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20.11.2012

13:07 Uhr

Roland-Berger-Studie

Nur wenige Investmentbanken werden überleben

Den Investmentbanken stehen weiter harte Zeiten bevor. Einer Studie zufolge wird die Zahl der international aktiven Geldhäuser deutlich schrumpfen. Zahlreiche Arbeitsplätze in der Branche sind in Gefahr.

Umbau im Investment-Banking: Wie die Deutsche Banken krempeln viele Geldhäuser ihr Geschäft um. dpa

Umbau im Investment-Banking: Wie die Deutsche Banken krempeln viele Geldhäuser ihr Geschäft um.

FrankfurtStellenabbau, Rückzug aus dem internationalen Geschäft, Schrumpfung der Kapazitäten - die Experten der Beratungsfirma Roland Berger sagen den Investmentbanken weiter harte Zeiten voraus. Von den derzeit 14 großen, weltweit tätigen Investmentbanken würden in drei bis fünf Jahren weniger als zehn übrigbleiben, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie.

Rund 40.000 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel – dabei haben die Investmenbanken wie Goldman Sachs, UBS, Morgan Stanley oder JP Morgan seit 2011 schon Tausende Stellen abgebaut. „Die Restrukturierung dieses Bankensektors wird sich radikal ändern. Es geht nicht mehr um eine taktische Reduktion der Kapazitäten, sondern um eine Umgestaltung der Branche und Fokussierung auf neue Märkte“, erläuterte Roland-Berger-Experte Markus Böhme.

Der Arbeitsplatzabbau werde vor allem die Industrieländer betreffen. In den Schwellenländern, allen voran in Asien, sei dagegen ein Marktwachstum zu erwarten. „Schwellenländer sind in den letzten Jahren signifikant gewachsen. Selbst wenn das Wirtschaftswachstum in manchen Ländern derzeit etwas abkühlt, sehen wir noch erhebliches strukturelles Wachstumspotenzial in dieser Region“, erläuterte Böhme.

Die Banken müssten aber ihre Präsenz vor Ort verstärken und sich zunehmend mit regionalen Instituten messen. Die Konsolidierung des Investmentbanksektors werde sich in den kommenden Jahren noch beschleunigen, hieß es in der Studie weiter. Insgesamt würden rund 15 bis 20 Prozent der Kapazitäten wegfallen. „Dabei werden die Banken ihre Kapazitäten auf unterschiedlichste Weise reduzieren“, erläuterte Böhme.

Stellenabbau in der Finanzbranche

Finanzbranche - Commerzbank

Die Commerzbank hat ihre neue Strategie für die kommenden Jahre bis 2016 vorgestellt. Details zu einem möglichen Stellenabbau nannte die Bank nicht. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte unter Berufung auf Kenner der Situation berichtet, die Commerzbank könne in den kommenden Jahren 5000 bis 6000 Stellen streichen. Dies entspräche in etwa einem Zehntel der Belegschaft.

Das Privatkundengeschäft eingeschlossen, will die Commerzbank bis 2016 insgesamt zwei Milliarden Euro investieren, wie Konzernchef Blessing erklärte. Zusätzlich solle es auch „Effizienzmaßnahmen“ geben, mit denen der Konzern seine Kosten „stabil“ halten wolle. Die Bank setze ihr „konsequentes Kostenmanagement“ fort.

Finanzbranche - Deutsche Bank

Zwei Monate waren die neuen Deutsche Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain im Amt, da gaben sie Ende Juli bekannt, die Deutsche Bank werde 1900 Arbeitsplätze abbauen. Allein 1500 Stellen sollen im Investment-Banking wegfallen. Deutschland ist von den Streichungen allerdings nur geringfügig betroffen.

Finanzbranche - ING

Der niederländische Finanzkonzern ING hat im Quartal Juli bis September deutlich weniger Gewinn erzielt als von Analysten erwartet und den Abbau von 2350 Arbeitsplätzen angekündigt. Damit passe sich das Unternehmen dem unsicheren Marktumfeld an, teilte das Unternehmen mit.

Ein Umbau und Stellenabbau ist bei einer Reihe von Banken bereits im Gang. Die Schweizer Großbank UBS etwa baut knapp insgesamt 10.000 Stellen ab. Das soll Einsparungen von 4,5 Milliarden Euro bringen. Dazu spaltet die UBS ihr Investment-Banking in zwei Teile auf.

Die Deutsche Bank will den Abbau von fast 2000 Stellen, vor allem im Investment-Banking, noch in diesem Jahr so gut wie abschließen. Das lässt sich der Branchenprimus einen dreistelligen Millionenbetrag an Abfindungen kosten. Denn nur gut 500 Banker gehen freiwillig, etwa in den Ruhestand. Für den Rest hat die Deutsche Bank allein im dritten Quartal 222 Millionen Euro für Abfindungen zurückgestellt, das ist ein Großteil der auf dieses Quartal entfallenden Kosten für den Konzernumbau.

Der Umbau in der Branche ist umfassend. Einige Institute könnten Produktlinien aufgeben, andere ihre internationale Präsenz einschränken. Oder sie schlössen Partnerschaften mit anderen Instituten. Einen Lichtblick gibt es immerhin: In diesem Jahr sollen die Erträge im weltweiten Investment-Banking der Studie zufolge um rund zehn Prozent auf 250 Milliarden Euro wachsen. Das sei aber eher eine Stabilisierung als eine Wende, warnte Böhme.

Von

rtr

Kommentare (2)

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SchOssi

20.11.2012, 14:49 Uhr

blubblubblub
Roland Berger hat sogar Experten für oligopolistisch stukturierierte Minibranchen. Und die Experten können hellsehen, ach wie beeindruckend. Eine Nachfragerückgang wird zu einer Anpassung von Kapazitäten führen. Das ist ja eine unglaublich wichtige Erkenntnis.

WirWarenMalDasVolk

20.11.2012, 15:11 Uhr

"Investment-Banker zurück in die Produktion" -ist doch kein schlechter Schlachtruf.. :-)

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