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02.04.2006

19:48 Uhr

Rücktritt als Aufsichtsratschef

Rolf Breuer: Ein Leben als Deutsch-Banker

Sonnenbankgebräunt und in edlem Zwirn – so kennt man Rolf Breuer. Stets verkörperte er als Vorstands- und später als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank die pure Macht. Ganz so glanzvoll waren seine Entscheidungen allerdings nicht immer. Gründe für einen Rücktritt gab es viele. Nun hat ihn eine einzige Äußerung den Kopf gekostet. Ein Rückblick auf ein Banker-Leben.

Breuer ist als Aufsichtsratschef abgetreten. Foto: dpa

Breuer ist als Aufsichtsratschef abgetreten. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Vor fast einem Jahr gab es den ersten wirklich herben Rückschlag für den umstrittenen Manager, als er nach wochenlangem Beschuss angelsächsischer Hedgefonds seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse ankündigte. Die Frankfurter hatten versucht, mit der Londoner Börse zu fusionieren – ein Plan, den Breuer mit eingefädelt hatte. Am Sonntag nun legte der 68-Jährige auch den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank nieder. Damit zog er die Konsequenz aus der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) im Kirch-Prozess.

Der BGH hatte am 24. Januar entschieden, dass die Bank und Breuer grundsätzlich für Schäden haften müssten, die der Printbeteiligungs GmbH des Medienunternehmers Leo Kirch aus einem Interview Breuers vom Februar 2002 entstanden sind. Darin hatte Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs bezweifelt. Das Interview war nach Darstellung Kirchs Ursache für die zwei Monate später eingetretene Insolvenz. Der BGH betonte, das Interview habe die Aufnahme dringend benötigter weiterer Kredite erheblich erschwert. Die Äußerung stelle deshalb eine Verletzung der aus dem Darlehensvertrag folgenden Pflicht dar, die Kreditwürdigkeit des Kunden nicht zu gefährden. Dies gelte auch für Breuer persönlich. Nicht wenige Beobachter hatten einen Rücktritt Breuers schon nach dieser Schelte erwartet.

Der promovierte Jurist Breuer zählte zu den wenigen, die noch in einer einzigen Firma Karriere vom Lehrling zum Chef machen konnten. 1956 begann der gebürtige Bonner als 19-Jähriger seine Ausbildung in den Filialen Mainz und München. Gut 40 Jahre später im Mai 1997 löste er Hilmar Kopper als Sprecher des Vorstandes ab.

Kritiker warfen Breuer in seiner Zeit als Vorstandschef der Deutschen Bank einen Zickzack-Kurs vor. Kurz nach seinem Amtsantritt landete er mit der Übernahme von Bankers Trust, der siebtgrößten amerikanischen Investmentbank, einen seiner spektakulärsten Coups, der die Deutsche Bank mit einer Bilanzsumme von zusammen rund 795 Mrd. Euro und über 95 000 Beschäftigten mit einem Schlag zum größten Kreditinstitut der Welt machte. Allerdings wurde damals der Kaufpreis von rund 9 Mrd. Euro von Gegnern als überhöht kritisiert.

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