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23.12.2014

14:16 Uhr

Russische Wirtschaftskrise

Societe Generale bangt um Gewinne

Einem Insider zu folge bereitet die russische Wirtschaftskrise der französischen Societe Generale in dem Land erhebliche Probleme. Die geplante Steigerung der Eigenkapitalrendite, dürfte mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Die Societe General hat wegen der russischen Wirtschaftskrise Probleme, ihre Ziele in dem Land zu erreichen. Dies meldet das „Wallstreet Journal“ unter Berufung auf einen Insider. dpa

Die Societe General hat wegen der russischen Wirtschaftskrise Probleme, ihre Ziele in dem Land zu erreichen. Dies meldet das „Wallstreet Journal“ unter Berufung auf einen Insider.

ParisDie französische Großbank Societe Generale könnte einem Medienbericht zufolge in Russland wegen der dortigen Wirtschaftskrise um mehrere Jahre zurückgeworfen werden. Es dürfte schwierig werden, in Russland wie vom Institut geplant die Eigenkapitalrendite bis 2016 auf 14 von zuletzt 12,7 Prozent zu steigern, zitierte die Zeitung „Wall Street Journal“ einen Insider. „Es dauert weitere zwei oder drei Jahre, um dieses Ziel zu erreichen.“ Eine Sprecherin der Bank sagte dazu am Dienstag, es sei verfrüht, in der gegenwärtigen Lage die für Ende 2016 angepeilten Gewinnziele für das Russland-Geschäft zu überprüfen.

Der Ukraine-Konflikt, der Ölpreis-Verfall und die Talfahrt des Rubel belasten derzeit die russische Wirtschaft. Ministerpräsident Dmitri Medwedew befürchtet inzwischen eine schwere Rezession in seinem Land. Die Lage wirkt sich auch auf ausländische Unternehmen aus, die in Russland vertreten sind.

Es wird allerdings nicht damit gerechnet, dass sich große internationale Geldhäuser wie die Deutsche Bank oder BNP Paribas aus Russland zurückziehen. Auch Societe Generale hege keine solchen Pläne, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Das Institut setzt demnach darauf, dass der Konflikt in der Ostukraine in der ersten Jahreshälfte 2015 gelöst wird und die Ölpreise wieder anziehen. Die Societe-Generale-Sprecherin sagte, die Aktivitäten in Russland seien ein langfristiges Investment. Ende 2016 werde damit gerechnet, dass das Russland-Geschäft fünf Prozent des gesamten Nettogewinns ausmachen werde.

Fragen und Antworten zu Sanktionen gegen Russland

Auf welche Sanktionen müssen sich Unternehmen einstellen?

Die EU diskutiert bislang über eine mögliche Einschränkung für Rüstungsausfuhren sowie für Exporte von Hochtechnologie für den Energiebereich. Offen ist, was damit genau gemeint ist. Außerdem sollen Möglichkeiten geprüft werden, den Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten zu erschweren.

Was wären die Folgen?

Eingriffe in die Finanzierung würden die russische Wirtschaft querbeet treffen. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahres stark zugenommen“, schreiben die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB). Sollte die EU dem Beispiel der USA mit einem Verbot für die Finanzierung erster russischer Unternehmen folgen, werde dies zwangsläufig sehr schnell wirken - denn bislang hätten russische Firmen Finanzierungen in Dollar zumindest teilweise durch Finanzierungen in Euro ersetzen können.

Und wie sieht es mit Handelsbeschränkungen aus?

Von Handelsverboten beispielsweise bei Rüstung und Maschinen wären natürlich die Hersteller selbst betroffen. Schon jetzt berichten Maschinenbauer über Einbrüche, obwohl es noch gar keine konkreten Schritte gibt. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge. Einzelne Firmen berichten, russische Kunden sähen sich schon jetzt nach Alternativen zum Beispiel in Asien um. Die mittelständische Wirtschaft fürchtet, dass ein Embargo bei uns vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen würde.

Wie wichtig ist denn Russland insgesamt als Kunde?

Russland hat zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund 3 Prozent aller Exporte. Damit steht das Land aber nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden, hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich 10 Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft.

Dann droht also kein handfester Konjunktureinbruch?

Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen.

Wie könnte Russland auf ein Embargo reagieren?

Auch das ist völlig unklar. Allerdings hätte Moskau genügend Mittel für einen Gegenschlag: Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Ein Großteil der Wirtschaftsmacht des „Rohstoffgiganten Russland“ beruht auf Erdöl, Erdgas, Kohle sowie Metallen wie Nickel, Aluminium. Und genau hier könnte das Drohpotenzial liegen - theoretisch zumindest: „Nach rationalen Erwägungen würden sich die Russen stärker selbst schaden, wenn sie uns den Gashahn beginnen abzudrehen, weil sie ... von den Einnahmen daraus abhängig sind“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag im Südwestrundfunk.

Societe Generale hatte sich 2006 bei der Rosbank eingekauft und im April dieses Jahres ihren Anteil trotz des Konfliktes in der Ukraine auf 99,4 Prozent erhöht.

Von

rtr

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