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03.03.2012

09:46 Uhr

Richard Parsons geht

Haudegen verlässt Citigroup

In einer der größten Banken der Welt geht eine Ära zu Ende: Nach 16 Jahren verlässt Verwaltungsratschef Richard Parsons das Gremium und übergibt den Job wohl an einen Ex-Chef der Bank of Hawaii.

Richard Parsons, Noch-Verwaltungsratschef der Citigroup. dpa

Richard Parsons, Noch-Verwaltungsratschef der Citigroup.

New YorkCitigroup-Aufsichtsratschef Richard Parsons geht. Wie die Bank am Freitag mitteilte, soll Michael O'Neill, Verwaltungsratsmitglied und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bank of Hawaii, Parsons Nachfolge antreten. Bei der Jahreshauptversammlung im April soll das Gremium seinen neuen Chef wählen.

Der 63-Jährige Parsons, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Time Warner, gilt als geschickter Verhandlungsführer, Diplomat und Krisenmanager und ist einer der bekanntesten afro-amerikanischen Führungskräfte in der amerikanischen Wirtschaftswelt.

Als Parsons 2009 zum Aufsichtsratschef ernannt wurde, wurde das Gremium heftig für seine großen Investitionen in den US-Häusermarkt kritisiert. Einige Analysten sahen in Parsons die Fortsetzung dieser verfehlten Politik des Aufsichtsrats. Parsons war allerdings auch Wirtschaftsberater von Präsident Barack Obama in dessen Übergangsteam, daher werteten einige Parsons' Wahl zum Aufsichtsratschef auch als Zeichen, dass Citi dessen diplomatischer Fähigkeiten bedürfe, nun, da die Regierung der größte Anteilseigner der Bank geworden war.

Citi, die drittgrößte Bank des Landes nach Vermögenswerten, war die letzte Großbank, die nach der Finanzkrise die Rettungskredite zurückzahlte. Im vergangen Jahr verdiente die Bank 11,3 Milliarden Dollar (knapp 8,5 Milliarden Euro) nach Verlusten von insgesamt 40 Milliarden Dollar in den Jahren 2008 und 2009. Die Regierung verkaufte ihren Anteil an der Bank im Jahre 2010.

Parsons erklärte, die Bank sei wie jede Großbank immer noch mit Herausforderungen konfrontiert, doch die Krise liege hinter ihnen. Citi-Vorstandschef Vikram Pandit sagte, die Bank sei unter Parsons' Führung zu einer Position der Stärke unter den Wall-Street-Banken zurückgekehrt.

Parsons Weggang war von der Wall Street erwartet worden. Die Aktie gab am Freitag um drei Cent auf 34,10 Dollar nach und verlor im nachbörslichen Handel zusätzliche sechs Cent.

Parsons arbeitete im Weißen Haus unter Präsident Gerald Ford. Es wurde über ihn als potenziellen Nachfolger des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg spekuliert, bevor Bloomberg 2009 für eine dritte Amtszeit kandidierte und schließlich auch gewählt wurde. Parsons hatte eine Kandidatur abgelehnt.

Zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder von Citigroup verlassen das Gremium ebenfalls.

Parsons designierter Nachfolger, Michael O'Neill, war ehemals Chef der Bank of Hawaii und hat bei der Citigroup bislang das Nordamerika-Geschäft verantwortet. In Deutschland war die Citigroup bis vor einigen Jahren mit ihrer Tochter Citibank auch im Privatkundengeschäft aktiv, hatte die Sparte aber an die französische Credit Mutuel weiterverkauft. Jetzt konzentriert sie sich hierzulande auf das Firmenkundengeschäft und Investmentbanking.

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