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21.10.2015

15:09 Uhr

Riskante Zinsgeschäfte

Pforzheim versus Deutsche Bank

Wer kein Geld hat, muss erfinderisch sein: Das dachten sich in den 2000er Jahren viele Kommunen – und schlossen riskante Zinsgeschäfte ab. Pforzheim verlor 57 Millionen Euro – und will jetzt die Deutsche Bank verklagen.

Eine Filiale der Deutschen Bank: Das Finanzhaus sieht sich mit neuen negativen Schlagzeilen konfrontiert. dpa

Deutsche Bank

Eine Filiale der Deutschen Bank: Das Finanzhaus sieht sich mit neuen negativen Schlagzeilen konfrontiert.

PforzheimDie Stadt Pforzheim will wegen verlustreicher Zinsgeschäfte noch im November Klage gegen die Deutsche Bank einreichen - wegen „grob fehlerhafter Anlageberatung“. Es geht um Schadenersatz aus Derivategeschäften in Höhe von rund 20 Millionen Euro plus Zinsen. „Wir wollen uns so viel wie möglich zurückholen“, sagte am Mittwoch ein Stadtsprecher. Pforzheim hatte in den Jahren 2004 und 2005 hoch spekulative Geschäfte abgeschlossen und dadurch viel Geld verloren: Die Verluste summierten sich auf 57 Millionen Euro.

Der Gemeinderat hatte am Dienstagabend mit großer Mehrheit für die Klage gestimmt. Sie wird aller Voraussicht nach am Unternehmenssitz der Deutschen Bank, in Frankfurt, eingereicht. Das Kreditinstitut wollte das Pforzheimer Vorgehen nicht kommentieren.

Die Klage ist nach Angaben des von der Stadt beauftragten Anwaltes sehr umfangreich und umfasst über 30 Leitz-Ordner. Die Bank habe Pforzheim fehlerhaft beraten, sagte der Anwalt der Deutschen Presse-Agentur. Es seien Produkte zur Zinsoptimierung angepriesen worden, die dafür nicht geeignet gewesen seien, „sondern hochspekulativ“.

Der Deutsche-Bank-Vorstand

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 verkündete Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft.

Das Gremium besteht jetzt aus zehn statt zuvor acht Mitglieder.

Zwei Frauen gehören zum Zirkel, drei Manager sind Deutsche.

John Cryan

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agiert bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef. Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin soll als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann bringen. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Quintin Price

Der Manager kam vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock und zog direkt in den Deutsche-Bank-Vorstand ein. Der Brite ist für das Fondsgeschäft (DWS) und institutionelle Kunden zuständig.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete zuvor das Aktiengeschäft in London und übernahm im Oktober 2015 die Leitung des kompletten Handelsgeschäfts („Global Markets“), das von den anderen Investmentbanking-Aktivitäten getrennt wurde.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten. 2017 übernahm er die Leitung des Investmentbankings.

Christian Sewing

Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

Jeff Urwin

Der Brite kam im Frühjahr 2015 vom Konkurrenten JP Morgan. Er stieg wenig später in den Vorstand auf und trägt dort die Verantwortung für die neu aufgestellte Unternehmenskunden- und Investmentbank.

Pforzheim hatte sich im Dezember 2014 mit der US-Bank JP Morgan auf einen Vergleich vor dem Landgericht Frankfurt geeinigt, der der Kommune zwei Drittel ihrer Zinswetten-Millionenverluste ersetzte: rund 37 Millionen Euro.

Die Kommune war die riskanten Geschäfte mit der amerikanischen Bank eingegangen, um Verluste aus Zinsgeschäften mit der Deutschen Bank gegenzufinanzieren. „Die Deutsche Bank war bislang nicht bereit, auf uns zuzugehen“, begründete der Stadtsprecher die Klage. Man gehe „sehr hoffnungsvoll“ in das Verfahren.

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