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31.01.2011

12:33 Uhr

Restrukturierung

Banken schrumpfen um die Wette

VonH. Alich, G. Hussla, M. Maisch, T. Riecke

Dank billigem Geld und laxer Vorschriften haben sich viele Geldhäuser vor der Krise mit Zukäufen verhoben. Der Staat musste als Retter einspringen. Viele Institute specken jetzt radikal ab. Es gewinnt der, der sich am schnellsten verkleinert.

Zentrale der Citigroup: Das angeschlagene Institut hat sich dank radikalem Schrumpfkurs schneller erholt, als viele dachten. dpa

Zentrale der Citigroup: Das angeschlagene Institut hat sich dank radikalem Schrumpfkurs schneller erholt, als viele dachten.

Für den Milliardär und Hedge-Fonds-Manager John Paulson war das Investment in die krisengeschüttelte Citigroup eines seiner besten Geschäfte. Mehr als eine Milliarde Dollar hat er binnen 18 Monaten mit den Aktien verdient. Ihr Kurs hat sich im vergangenen Jahr um 43 Prozent verteuert. Citi-Chef Vikram Pandit bekommt nach zwei Null-Jahren denn auch wieder erstmals eine Vergütung in Höhe von 1,75 Millionen Dollar. Die deutlich verschlankte Citigroup hat die Schieflage überwunden, schneller als gedacht.

Nach ihrer dramatischen Schieflage im Zug der Finanzkrise haben sich viele Banken überraschend schnell wieder erholt. "Wir waren ursprünglich davon ausgegangen, dass die Banken für ihr Comeback mindestens zwei bis drei Jahre brauchen werden. Am Ende schafften sie die Wende jedoch in sechs bis neun Monaten", sagte ein New Yorker Broker zu Bloomberg, der zunächst zu einer kleinen Bank geflüchtet war und jetzt wieder zu einer großen zurückgekehrt ist. Auch europäische Häuser, wie etwa die UBS oder die Royal Bank of Scotland, melden wieder schwarze Zahlen.

Aufsichtsbehörden machen Druck

Sie profitieren nicht nur von der guten Konjunktur. Die rasche Erholung rührt auch daher, dass sie sich im Eiltempo von ihren Randgeschäften getrennt haben. Vorne liegt, wer es nach den Zeiten billigen Geldes und aufgeblähter Bilanzen am schnellsten schafft, sich von Geschäftsteilen zu trennen. Investor Paulson nennt sein Citi-Engagement schlicht ein "Restrukturierungs"-Investment. "Es geht um Sanierung und nicht um eine Wachstumsstory", sagt auch Bankanalyst Neil Smith von der WestLB. So hat die Citibank ihr Deutschlandgeschäft losgeschlagen, die UBS hat sich von ihren US-Filialen getrennt. Die Commerzbank hat mit Verkäufen wie dem Bankhaus Reuschel ihre Bilanz um gut 22 Prozent reduziert. Die belgisch-französische Dexia hat ihren Anteil an der französischen Bank Crédit du Nord und die slowenische Tochter verkauft.

"Es blieb den Banken gar nichts anderes übrig, als abzuspecken. Sie mussten die höheren Eigenkapitalanforderungen des Markts und der Aufsichtsbehörden erfüllen", sagt Bankanalyst Dieter Hein von Fairesearch. Nach riskanten und zum Teil existenzgefährdenden Übernahmen seien die Geldinstitute viel zu schwach kapitalisiert gewesen.

Großbritannien hatte sich in der Finanzkrise 2008 als einer der ersten großen Industriestaaten entschlossen, zwei Großbanken mit direkten Kapitalhilfen unter die Arme zu greifen. Allein in die Royal Bank of Scotland (RBS) und in die Lloyds Bank pumpte die Regierung 76 Milliarden Pfund. Wegen der staatlichen Hilfen hat die EU-Kommission Lloyds und der RBS zur Auflage gemacht, ihre Bilanzsummen um bis zu 40 Prozent zu schrumpfen. Nach einer ganzen Serie von Verkäufen - darunter Bankfilialen und ein Abwickler von Kreditkartenzahlungen - ist die RBS dabei deutlich schneller vorangekommen als der Konkurrent Lloyds.

Kommentare (1)

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investor xy

01.02.2011, 16:14 Uhr

Die Commerzbank hat mit Verkäufen wie dem bankhaus Reuschel ihre bilanz um gut 22 Prozent reduziert.

Was ist mit der Dresdner bank ? Weiss jemand Details?

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