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24.09.2011

16:42 Uhr

Rettungsfonds EFSF

Sparkassen wollen Euro mitretten

Die Sparkassen und Landesbanken wollen sich an dem neuen milliardenschweren Hilfspaket für Griechenland beteiligen. Sparkassen-Chef Heinrich Haasis übte außerdem scharfe Kritik an den USA.

Der scheidende Sparkassen-Chef Heinrich Haasis. dpa

Der scheidende Sparkassen-Chef Heinrich Haasis.

WashingtonSparkassen und Landesbanken wollen sich an dem neuen milliardenschweren Hilfspaket für Griechenland beteiligen. „Allerdings ist das Gesamtvolumen vergleichsweise gering, da unsere Institute nur unterdurchschnittlich in griechischen Staatsanleihen investiert sind“, sagte der scheidende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Heinrich Haasis, am Samstag in Washington. Vor allem einzelne Landesbanken hätten griechische Staatsanleihen im Portfolio, Sparkassen nur im Ausnahmefall. Haasis rechnet damit, dass der geplante Umtausch der Bonds am 15./16./17. Oktober vollzogen wird. Voraussetzung sei allerdings, dass die Reform des Europäische Rettungsfonds (EFSF) bis dahin durch sei. Der Bundestag entscheidet nächste Woche darüber.

Was spricht für Euro-Bonds, was dagegen?

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Eurobonds?

Gemeinsame Staatsanleihen aller Euro-Länder, die von einer noch zu gründenden europäischen Schuldenagentur zur Versteigerung angeboten würden. Bisher begibt jedes Land ausschließlich eigene Anleihen - mit der Konsequenz, dass hoch verschuldete Staaten teils extrem hohe Zinsen zahlen müssen. Geraten sie in den Fokus der nervösen Märkte, steigen die Zinsen sogar noch höher. Staaten mit glänzender Bonität wie Deutschland oder Österreich kommen dagegen günstig an frisches Geld.

Was wären die Vorteile von Eurobonds?

Pleitekandidaten stünden nicht mehr wie bisher weitgehend allein gegen die Macht von Finanzmärkte und Spekulanten: Mit Hilfe der Eurobonds könnten sie sich wieder zu moderaten Konditionen Kredite besorgen - schließen sind die solideren Staaten ja bei jeder einzelnen Anleihe mit im Boot. Allerdings würde ein anderer Teil der Schulden nach wie vor zu nationalen Zinssätzen verzinst werden - mindestens 40 Prozent müssten dies sein, fordert etwa Grünen-Chef Cem Özdemir.

Was spricht gegen Eurobonds?

Dass eine gemeinsame Haftung für Schulden ein tatkräftiges Sanieren und Sparen für Athen, Lissabon & Co noch unattraktiver machen könnte - nach dem Motto: Die Reichen werden schon zahlen. Dies befürchtet etwa Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Außerdem würden dann - so formulieren es die Eurobond-Gegner - deutsche Steuerzahler für Schulden derer mithaften, die zuvor über ihre Verhältnisse gelebt haben. Befürworter wie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker versichern deshalb, parallel solle ein Anreizsystem für verschuldete Euroländer geschaffen werden, das strikte Haushaltsdisziplin belohne.

Wo verlaufen die Fronten in dem Streit?

In Deutschland zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün. In Europa - stark vereinfacht - zwischen Staaten mit AAA-Bonität und dem Rest. In Brüssel hat sich neben Juncker auch EU-Währungskommissar Olli Rehn für Eurobonds ausgesprochen. Die führenden Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland sind uneins. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger beispielsweise ist für diese Lösung, ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen spricht von einer „hanebüchenen Idee“.

Was würden Eurobonds für Deutschland kosten?

Das ist höchst umstritten. Kai Carstensen etwa kalkuliert, dass Deutschland einen deutlichen Zinsaufschlag von 2,3 Prozentpunkten zahlen müsste. Unter dem Strich entspräche dies jährlichen Mehrkosten von gut 47 Milliarden Euro, errechnete er für die „Welt am Sonntag“. Eurobonds-Befürworten meinen dagegen: Staatspleiten und ein Auseinanderbrechen der Eurozone kämen für Deutschland teurer als die gemeinsamen Bonds.

Auf Druck der EU-Regierungen beteiligen sich private Gläubiger an dem neuen mehr als 100 Milliarden Euro schweren Hilfspaket für Griechenland. Unter dem Strich geht es um eine Verlängerung der Anleihe-Laufzeiten, damit das hoch verschuldete Land mehr Zeit für die Rückzahlung bekommt. Nach jetzigem Stand beteiligen sich Finanzkreisen zufolge rund 75 Prozent der Investoren an dem Paket. Haasis betonte, er gehe von einer ausreichend hohen Beteiligung aus. Der Tausch geht mit Belastungen von 21 Prozent in den Bankbüchern einher. In der Politik mehren sich Forderungen, die eine höhere Entlastung Griechenlands und damit höhere Wertberichtigungen für die Banken fordern. Deutsche Banken haben ihr Engagement in Griechenland mittlerweile auf unter zehn Milliarden Euro reduziert.

Zweifel an den politischen Akteuren der EU

Der Sparkassen-Präsident sieht die Hauptursache für die derzeitige Unruhe an den Märkten in dem schwindenden Vertrauen der Investoren in die Handlungsfähigkeit der Europäischen Währungsunion und ihrer Mitgliedsländer. „Heute gibt es eher Zweifel am Vorgehen der politischen Akteure“, sagte Haasis. Die Vielstimmigkeit der europäischen Staats- und Regierungschefs und auch innerhalb der Bundesregierung treibe die Verunsicherung. Er appellierte daher auch an die Abgeordneten des Bundestags, der EFSF-Reform am nächsten Donnerstag zuzustimmen. „Insbesondere an der Entscheidung Deutschlands wird sich die Handlungsfähigkeit der Europäischen Währungsunion festmachen“, sagte er.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

24.09.2011, 20:24 Uhr

Es ist schon eine Dreistigkeit ohnegleichen, wenn der Artikel schreibt:

[Zitat]
Auf Druck der EU-Regierungen beteiligen sich private Gläubiger an dem neuen mehr als 100 Milliarden Euro schweren Hilfspaket für Griechenland.
[Zitatende]

Wenn jemand sich zu beteiligen hat ist es natürlich der Gläubiger, und zwar nur dieser!

Die richtige Formulierung wäre:

Auf Druck der EU-Regierungen beteiligen sich die Steuerzahler an dem neuen mehr als 100 Milliarden Euro schweren Hilfspaket für Griechenland. Obwohl Sie niemals eine Geschäftsbeziehung mit der Hellenischen Republik eingegangen sind.

Neusprech in Reinkultur.

Geheimrat

24.09.2011, 21:31 Uhr

Die Schulden hat der Bürger = (Steuerzahler + Habenichtse) gemacht, denn er selbst hat die Macht an seine Politiker gegeben, Schulden zu machen auf daß es allen gut gehe so lange sie leben.
Da der Staat ein vertrauenswürdiger Schuldner war brauchte er auch keine Sicherheiten bieten. (z Bsp. die Elbphilharmonie in HH für 600 Mio, oder das Reichstagsgebäude in Berlin).
Der Staat muß ja auch für seine Fahrzeuge keine Haftpflichtversicherung abschließen.
Kurzum,
Jetzt ist die Party zuende, der Schuldner kann nicht zahlen.
Nun versucht der Politiker seine Schuldenmacherei den Banken in die Schuhe zu schieben.
In Griechenlan haben die Menschen den Politiker als Übeltäter erkannt, der nicht einmal ein funktionierendes Steuersystem zustande gebracht hat.
Warum soll der ehrliche Grieche jetzt bluten ?
Das gleiche gilt für die Amnestie des Schäuble für
kriminelle Steuerhinterzieher in der Schweiz.

Nein, hoffen wir, daß am Ende alles gut wird und nicht die in den Reichstag einziehen, die schon mal drin waren.
Dann Gnade Gott diesem Wilhelminischem Hühnerhaufen in der Regierung.

whisky

24.09.2011, 22:10 Uhr

Geheimrat: "Nun versucht der Politiker seine Schuldenmacherei den Banken in die Schuhe zu schieben."
Nettokreditaufnahme des Bundes 2008 = 11,5 Mrd €, 2009 = 34,
1 Mrd, 2010 44 Mrd. Hat natürlich nichts mit der Bankenrettung zu tun. Und auch nicht mit den 80 Mrd € Rekapitalisierung und Risikoübernahme durch den Erwerb von Problemaktiva.
http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_56704/DE/BMF__Startseite/Multimedia/Infografiken-zum-Finanzmarkt/InfografikenBildergalerieTabelle,gtp=113358__3D7.html?__nnn=true
Es wird von den Neoliberalen erfolgreich versucht, die von den Finanzmärkten verursachte Krise in eine Staatsschuldenkrise umzubenennen. Mit Hilfe von Springer (BLÖD) und Co.

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