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27.11.2014

16:26 Uhr

Russische Banken in Bedrängnis

Westliche Sanktionen entfalten Wirkung

Das russische Bankwesen schlittert nach Ansicht von Analysten in die Krise. Grund sind die verhängten Sanktionen des Westens. Präsident Putin verweist auf die widersprüchlichen Effekte der Sanktionen.

Die VTB Group hat mehr als einem Drittel der Beschäftigten in Europa gekündigt. Reuters

Die VTB Group hat mehr als einem Drittel der Beschäftigten in Europa gekündigt.

MoskauDie vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen sind mittlerweile bei den großen Banken des Landes angekommen. Reagiert wird mit dem Ruf nach Staatshilfe und in vielen Fällen mit einem strikten Sparkurs. Besonders schmerzlich ist für die russischen Banken angesichts des wachsenden Anteils fauler Kredite und des mangelnden Wirtschaftswachstums im eigenen Land der Ausschluss vom internationalen Kapitalmarkt. Entsprechend erodieren die Gewinne.

„Das Bankwesen in Russland schlittert langsam in die Krise. Betroffen sind sämtliche klassischen Aspekte: Kapital, Finanzierung, Qualität der Vermögenswerte und Liquidität“, stellte der leitende Analyst David Nangle von Renaissance Capital in einer Markteinschätzung fest. Als „Hauptrisiken“ bezeichnete er darin die Dauer der Sanktionen und insbesondere den anhaltenden Ausschluss von den Kapitalmärkten.

So hat die zweitgrößte Bank des Landes, die VTB Group, mehr als einem Drittel der Beschäftigten in Europa gekündigt und bemüht sich derzeit um Staatshilfe, die eine angeschlagene Kapitalbasis aufbessern soll. Die drittgrößte OAO Gazprombank, und die Russian Agricultural Bank haben bereits um solche Hilfen aus Moskau nachgesucht. Marktführer OAO Sberbank hat am Mittwoch die Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2014 gesenkt.

Fragen und Antworten zu Sanktionen gegen Russland

Auf welche Sanktionen müssen sich Unternehmen einstellen?

Die EU diskutiert bislang über eine mögliche Einschränkung für Rüstungsausfuhren sowie für Exporte von Hochtechnologie für den Energiebereich. Offen ist, was damit genau gemeint ist. Außerdem sollen Möglichkeiten geprüft werden, den Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten zu erschweren.

Was wären die Folgen?

Eingriffe in die Finanzierung würden die russische Wirtschaft querbeet treffen. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahres stark zugenommen“, schreiben die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB). Sollte die EU dem Beispiel der USA mit einem Verbot für die Finanzierung erster russischer Unternehmen folgen, werde dies zwangsläufig sehr schnell wirken - denn bislang hätten russische Firmen Finanzierungen in Dollar zumindest teilweise durch Finanzierungen in Euro ersetzen können.

Und wie sieht es mit Handelsbeschränkungen aus?

Von Handelsverboten beispielsweise bei Rüstung und Maschinen wären natürlich die Hersteller selbst betroffen. Schon jetzt berichten Maschinenbauer über Einbrüche, obwohl es noch gar keine konkreten Schritte gibt. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge. Einzelne Firmen berichten, russische Kunden sähen sich schon jetzt nach Alternativen zum Beispiel in Asien um. Die mittelständische Wirtschaft fürchtet, dass ein Embargo bei uns vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen würde.

Wie wichtig ist denn Russland insgesamt als Kunde?

Russland hat zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund 3 Prozent aller Exporte. Damit steht das Land aber nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden, hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich 10 Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft.

Dann droht also kein handfester Konjunktureinbruch?

Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen.

Wie könnte Russland auf ein Embargo reagieren?

Auch das ist völlig unklar. Allerdings hätte Moskau genügend Mittel für einen Gegenschlag: Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Ein Großteil der Wirtschaftsmacht des „Rohstoffgiganten Russland“ beruht auf Erdöl, Erdgas, Kohle sowie Metallen wie Nickel, Aluminium. Und genau hier könnte das Drohpotenzial liegen - theoretisch zumindest: „Nach rationalen Erwägungen würden sich die Russen stärker selbst schaden, wenn sie uns den Gashahn beginnen abzudrehen, weil sie ... von den Einnahmen daraus abhängig sind“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag im Südwestrundfunk.

Die Sberbank musste im dritten Quartal einen 25-prozentigen Einbruch des Gewinns vorlegen, was insbesondere mit Rückstellungen von 104,5 Mrd. Rubel (knapp 1,8 Mrd. Euro) für gefährdete Kredite zurückzuführen war. Die Summe war damit mehr als doppelt so hoch wie in der Vorjahresperiode.

Die Bank, geführt vom ehemaligen Wirtschaftsminister im Kabinett von Wladimir Putin, German Gref, hat die Prognose für die Eigenkapitalrendite in diesem Jahr bereits von 20 auf 15 Prozent reduziert. Sberbank-Vize Anton Karamzin kündigte in der abgelaufenen Woche für das vierte Quartal weitere Rückstellungen für das Firmenkreditgeschäft in der Ukraine an.

Laut den Experten der Ratingagentur Standard & Poor's ergeben sich die größten Risiken für die drei staatlich kontrollierten russischen Banken aus ihrem Engagement in der unter dem Konflikt nicht zuletzt wirtschaftlich leidenden Ukraine. Zusammengerechnet bezifferte S&P-Analyst Sergej Woronenko den Bremseffekt für den operativen Gewinn wegen der Ukrainekrise auf 420 Mrd. Rubel oder etwa 25 Prozent.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

28.11.2014, 16:04 Uhr

"Westliche Sanktionen entfalten Wirkung"

Nicht nur in Russland, sondern auch hier. Kaum einer schreibt darüber, wie Arbeitnehmern hier aufgrund des Auftragsrückgangs aus Russland um ihren Job zittern.

Ohne parteiisch zu sein, kann man festhalten, dass dieser "Zirkus" allein von den Politikern ausgelöst wurde und das Volk drüben wie hier auszubaden hat.

Unabhängig davon, dass das schon immer so war, darf man sich mit dieser Feststellung nicht zufrieden geben. Die Politiker erh

Sie erhöhen sich selbst die Diäten und Pensionen und bauen immer größeren Mist. Das Gemeinwohl interessiert sie nicht. Es geht scheinbar nur um deren "Ego-Befriedigung".

Das kann weder gut sein, noch kann es ein gutes Ende finden.

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