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05.02.2013

16:25 Uhr

Rückstellungen

Zinswetten werden für Barclays bodenloses Fass

Die britische Großbank Barclays muss für den Verkauf komplexer Zinswetten noch mehr zahlen als gedacht. Die Bank hat ihre Rückstellungen nun fast verdoppelt. Zudem stehen Schadensersatzklagen vor der Tür.

Barclays Filiale. Die Bank hat ihre Rückstellungen erhöht. dpa

Barclays Filiale. Die Bank hat ihre Rückstellungen erhöht.

LondonDie britische Großbank Barclays kann die Sünden der Vergangenheit nicht so schnell abschütteln. Für Rechtsstreitigkeiten musste das Institut jetzt noch einmal eine Milliarde Pfund (knapp 1,2 Milliarden Euro) zur Seite legen. Dabei geht es um den Verkauf komplexer Zinsprodukte und sogenannter Restschuldversicherungen an Personen, die diese gar nicht benötigten.

Zusammen belaufen sich die Rückstellungen hierfür mittlerweile auf knapp 3,5 Milliarden Pfund, was das Jahresergebnis 2012 verhagelt haben dürfte. Zudem waren Barclays-Händler am Skandal um die Manipulation von Referenzzinssätzen beteiligt. Das Institut musste deswegen bereits knapp eine halbe Milliarde Dollar zahlen.

Die neue Bankführung versprach vor einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments am Dienstag, dass sich die Kultur ändern werde. "Wir haben unsere Lektion gelernt und werden anders werden", erklärte Chairman David Walker. Doch die Abgeordneten bleiben skeptisch: "Egal um welchen Skandal es geht, Barclays hat da offenbar immer die Finger drin - und zwar ganz schön tief", sagte Andrew Tyrie, der dem Ausschuss vorsitzt.

Die größten Investmentbanken in Europa 2012

Platz 10

Den zehnten Platz im Geschäft mit Unternehmenskäufen und Zusammenschlüssen in Europa errang 2012 das Finanzhaus Lazard. Die Institut betreute Transaktionen im Wert von 129,4 Milliarden Dollar.

Quelle: Mergermarket

Platz 9

Die Credit Suisse betreute Fusionen und Übernahmen im Wert von 172,4 Milliarden Euro.

Platz 8

Die Bank Rothschild betreute 2012 Fusionen und Übernahmen im Volumen von 183,8 Milliarden Dollar.

Platz 7

Die US-Bank JP Morgan erreichte 2012 in Europa ein Transaktionsvolumen von 197,2 Milliarden Dollar.

Platz 6

Bank of America Merrill Lynch wies Deals über 200,5 Milliarden Dollar auf.

Platz 5

Die Citigroup betreute Transaktionen in Höhe von 206,4 Milliarden Dollar.

Platz 4

Die britische Bank Barclays war 2012 europaweit an Deals über 261,7 Milliarden Dollar beteiligt.

Rang 3

Den dritten Platz bei Übernahmen und Fusionen erlangte 2012 die Deutsche Bank mit 264,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Die US-Großbank Goldman Sachs erreicht 2012 in Europa ein Deal-Volumen von 295,1 Milliarden Dollar.

Platz 1

Den Spitzenplatz im Geschäft mit Fusionen und Übernahme in Europa erlangte 2012 die US-Bank Morgan Stanley mit 297,1 Milliarden Dollar.

Um Kritiker zu überzeugen, hat der neue Bankchef Antony Jenkins angekündigt, für 2012 auf seinen Bonus zu verzichten. Er kommt aus dem Privatkundengeschäft und wurde im August Nachfolger des Investmentbankers Bob Diamond. Dieser war über den Zinsskandal gestolpert. Der Bonus-Pool für 2012 werde geringer ausfallen, versprach Jenkins.

Auch die Deutsche Bank hat sich den Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben. Die für Boni zur Verfügung stehende Summe für 2012 ist um elf Prozent gesunken, allerdings nahm auch die Zahl der Mitarbeiter ab. Händler des größten deutschen Geldhauses sollen ebenfalls an dem Skandal um Zinsmanipulationen beteiligt gewesen sein. Die Prüfung der Ermittler dauert noch an.

In Großbritannien ist die Affäre um den Verkauf von Restschuldversicherungen derzeit noch größer. Die Banken mussten hierfür bereits zwölf Milliarden Pfund zurücklegen. Branchenkenner schätzen, dass sich die Summe noch verdoppeln könnte. Viele britische Institute haben die Versicherungen an Menschen verkauft, die gar keinen Bedarf oder Anspruch hatten. Die Beschwerdestellen registrieren mittlerweile rund 10.000 Anfragen von Betroffenen pro Woche. Hier zeichnet sich der kostspieligste Skandal wegen Falschberatung in der britischen Banken-Geschichte ab.

Bedeckt hielt sich Walker zu Vorwürfen bei der Finanzierung eines milliardenschweren Barclays-Rettungspakets des Golfstaats Katar in der Finanzkrise. Die Behörden untersuchen seit Juli, wie der Einstieg finanziert wurde. Nach einem Bericht der "Financial Times" gab Barclays Katar einen Kredit, um die Aktien des Instituts zu erwerben. Er könne das nicht kommentieren, sagte Walker auf entsprechende Fragen der Abgeordneten. Anders als die Konkurrenten Royal Bank of Scotland und Lloyds musste Barclays in der Krise keine Staatshilfe in Anspruch nehmen, stattdessen kaufte Katar einen Anteil.

Von

rtr

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