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29.10.2014

07:05 Uhr

Rochade im Vorstand

Beben bei der Deutschen Bank

VonLukas Bay

Die Deutsche Bank baut ihren Vorstand um. Doch die Probleme des Instituts sind damit nicht gelöst. Die hohen Kosten für Prozesse fressen die kleinen Erfolge im Tagesgeschäft wieder auf - und sorgen für einen Verlust.

Vorstand im Umbau

Deutsche Bank wird umgekrempelt

Vorstand im Umbau: Deutsche Bank wird umgekrempelt

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Frankfurt/DüsseldorfDie Deutsche Bank leidet weiter unter den Fehltritten der Vergangenheit. Weil das größte deutsche Geldinstitut 894 Millionen Euro zusätzlich für Rechtskosten zurückstellen muss, schrumpft der Gewinn vor Steuern im dritten Quartal auf 266 Millionen Euro zusammen, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. Hinzu kämen die Lasten des Konzernumbaus. „Wir bleiben fest entschlossen, diese Agenda abzuarbeiten“, betonen die Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Der Umsatz legte um 119 Millionen Euro auf 7,9 Milliarden Euro zu. Doch weil die hohen Rückstellungen steuerlich nicht abzugsfähig sind, steht nach Steuern unter dem Strich sogar ein Verlust von 92 Millionen Euro - der dritte Quartalsverlust in der seit zweieinhalb Jahren andauernden Amtszeit der Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Dabei laufen die Geschäfte in der Kernbank vor allem durch einen belebten Anleihehandel im Investmentbanking eigentlich wieder besser: Im Kerngeschäft fuhr die Bank einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro ein, acht Prozent mehr als im Vorjahresquartal (mehr zu den Quartalszahlen finden Sie hier).

Bei den Anlegern ist die Stimmung trotzdem gedrückt: Die Deutsche-Bank-Aktie verlor schon vorbörslich mehr als zwei Prozent und rutschte bei Lang & Schwarz ans Dax-Ende.

Die aktuellen Quartalszahlen rücken angesichts des mittelschweren Personalbebens fast in den Hintergrund. Die Deutsche Bank hatte am Dienstagabend angekündigt, den Vorstand gleich an mehreren Stellen umzubauen. Marcus Schenck von Goldman Sachs soll neuer Finanzvorstand werden, der bisherige Finanzchef Stefan Krause übernimmt dafür das neu geschaffene Ressort für Strategie und Excellence und soll das hausinterne Sparprogramm überwachen.

Unter seiner Ägide hatte die Bank zuletzt den Stresstest der EZB locker bestanden. Mit einer harten Kernkapitalquote von 8,8 Prozent im Krisenfall lag die Bank deutlich über dem Ziel von 5,5 Prozent. Und die jüngste Kapitalerhöhung von mehr als 8,5 Milliarden Euro ist in diese Rechnung gar nicht einbezogen worden. Doch der Stresstest hat noch etwas anderes offen gelegt: die Kosten für die eigenen Rechtsstreitigkeiten.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

Zinsskandal

Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte bereits Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro (990 Millionen US-Dollar) der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf, davon 2,175 Milliarden US-Dollar in den USA und 226,8 Millionen in Großbritannien.

Diese Beträge wurden bis auf 150 Millionen US-Dollar vollständig gezahlt, ein Urteil zu dem ausstehenden Betrag wird für den 7. Oktober 2016 erwartet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer 2015 sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem Bafin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.

Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete. Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

US-Sanktionen

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Für die Missachtung von Sanktionen zahlte das Geldhaus im November 2015 bereits 260 Millionen US-Dollar. Die Bank hatte betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Auch andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

US-Hypotheken

Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro (1,919 Milliarden US-Dollar) für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

Kirch

Die Bank ist nach Ansicht des Oberlandesgerichts München mitverantwortlich für die Pleite des Medienkonzerns im Jahr 2002. Grund ist ein Interview des damaligen Bankchefs Rolf Breuer, in dem dieser Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit gesät hatte. Anfang 2014 einigten sich die Streitparteien in einem Vergleich zwar auf Schadenersatz von 925 Millionen Euro (1,23 Milliarden US-Dollar). Doch die strafrechtlichen Ermittlungen gegen einzelne Spitzenmanager der Bank wegen versuchten Prozessbetrugs liefen weiter. Die Staatsanwaltschaft München erhob schließlich Anklage gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen sowie die früheren Spitzenmanager Josef Ackermann, Rolf Breuer und Clemens Börsig.

Prozessauftakt war im April 2015, das Verfahren zog sich hin. In seiner Urteilsverkündung vom 25. April 2016 hat das Landgericht München die Manager und auch die Bank freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Revision ein. Die weiteren Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang dauern noch an.

CO2

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Ex-Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August 2015 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Im Juni 2016 verurteilte das Frankfurter Landgericht sechs ehemalige Beschäftigte der Deutschen Bank, weil sie die millionenschweren Steuerbetrügereien ermöglicht hatten.

Devisen und Derivate

Aufseher, darunter auch die Bafin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt allerdings noch nicht.

Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank ist beklagte in drei Sammelklagen in den USA und zwei kanadischen Sammelklagen, die im September 2015 erhoben wurden. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.

Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform „Autobahn“ Teil der Ermittlungen. Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Die Deutsche Bank hat für Zinsswap-Manipulationen bereits 50 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Geldwäsche in Russland

Im Juni 2015 war bekannt geworden, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

US-Steuerstreit

Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen. Bereits im Dezember 2010 hatte die Deutsche Bank 550 Millionen US-Dollar Strafzahlungen für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen müssen.

Darum kommt auch der Abschied des Rechtsvorstands Stephan Leithner nicht völlig überraschend. Der einstige Kronprinz soll als Europachef wieder stärker operativ arbeiten - ein formaler Rückschritt. Für ihn soll Christian Sewing, bisher für interne Revision zuständig, neu in den Vorstand aufrücken. Auf ihn wartet viel Arbeit: Das gute Ergebnis im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung wird durch die Skandale und Fehltritte der Vergangenheit zunichte gemacht.

In mehr als 6000 Rechtsstreitigkeiten ist das Unternehmen nach eigener Auskunft derzeit verwickelt, davon 1000 mit einer Streitsumme von mehr als 100.000 Euro. Allein für Rechtsberatung gaben die Deutschbanker im vergangenen Jahr 350 Millionen Euro aus. „Die Deutsche Bank ist eine Rechtsabteilung mit angeschlossenem Bankgeschäft", spottete Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), zuletzt auf der Hauptversammlung. Um alle Prozesse und Strafen zu bewältigen hat das Institut mittlerweile drei Milliarden Euro in der Bilanz zurückgestellt.

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Alle Erfolge im Tagesgeschäft könnten am Ende vor den Gerichten wieder wertlos werden. Zudem dürfte es Fitschen und Jain zunehmend schwer fallen, den eigenen Angestellten den selbst auferlegten Kulturwandel glaubhaft zu vermitteln. Denn auch die Führungsetage der Bank ist längst im Visier der Fahnder. Ausgerechnet wegen eines Rechtsstreits, der die Bank schon seit einem Jahrzehnt in Atem hält: dem Kirch-Prozess. Nach dem Vergleich mit den Kirch-Erben, der die Bank rund 925 Millionen Euro gekostet hat,  wird die Aufarbeitung des Prozesses zur Zerreißprobe für die Deutsche Bank.

Kommentare (6)

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Carl Icahn Jr.

29.10.2014, 08:33 Uhr

Das kommt eben dabei daraus, wenn man eine neue Geschäftsphilosophie (Kulturwandelblödsinn) über allem andern stellt und damit das Kerngeschäft Investmentbanking vernachlässigt. Das können sich die Herrn Anzugträger in der Chef-Etage ruhig hinter den Ohren schreiben.

Wer was drauf hat macht dann halt sein eigenes Ding. Ist eh lukrativer sein eigener Boss zu sein, und sein eigenes Handelsbuch zu führen. Mich würden zumindest nicht einmal 100.000 € Brutto im Monat (bei fast 50 % Lohnsklaven-Steuer) motivieren, jemals noch einmal zu einer IB als angestellter Börsenhändler zurückzugehen. Völlig unabhängig davon, dass es den klassischen Eigenhandel nicht mehr gibt und sich diese Option damit eh erledigt hat. C´est la vie.


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Karsten Schiefelbein

29.10.2014, 09:04 Uhr

Und dann dürften sich da noch einige Hundert Millionen Rückzahlungsforderungen wegen des gestrigen BGH-Urteils hinzugesellen...

Frau Pia Paff

29.10.2014, 09:36 Uhr

Die Totengräber der Deutschen Bank ... BREUER u. ACKERMANN!

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