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18.11.2014

14:25 Uhr

Risiko-Einschätzung

EZB-Aufsicht traut Banken-Bilanzen nicht

Banken rechnen sich ihre Risiken gern klein, eine Praxis, gegen die die neue EZB-Aufsicht zügig vorgehen will. „Das ist für uns ein großes Projekt“, erklärte die Vize-Chefin der Behörde, Sabine Lautenschläger.

Sabine Lautenschläger ist Vize-Chefin der neuen EZB-Bankenaufsicht. Sie will die internen Berechnungsmethoden mit denen Banken ihre Bilanzrisiken erstellen,  kritisch unter die Lupe nehmen. Reuters

Sabine Lautenschläger ist Vize-Chefin der neuen EZB-Bankenaufsicht. Sie will die internen Berechnungsmethoden mit denen Banken ihre Bilanzrisiken erstellen, kritisch unter die Lupe nehmen.

FrankfurtDie neue EZB-Aufsicht will den Wildwuchs bei der Berechnung von Risiken in den Banken-Bilanzen eindämmen. Die internen Modelle, mit denen die Geldhäuser ihre Kredit- und Marktrisiken selbst errechnen können, sind den Regulierern ein Dorn im Auge, seit sich dort eklatante, nur schwer erklärbare Unterschiede ergeben haben. „Wir werden in den nächsten zwei bis drei Jahren in jedes einzelne Modell hineinschauen“, kündigte die Vize-Chefin der neuen EZB-Behörde, Sabine Lautenschläger, am Dienstag auf einem Kongress in Frankfurt an. „Das ist für uns ein großes Projekt.“

Die Banken haben ein Interesse daran, ihre Bilanzrisiken herunterzurechnen. Denn dann brauchen sie weniger Eigenkapital hinterlegen, um diese abzusichern. Die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte neue Aufsicht, die primär für die 120 größten Banken in der Euro-Zone zuständig ist, werde Inkonsistenzen „auf sehr direktem Wege“ angehen, so Lautenschläger. Es gehe um die Gleichbehandlung aller Banken in Europa.

Auch die für die ganze EU zuständige Banken-Regulierungsbehörde EBA hat die internen Modelle im Visier, wie ihr Chef Andrea Enria auf der gleichen Veranstaltung sagte. „Wir müssen verstehen, ob eine Bank ein besonders gutes Portfolio hat oder ob sie nur fragwürdige interne Modelle anwendet.“

Die EZB drängt die von ihr beaufsichtigten Banken auch dazu, die Erkenntnisse aus dem jüngsten Stresstest und dem vorausgehenden Bilanz-Check in den Abschlüssen für das laufende Jahr zu berücksichtigen. Dabei geht es etwa um Kredite, die von den Stresstest-Prüfern als faul identifiziert worden waren.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

„Als Bank und deren Abschlussprüfer würde ich sorgfältig prüfen, wie sich das in den Rückstellungen niederschlagen soll“, sagte Lautenschläger. Die EZB-Aufsicht werde das in Gesprächen mit den Banken und ihren Bilanzprüfern deutlich machen. „Der Bilanz-Check ist eine Goldmine. Wir werden sie voll ausbeuten.“

Die im Stresstest angewandten Regeln widersprechen jedoch in einigen Punkten nationalen und internationalen Bilanzierungsvorschriften. Nationale Sonder- und Übergangsregeln, etwa zur Berechnung des Eigenkapitals, will die EZB bei den Großbanken im Sinne der Gleichbehandlung eindämmen, wie Lautenschläger ankündigte.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr reiner tiroch

18.11.2014, 18:21 Uhr

die EZB traut den Bank-Bilanzen nicht? die werden doch nicht beschissen haben? aber die Sofin Bankenaufsicht hat doch alles als palettie signalisiert? das betrügen wird doch nicht gedeckt sein? .... logisch, so wie immer halt.

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