Mrd. Euro. Das Eigenkapital der Dt.Bank liegt in der Größenordnung von nur 2,6% (!) der Verbindlichkeiten.
Die Optisch hohe Eigenkapitalrendite entsteht hier rechnerisch, wenn der Gewinn aus dem Gesamt-Billioneneinsatz auf das kümmerlich kleine Eigenkapital bezogen wird. Würde das ( gemessen am Spieleinsatz) kümmerliche Eigenkapital verdoppelt, würde die Eigenkapitalrendite rechnerisch halbiert ( bei ansonsten gleichem Gewinn) .Daher wehren sich Blender+Schwachleister mit Händen und Füßen gegen höhere Eigenkapitalpflichten. Unter Ackermann wurden von der Dt.Bank sogar 223 Millionen eigene Aktien aufgekauft, um mit einem Aufwand von 14,80 Mrd. Euro das Eigenkapital zu schwächen und durch Schulden aufzufüllen. Eine teure Blenderei.

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