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11.01.2012

19:30 Uhr

Rettung in letzter Minute

Allianz könnte Commerzbank-Großaktionär werden

Die Commerzbank braucht mehr Eigenkapital. Deswegen verhandelt sie mit der Allianz, die am Ende neuer Großaktionär werden könnte. Dabei hatte der Versicherungskonzern auf Bankenbeteiligung eigentlich keine Lust mehr.

huGO-BildID: 24552305 Bayern/ ARCHIV: Fahnen der Allianz SE. dapd

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Frankfurt/DüsseldorfIm Jahr 2009 hat die Allianz einen guten Deal gemacht, als sie die Dresdner Bank an die Commerzbank verkaufte. Sie war ihre ungeliebte Tochter, die ihr niemals Glück gebracht hatte, los. Die Käuferin allerdings hat sich an dem Geschäft verhoben. Die Commerzbank, der die Finanzkrise einen Strich durch ihre Rechnungen machte, kommt seit dem Kauf der Dresdner Bank nicht mehr auf den grünen Zweig.
Die Not wird täglich größer, weil die Commerzbank bis Ende nächster Woche darstellen muss, wie sie die künftig strengeren Eigenkapitalanforderungen, die die internationalen Finanzaufseher verlangen, einhalten will. Mehr als fünf Milliarden Euro braucht sie dafür. In dieser Situation haben sich Commerzbank und Allianz nun wieder zusammengefunden. Sie wollen nach Handelsblatt-Online-Informationen aus Finanzkreisen, die stille Einlage der Allianz in Höhe von 750 Millionen Euro möglicherweise in Aktien umwandeln. Die ließen sich dann von Seiten der Commerzbank als hartes Eigenkapital vorweisen und die Finanzlücke wäre zumindest ein bisschen kleiner. Die Ironie dabei: Die Allianz kauft sich so mal wieder eine Bank. Zumindest wird sie mit einem Anteil von voraussichtlich mehr als 15 Prozent an der Commerzbank nach dem Staat deren zweitgrößter Aktionär.

Beschlüsse gibt es aber noch nicht. Gelingt der Plan, käme die Bank dem Ziel einen großen Schritt näher, die Lücke ohne staatliche Hilfe zu schließen. „Die Bank ist zuversichtlich, das Paket rechtzeitig schnüren zu können“, sagte ein Insider. Es werde aber bis zur letzten Minute dauern. Die Allianz und die Commerzbank wollten sich nicht dazu äußern.

Die Commerzbank-Aktie legte nach der Meldung deutlich zu und schloss fünf Prozent im Plus bei fast 1,30 Euro. Allianz-Papiere gewannen 1,3 Prozent.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Die Allianz hatte die Stille Einlage kurz nach der Übernahme ihrer Tochter Dresdner Bank durch die Commerzbank gezeichnet. Sie wird von der EU-Bankenaufsicht nicht als hartes Kernkapital anerkannt. Eine Beteiligung über Aktien ginge unproblematisch als hartes Eigenkapital durch. Allerdings würde die Allianz dann das Risiko eines Kursverfalls und einer ausbleibenden Dividende tragen.

Allianz-Finanzvorstand Oliver Bäte hatte in den Gesprächen mit der Commerzbank zunächst zur Bedingung gemacht, dass sein Konzern durch die Änderung keinen finanziellen Schaden erleide. Nun sieht sich die Allianz aber offenbar in der Pflicht, zur Stabilisierung des Finanzsystems in Europa beizutragen. Sie hatte sich in der vergangenen Woche bereiterklärt, bei der 7,5 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung von Unicredit mit 150 Millionen Euro mitzuziehen, an der sie zwei Prozent hält.

Der Rettungsplan der Commerzbank wäre damit zu vier Fünftel perfekt. „Die Chancen sind besser geworden, das Puzzle nimmt Gestalt an“, sagte ein Investmentbanker. 2,7 Milliarden Euro soll die Reduzierung der Risiken in der Bilanz (RWA) bringen, 700 Millionen Euro hat die Bank durch den Rückkauf von Hybridanleihen eingesammelt. 200 Millionen Euro dürfte der Verkauf der früheren Dresdner-Bank-Zentrale gebracht haben.

Die Commerzbank muss wie 30 andere europäische Banken bis zum 20. Januar den Aufsehern einen Plan vorlegen, wie sie bis Ende Juni auch unter den widrigen Bedingungen der Schuldenkrise auf neun Prozent hartes Kernkapital kommen will. Insgesamt fehlen den Instituten nach Berechnungen der EU-Aufsicht EBA mehr als 115 Milliarden Euro.

Kommentare (7)

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Realo

11.01.2012, 17:58 Uhr

Taschenspielertricks à la Pippi Langstrumpf: Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt. So geht das nicht.

Das Problem ist das Geldsystem. Grundsätzlich muss die Frage beantwortet werden, wie Geld entstehen darf und wie es gedeckt ist. Die Banken sind de facto alle pleite, die Versicherungen auch. Der globale Derivatemarkt hat einen realen Wert nahe null.

Die ungedeckte Geldschöpfung durch die Zentralbanken ist völliger Irrsinn.

Das System ist am Ende.

Berny

11.01.2012, 19:56 Uhr

Da hat die Allianz über Jahre mit der Dresdner bewiesen, dass sie "Bank" eben nicht kann, da fangen die schon wieder an.
Unglaublich banane...

Berny

11.01.2012, 19:57 Uhr

Da hat die Allianz über Jahre mit der Dresdner bewiesen, dass sie "Bank" eben nicht kann, da fangen die schon wieder an.
Unglaublich banane...

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