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10.01.2007

10:45 Uhr

Risiken und Sicherheiten

Finanzaufsicht prüft Kredite an Hedge-Fonds

Kredite an Hedge-Fonds sind für Banken ein lukrativer Geschäftsbereich – aber auch eins mit Risiken. Amerikanische und europäische Aufsichtsbehörden untersuchen nun gemeinsam, ob Geschäftsbanken und Investmentbanken ausreichend strenge Kriterien für ihre Kredite anwenden.

Bloomberg WASHINGTON. Die US-Wertpapieraufsicht SEC, die Federal Reserve Bank of New York, die britische Financial Services Authority sowie die Schweizer und deutschen Finanzaufsichtsbehörden (BaFin) hatten sich mit einigen der größten Kreditgeber der Hedge-Fonds-Branche getroffen, wie SEC-Kommissarin Annette Nazareth in einem Interview mit Bloomberg in Washington erklärte. Sie baten dabei um Informationen, wie die Kreditgeber die Höhe der Sicherheiten festlegen. Noch sei unklar, ob oder welche Maßnahmen die Behörden ergreifen, sagte Nazareth.

Für die Banken geht es hier um einen lukrativen Geschäftsbereich. Schließlich spielen die Kredite an Hedge-Fonds jährliche Provisionen von acht Mrd. Dollar ein. Bear Stearns, einer der drei größten Prime-Broker, erzielt mindestens 30 Prozent vom Gewinn mit dem Hedge-Fonds-Geschäft, schätzt Brad Hintz, Analyst bei Sanford C. Bernstein in New York.

Für Hedge-Fonds, die mit Wertpapierkrediten den Fremdkapitalanteil und das Volumen ihrer Handelsspekulationen erhöhen, wird es schwieriger, Gewinn zu machen. „Eine Verschärfung würde das Geschäftsvolumen reduzieren, das die Banken zur Verfügung stellen können“, sagt Josh Galper, geschäftsführender Gesellschafter bei der Beratungsgesellschaft Vodia Group LLC. „Wenn die Hedge-Fonds weniger Wertpapierkredite aufnehmen können, werden sie für ihre Kunden nicht mehr die gleichen Erträge erzielen können.“ Für die Banken wiederum sei es gegenüber den Hedge-Fonds ein Verkaufsargument, wie viel Risiko sie eingehen könnten.

Die Behörden wollen von den Banken wissen, welche Sicherheiten sie von Hedge-Fonds für die Kredite verlangen, um potenzielle Verluste abzudecken. Sie hoffen damit, eine Schieflage wie bei Long-Term Capital Management LP zu verhindern. Die Verluste der Hedge-Fonds-Gesellschaft zwangen 1998 die US-Notenbank Federal Reserve, eine Rettungsaktion zu starten.

Für Hedge-Fonds können sich durch die Fremdkapitalfinanzierung die Handelsverluste vervielfachen und das Finanzsystem unter Druck bringen. Schließlich verwalten sie mittlerweile weltweit 1,3 Billionen Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Für Aufsehen in der Branche hatte auch die US-Firma Amaranth Advisors LLC gesorgt, die mit fehlgeschlagenen Gasspekulationen 6,5 Mrd. Dollar Verlust einfuhr.

Von Bankenseite nahmen an den Treffen im vergangenen Monat neben den großen US-Häusern auch UBS und die Deutsche Bank teil, berichtete eine informierte Person. Tim Geithner, Präsident der New York Fed, bezeichnete bereits am 29. November die Frage der Wertpapierkredite als „sehr kompliziert“.

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