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28.04.2015

13:02 Uhr

Richter Peter Noll

„Nur Bares ist Wahres“

VonMichael Brackmann

Richter Peter Noll spricht Klartext und würzt Kommentare schon einmal mit Spitzen gegen die Wirtschaftswelt. Das wird im Prozess gegen aktuelle und ehemalige Spitzenmanager der Deutschen Bank nicht anders sein.

Richter Peter Noll (2. von rechts) zu Beginn des Strafprozesses gegen fünf Ex-Manager der Deutschen Bank. dpa

Deutsche-Bank-Prozess

Richter Peter Noll (2. von rechts) zu Beginn des Strafprozesses gegen fünf Ex-Manager der Deutschen Bank.

MünchenAls der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und die anderen wegen schweren Prozessbetrugs angeklagten Top-Manager des Geldhauses am Dienstag in München den Gerichtssaal betraten, da trafen sie auf einen Vorsitzenden Richter, der alles andere als streng und einschüchternd wirkt: Peter Noll (53), Nickelbrille, graues Haar, die Robe geschmückt mit einer Fliege statt der von seinen Kollegen bevorzugten Krawatte. Doch der erste Eindruck sollte die Angeklagten nicht in Sicherheit wiegen. Der Vorsitzende der 5. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I führt seit 25 Jahren die großen Wirtschaftsprozesse in München.
Zuletzt mit großem Erfolg für die Staatskasse: Im vergangenen Sommer beendete der Richter den Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone mit einem Paukenschlag: Gegen die Rekordsumme von 100 Millionen Dollar wurde der Prozess gegen den exzentrischen Briten eingestellt.

Trotz monatelanger Beweisaufnahme sah es das Gericht nicht als erwiesen an, dass Ecclestone den ehemaligen Vorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, beim Formel-1-Verkauf bestochen hat. Natürlich gilt auch bei Noll das Prinzip: Im Zweifel für den Angeklagten.

Ob von diesem Rechtsgrundsatz auch Fitschen und die Mitangeklagten profitieren werden? Darüber wird die Beweisaufnahme entscheiden. Klar ist jedenfalls, dass Noll den Angeklagten die Flucht in Anglizismen und den Fachjargon der Hochfinanz untersagen wird. Noll würzt seine Kommentare über die Wirtschaftswelt auch gerne mit süffisanten Formulierungen und ätzendem Humor – sehr zur Freude der Zuhörer im Saal. „Nur Bares ist Wahres“, sagte er etwa zu einem Spitzenverdiener, dem er nach der Zeugenaussage ein Formular für die Kostenerstattung überreichte – und ergänzte: „Bei uns gibt es aber Obergrenzen.“

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Fitschen, Ackermann, Breuer – die aktuelle und einstige Elite der Deutschen Bank muss sich wegen des Vorwurfs des Prozessbetrugs verantworten. Die Angeklagten zweifeln an der Objektivität der Staatsanwaltschaft.

Noll selbst betont immer wieder, dass er finanziell in einer anderen Welt lebe als die Banker. Er sei ja nur ein einfacher Staatsdiener, sagte er beispielsweise im Prozess gegen Ecclestone. Allerdings werden sich auch Nolls Bezüge bald erhöhen. Seine Beförderung an das Oberlandesgericht München ist beschlossene Sache – der Prozess gegen die Manager der Deutschen Bank ist seine Abschiedsvorstellung am Landgericht.

In seiner Freizeit engagiert sich der Vater von drei Kindern als Gemeinderat für die "Grüne Alternative Liste" (GAL) in seinem Wohnort Utting am Ammersee. Dort beschäftigt er sich nicht mit komplexen Finanzmaterie, sondern etwa mit der Frage, ob in dem idyllischen Ort Bäume gefällt werden müssen. Sein Motto für das ehrenamtliche Engagement gilt womöglich aber auch für seine juristische Tätigkeit: „Allen Recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.“

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