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03.06.2017

08:44 Uhr

Robo-Advisors

Wie Finanzberater bei Morgan Stanley zu Cyborgs werden

Immer mehr Banken setzen auf Robo-Advisors, in den USA verteilen Roboter bereits Anlagengelder in Höhe 500 Milliarden Euro. Morgan Stanley geht jetzt einen etwas anderen Weg, um seine Mitarbeiter aufzurüsten.

Morgan Stanley setzt darauf, dass Menschen mit Robo-Assistenz bessere Lösungen für ihre Anleger finden. dpa

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Morgan Stanley setzt darauf, dass Menschen mit Robo-Assistenz bessere Lösungen für ihre Anleger finden.

New YorkDie US-Bank Morgan Stanley will ihre eigene Art der Cyborgs erschaffen: Die 16.000 Finanzberater des Kreditinstituts sollen mit algorithmischen Assistenten ausgestattet werden. Diese sollen Handelsgeschäfts vorschlagen, Routineaufgaben übernehmen – aber auch Geburtstagserinnerungen verschicken. Intern ist das Programm als „Next Best Action“ bekannt – es entscheidet sich von den Plänen in der Konkurrenz.

Immer mehr Banken setzen auf vollautomatisierte Plattformen, die sogenannten Robo-Advisers. Hier entscheidet statt eines Fondsmanagers ein Algorithmus darüber, welche Aktien gekauft oder verkauft werden. Die Beratungsfirma A.T. Kearney schätzt, dass die Roboter in den USA rund 500 Milliarden Euro Kapital verwalten.

Bei Morgan Stanley werden die Algorithmen dagegen den Finanzberatern verschiedene Vorschläge unterbreiten, aus denen die Mitarbeiter auswählen können. Dahinter steht der Gedanke, dass Menschen mit Robo-Assistenz eine bessere Lösung für vermögende Familien sein werden als einfach nur Software, die Gelder für die Massen anlegt. Diese Ratschläge des Programms basieren auf Indikatoren wie Veränderungen am Markt sowie Ereignissen im Leben von Kunden, verrät Jeff McMillan, Chief Analytics and Data Officer in der Vermögensverwaltung der Bank.

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Zudem katalogisiert der Algorithmus Anrufe, E-Mails und Webseiten-Interaktion. Diese verfolgt das Programm über maschinelles Lernen nach, um seine Vorschläge mit der Zeit verbessern zu können. Auf diese Weise sollen letztlich mehr Geschäft mit den Kunden abgeschlossen werden. „Wir versuchen verzweifelt, sie und ihr Verhalten zu verstehen, um sie mit etwas zu erfreuen, nach dem sie vielleicht nicht einmal gefragt haben, doch das basierend auf dem, was sie gemacht haben, was vielleicht für sie von Wert ist“, sagt McMillan. „Wir versuchen nicht, ihnen etwas zu verkaufen. Wir versuchen vielmehr, Dinge zu finden, die sie wollen und brauchen.“

Der Wettbewerb ist durch billigere, automatisierte Vermögensverwaltungs-Dienste hoch und die Erwartungen steigen, die von Pionieren wie Uber und Amazon geschürt wurden. In diesem Umfeld versuchen Broker derzeit, ihre digitale Zukunft zu finden. Dabei stellt sich heraus, dass die beste Hoffnung der menschlichen Berater im Kampf gegen Roboter darin besteht, dieselben Technologien anzuzapfen, die sie bedrohen: Algorithmen im Kombination mit Big-Data und maschinellem Lernen. Morgan Stanley will zunächst im Juli ein Pilotprogramm mit 500 Beratern starten. Bis zum Jahresende soll es auf alle infrage kommenden Mitarbeiter ausgeweitet werden.

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Doch weitere Hightech-Initiativen sind bei der US-Bank bereits auf dem Weg. McMillan und andere arbeiten an einer Artificial-Intelligence-Assistenz, einer Art Siri für Broker. Sie soll Fragen beantworten können, indem sie den Berg an Analysen des Unternehmens durchforstet – Morgan Stanley veröffentlicht pro Jahr 80.000 Studien. Zudem automatisiert das Unternehmen Papier-intensive Prozesse wie Überweisungen. Es soll auch ein digitaler Speicher für Kunden-Dokumenten aufgebaut werden –etwa Steuererklärungen und Testamente.

Ganz sagt sich Morgan Stanley von Robo-Advisers aber nicht los. In den kommenden Monaten will die Bank ihren eigenen auf den Markt bringen, ebenso wie die Konkurrenten Bank of America, Wells Fargo und JPMorgan. Vorreiter bei der Technologie waren die Startup-Unternehmen Wealthfront und Betterment. Die Idee erreichte die Massen, als sie von den Discount-Brokern Charles Schwab und Vanguard Group eingesetzt wurde. Analysten von Morgen Stanley zufolge könnten die Robo-Berater bis 2025 bereits 6,5 Billionen Dollar verwalten.

Der Broker aus Fleisch und Blut werde aber auch noch in vielen Jahren gebraucht, zeigt sich McMillan überzeugt. Denn die Finanzplanungs-Bedürfnisse von vermögende Anleger seien kompliziert – und lassen sich am besten mit menschlicher Expertise erfüllen.

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