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29.05.2012

21:12 Uhr

RZB-Chef Walter Rothensteiner

„Es gibt keinen Grund das Bankgeheimnis abzuschaffen“

VonStefan Menzel

Die Notwendigkeit, das Bankgeheimnis abzuschaffen, sieht der Chef der österreichischen Raiffeisen Zentralbank nicht. Schließlich passe man bei kriminellen Machenschaften wie Geldwäsche auf, sagt Walter Rothensteiner.

Walter Rothensteiner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB). dapd

Walter Rothensteiner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB).

WienHerr Rothensteiner, Ihr Haus muss bis Ende Juni zusätzliches Eigenkapital von mehr als zwei Milliarden Euro nachweisen. Wie weit sind Sie damit?

Wir liegen jedenfalls schon jetzt ein wenig über der geforderten Eigenkapitalquote von neun Prozent. Einen gewissen Puffer nach oben brauchen wir vor allem wegen der stets möglichen Wechselkursschwankungen, gerade was die Euro-Dollar-Relation betrifft.

Und wo genau kommt das Geld für die Reserven her?

Das war vergleichsweise einfach: Die Europäische Bankenaufsicht erkennt das sogenannte private Partizipationskapital nicht als zulässige Eigenkapitalform an. Wir mussten dieses Partizipationskapital nur in gewöhnliche Aktien umwandeln, allein damit bekommen wir etwa 850 Millionen Euro. Partizipationskapital, eine Art Hybridkapital, darf im Übrigen nach österreichischem Recht als Eigenkapital angerechnet werden. Denn es kann wie jeder andere Anteil an der Bank auch zur Haftung herangezogen werden.

Sind die europäischen Regeln zu streng?

Das kann man jetzt nicht mehr ändern, das ist vorbei. Für uns allein wird österreichisches nicht zu europäischem Recht gewandelt. Ein erster Schritt hin zu einer einheitlichen europäischen Definition von Eigenkapital ist immerhin geschafft. Fertig sind wir damit aber noch nicht: Die Einführung der Basel-III-Regeln steht vor der Tür, und dafür wird die Europäische Bankenaufsicht auch noch etliche Durchführungsbestimmungen erlassen.

Nationale Sonderregeln wird es weiter geben. So haben die österreichischen Aufseher zusätzliche Auflagen wegen des Osteuropa-Geschäfts der Banken eingeführt.

Das ist zwar eine Herausforderung, hat aber durchaus seine Logik. Gerade in angelsächsischen Finanzkreisen gibt es noch eine verbreitete Unkenntnis über Osteuropa. Die österreichischen Aufseher wollten vor allem für mehr Ruhe sorgen. Etwa dadurch, dass das Kreditwachstum in Osteuropa an die Einlagenentwicklung gekoppelt wird. Wir als Bank gehen selbst genau diesen Weg, von daher ist diese Maßnahme keine zusätzliche Belastung.

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Sie sind in Ungarn vertreten. Dort gibt es immer wieder Ärger.

Wir sind fast überall in Osteuropa vertreten, da darf schon einmal ein Land etwas aus der Reihe tanzen. Jetzt eben Ungarn. Aber im Durchschnitt bewegt sich alles in die richtige Richtung.

Kommentare (1)

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RDA

30.05.2012, 08:19 Uhr

"Was kriminelle Dinge wie etwa Geldwäsche betrifft, da passen wir selbstverständlich auf."
Gilt das auch für die Zeit nach der Lehman-Pleite, als der Interbankenmarkt ausgetrocknet ist? Man munkelt, dass Banken in jenen Monaten nicht so genau hingeschaut haben. Hauptsache, irgendwie ist Liquidität hereingekommen.

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