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11.01.2010

06:00 Uhr

Richard Branson

Virgin mischt britischen Bankenmarkt auf

VonMichael Maisch

Richard Branson einen Tausendsassa zu nennen, wäre eine grobe Untertreibung. 360 Firmen hat der britische Unternehmer unter seinem Virgin–Logo bereits gegründet. Jetzt übernimmt der Finanzableger Virgin-Money die Privatbank Church House Trust.

Richard Branson will jetzt auch den britischen Finanzmarkt erobern. Quelle: ap

Richard Branson will jetzt auch den britischen Finanzmarkt erobern.

LONDON. Von der Fluglinie bis zum TV-Sender reicht die Palette an Firmen von Richard Branson. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Zuletzt konzentrierte sich der 59-Jährige auf die Erfüllung seiner Jugendträume. In der kommenden Formel-1-Saison soll sein Team Virgin an den Start gehen, und sein Projekt VSS Enterprise will von 2011 an zahlende Touristen mit Raumschiffen in eine erdnahe Umlaufbahn befördern.

Dagegen wirken Bransons Pläne im Finanzmarkt fast bescheiden, aber aus den vorsichtigen Anfängen könnte sich schnell ein ernstzunehmender Wettbewerber für die britischen Großbanken entwickeln, zumindest im Privatkundengeschäft.

Bransons Finanzableger Virgin Money wird die kleine Privatbank Church House Trust übernehmen. Die Transaktion hat zwar nur einen Wert von 12,3 Mio. Pfund, aber sie ist bereits von der Finanzaufsicht abgesegnet und beschert Virgin eine Vollbanklizenz. Bislang funktioniert Virgin Money vor allem als Marke, über die unter anderem Verbraucherkredite und Kreditkarten vertrieben werden. Die Produkte selbst stammen aber von anderen Anbietern, wie der Royal Bank of Scotland (RBS). Das soll sich durch die Übernahme ändern.

„Church House bietet uns die Basis, von der aus wir unser Wachstum vorantreiben können“, betont Richard Branson, der den Neuerwerb nutzen will, um die ganze Bandbreite von Produkten für Privatkunden vom Girokonto bis zum Hypothekenkredit anzubieten.

In einem ersten Schritt wird Virgin 37 Mio. Pfund in Church House investieren. Allerdings gilt die Bank als heißer Kandidat für weitaus größere Projekte. In Finanzkreisen wird Branson immer wieder als Bieter für eine ganze Reihe britischer Bankteile genannt, die in diesem Jahr auf den Markt kommen werden. Die Labour-Regierung ist gerade dabei, die vollverstaatlichte Hypothekenbank Northern Rock in einen „guten“ Teil und in eine „Bad Bank“, in die toxische Bilanzpositionen ausgelagert werden sollen, aufzuspalten. Sobald die Teilung abgeschlossen ist, soll der „gute“ Teil verkauft werden.

Virgin Money gilt neben der National Australia Bank als einer der ersten Interessenten für Northern Rock. Branson hatte bereits vor der Vollverstaatlichung der Krisenbank Anfang 2008 mit der Regierung über eine Übernahme verhandelt.

Darüber hinaus könnte Branson auch für Hunderte von Filialen bieten, die die teilverstaatlichten Banken RBS und Lloyds auf Druck der EU-Wettbewerbshüter verkaufen müssen. „Wir werden weitere Zukäufe prüfen, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt“, sagte Virgin-Money-Chefin Jayne-Anne Gadhia. Allerdings ist Branson nicht der einzige, der den britischen Bankenmarkt für attraktiv hält. Auch die brasilianische Itau Unibanco und die spanische Santander werden am Markt als Bieter für die Filialen von Lloyds und RBS gehandelt.

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