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29.01.2013

02:42 Uhr

Royal Bank of Scotland

RBS unter Druck wegen Bonus-Zahlungen

Die Royal Bank of Scotland gilt als einer der Drahtzieher des Libor-Skandals. Dass sie jetzt Boni in dreistelliger Millionenhöhe auszahlen will ist heikel – denn das Geld fließt auch in die betroffene Abteilung.

Das Logo der Royal Bank of Scotland. dapd

Das Logo der Royal Bank of Scotland.

LondonDie staatlich kontrollierte Royal Bank of Scotland (RBS) will einem Zeitungsbericht zufolge Investmentbankern Boni über insgesamt bis zu 250 Millionen Pfund zahlen. Die "Financial Times" berichtete am Montag auf ihrer Internetseite, in den Genuss der Sondervergütungen sollten Beschäftigte eines Geschäftsbereichs kommen, der stark in den Libor-Zinsskandal verwickelt sei.

Die Bank müsse wegen des Skandals voraussichtlich bis zu 500 Millionen Pfund Strafe zahlen. Das Blatt zitierte einen Vertrauten des britischen Finanzministers George Osborne mit den Worten, die Kontroverse über die Boni werde nicht so stark aufgeladen sein wie die Empörung im vergangenen Jahr über den Bonus von einer Million Pfund für Bankchef Stephen Hester.

Laut der Zeitung "The Guardian" soll der Chef des RBS-Investmentbankings, John Hourican, vor seinem erwarteten Abtritt Aktienboni in Höhe von vier Millionen Pfund bekommen. Das Geldhaus hatte 2008 von der Regierung ein Rettungspaket über 45,5 Milliarden Pfund erhalten, das RBS vor dem Zusammenbruch bewahrte.

Banken die in den Libor-Skandal verwickelt sind

16 Großbanken beteiligt

Die Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken hat die Ermittler in Europa, Japan und den USA auf den Plan gerufen. Insgesamt werden derzeit mehr als ein Dutzend Institute durchleuchtet. Ihnen wird vorgeworfen, beim Libor-Zinssatz getrickst zu haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen und dient damit als Referenz für billionenschwere Kreditgeschäfte mit Kunden rund um den Globus.

Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das Jahr 2008, als sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Festsetzung des Libor bei. Im Folgenden einige Informationen zu diesen Instituten (in alphabetischer Reihenfolge):

Bank of America

Das US-Institut ist von den Ermittlungen betroffen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfahren hatte. In ihrem Geschäftsbericht 2011 hat sich die Bank zur Sache aber nicht geäußert. Wegen Libor wurde die Bank vom Brokerhaus Charles Schwab verklagt.

Barclays

Die britische Großbank hat ein Fehlverhalten einiger Händler beim Libor eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Führungsspitze muss gehen. Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments in London befasst sich mit der Aufklärung des Skandals und der Frage, wie viel die Aufseher von den Zinsmanipulationen wussten.

BTMU

Im Februar 2012 wurde bekannt, dass die Schweizer Behörden unter anderem gegen das japanische Geldhaus Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen ermitteln. Die Bank machte dazu in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben. Zwei in London ansässige Händler wurden wegen Manipulationsvorwürfen beurlaubt - nach offiziellen Angaben hatte das aber nichts mit ihrer Arbeit bei BTMU zu tun.

Citigroup

Die US-Bank hat eingeräumt, dass Töchter von den Ermittlungen betroffen sind und ihre Kooperation bei der Aushändigung von Informationen angekündigt. In den USA ist die Bank auch von Libor-Klagen betroffen. In Japan wurde einigen Citi-Mitarbeitern auch die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Tibor vorgeworfen.

Credit Suisse

Die Schweizer Bank wird von den heimischen Behörden durchleuchtet. Sie werfen dem Institut als einem von insgesamt zwölf Häusern vor, Libor und Tibor manipuliert zu haben sowie damit zusammenhängende Derivate. Die Bank hat ihre Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe zugesichert.

Deutsche Bank

Der deutsche Branchenprimus kooperiert mit den Ermittlern in den USA und Europa, die Untersuchungen drehen sich um den Zeitraum 2005 bis 2011. Wegen Libor gibt es in den USA bereits Klagen gegen das Geldhaus. In Deutschland hat die Bankenaufsicht Bafin Kreisen zufolge eine Sonderprüfung eingeleitet, die Ergebnisse stehen noch aus. Zwei Mitarbeiter hat das Geldhaus Finanzkreisen zufolge bereits suspendiert.

HBOS

Die inzwischen zu Lloyds gehörende Bank taucht ebenfalls in Klageschriften in den USA auf. Im Geschäftsbericht 2011 teilte HBOS mit, die Auswirkungen und das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse seien nicht abzuschätzen. Die Bank arbeite mit den Behörden zusammen.

HSBC

Die Bank hat erklärt, die Aufseher hätten sie um Informationen im Zusammenhang mit den Libor-Ermittlungen gebeten und man kooperiere. In den USA tauchte die HSBC auch in Klageschriften im Zusammenhang mit Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 hieß es, das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse sei nicht abzuschätzen.

JP Morgan

Die Bank hat erklärt, sie arbeite mit den Ermittlern zum Thema Libor, Euribor und Tibor zusammen, das betreffe vor allem die Zeiträume 2007 und 2008. Die Bank taucht auch als Beschuldigte in US-Klagen auf.

Lloyds

Auch Lloyds hat eine Zusammenarbeit mit den Ermittlern zugesagt und taucht in US-Klagen zu Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 erklärte die Bank wie die anderen Institute, der Ausgang der Ermittlungen sei offen.

Norinchuckin

Die japanische Bank hat die Libor-Ermittlungen in ihrem Geschäftsbericht 2011 nicht erwähnt. Im April 2011 war das Institut eines von zwölf, die vom Vermögensverwalter FTC Capital wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen verklagt worden waren.

Rabobank

Das niederländische Geldhaus, ebenfalls in einigen US-Klagen beschuldigt, arbeitet nach eigenem Bekunden mit den Ermittlern bei Libor zusammen. Die Bank hat erklärt, sie halte die Klagen für unbegründet und werde sich gegen die Vorwürfe entsprechend verteidigen.

RBC

Kanadas größte Bank machte in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben dazu, ob sie von Ermittlungen wegen mutmaßlichen Zinsmanipulationen betroffen ist.

Royal Bank of Scotland

Die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) hatte erklärt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Mehreren Mitarbeitern wurde Fehlverhalten vorgeworfen. Das Institut zahlt eine Strafe in Höhe von 615 Millionen Dollar an britische und US-Behörden.

UBS

Die Schweizer Bank hoffte als Kronzeuge bei den Libor-Ermittlungen darauf, dass die Behörden etwa in den USA und der Schweiz Milde walten lassen. Doch die Strafe fiel hoch aus: 1,16 Milliarden Euro zahlt die Bank wegen des Libor-Skandals.

WestLB

Aus Finanzkreisen wurde bereits im März vergangenen Jahres bekannt, dass die WestLB zu den untersuchten Instituten zählt. In ihrem Geschäftsbericht 2011 ging die Bank auf die Libor-Ermittlungen nicht ein. Allerdings zog sich das Haus schon im Juli 2011 aus dem Kreise jener Banken zurück, die den Dollar-Libor festsetzen. Die Landesbank ist inzwischen aufgelöst und kam damit den EU-Auflagen nach.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

29.01.2013, 07:57 Uhr

Ich kann`s immer wieder nur betonen, Augen auf bei der Berufswahl !

kuac

29.01.2013, 11:14 Uhr

Das Geldhaus hatte 2008 von der Regierung ein Rettungspaket über 45,5 Milliarden Pfund erhalten, das RBS vor dem Zusammenbruch bewahrte.
Laut der Zeitung "The Guardian" soll der Chef des RBS-Investmentbankings, John Hourican, vor seinem erwarteten Abtritt Aktienboni in Höhe von vier Millionen Pfund bekommen.
Die Royal Bank of Scotland gilt als einer der Drahtzieher des Libor-Skandals. Dass sie jetzt 250 Millionen Euro Boni auszahlen will ist heikel – denn das Geld fließt auch in die betroffene Abteilung.
Sagen Sie bitte nicht, es sind ja schwarze Schafe. Man bekommt den Eindruck, dass es bei den Investment Banken nur schwarze Schafe gibt, mit vielleicht ein paar weiße.
Wer jetzt noch gegen die Bankenregulierung ist, der will betrügen.

Verona76

01.02.2013, 17:36 Uhr

Der Vater meines Kindes ist Investmentbanker einer der großen Investmentbankhäuser
Ich lebe mit seinem Kind am Existenzminimum ! Alles nicht fair!

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