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21.11.2012

17:40 Uhr

Sal. Oppenheim

Der Niedergang einer Traditionsbank

VonSebastian Ertinger

Stolz, adlig und unabhängig – das Bankhaus Sal. Oppenheim galt einst als Vorzeige-Institut des Landes. Doch die branchenweiten Probleme in der Vermögensverwaltung belasten das Haus. Der neue Eigner greift hart durch.

Das Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln ringt mit dem Druck in der Branche – und dem verlorenen Ruf. dpa

Das Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln ringt mit dem Druck in der Branche – und dem verlorenen Ruf.

Düsseldorf„Das Bankhaus Sal. Oppenheim steht auf einem festen Fundament: der Geschichte, der Familientradition und der Reputation. Dieses feste Fundament (...) ist der Garant, um die Position des Bankhauses erfolgreich auszubauen und seine Unabhängigkeit auch weiterhin zu gewährleisten.“ Mit diesen Sätzen feierte sich die Bank in einer Jubiläumschronik zum 215. Geburtstag selbst. Das ist gerade einmal acht Jahre her.

Vom festen Fundament ist seitdem fast nichts mehr geblieben. Die Privatbank Sal. Oppenheim, die einst mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigte, gehört seit der Beinahe-Pleite im Sommer 2009 zur Deutschen Bank. Nach mehreren Jahren harter Sanierung erreichte die Traditionsbank 2011 zwar wieder die Gewinnschwelle, doch nun räumt die Deutsche Bank weiter auf.

Stellenabbau in der Finanzbranche

Finanzbranche - Commerzbank

Die Commerzbank hat ihre neue Strategie für die kommenden Jahre bis 2016 vorgestellt. Details zu einem möglichen Stellenabbau nannte die Bank nicht. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte unter Berufung auf Kenner der Situation berichtet, die Commerzbank könne in den kommenden Jahren 5000 bis 6000 Stellen streichen. Dies entspräche in etwa einem Zehntel der Belegschaft.

Das Privatkundengeschäft eingeschlossen, will die Commerzbank bis 2016 insgesamt zwei Milliarden Euro investieren, wie Konzernchef Blessing erklärte. Zusätzlich solle es auch „Effizienzmaßnahmen“ geben, mit denen der Konzern seine Kosten „stabil“ halten wolle. Die Bank setze ihr „konsequentes Kostenmanagement“ fort.

Finanzbranche - Deutsche Bank

Zwei Monate waren die neuen Deutsche Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain im Amt, da gaben sie Ende Juli bekannt, die Deutsche Bank werde 1900 Arbeitsplätze abbauen. Allein 1500 Stellen sollen im Investment-Banking wegfallen. Deutschland ist von den Streichungen allerdings nur geringfügig betroffen.

Finanzbranche - ING

Der niederländische Finanzkonzern ING hat im Quartal Juli bis September deutlich weniger Gewinn erzielt als von Analysten erwartet und den Abbau von 2350 Arbeitsplätzen angekündigt. Damit passe sich das Unternehmen dem unsicheren Marktumfeld an, teilte das Unternehmen mit.

Das Geschäft mit privaten und institutionellen Kunden wurde zur neuen Sparte Asset and Wealth Management (AWM) zusammengelegt. Einzelne Bereiche von Sal. Oppenheim sollen vollständig in die Deutsche Bank integriert werden. Zudem sollen Doppelungen in den Organisationsstrukturen der beiden Institute überprüft und abgebaut werden.

Bei dem Institut, das zuletzt noch rund 930 Mitarbeiter in Deutschland und Luxemburg beschäftigte, steht zudem ein Jobabbau „in signifikantem Umfang“ an, wie Sal. Oppenheim mitteilte. Details wollten die Kölner mit Verweis auf Verhandlungen mit dem Betriebsrat nicht nennen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ sollen rund 500 Jobs wegfallen – mehr als jeder zweite Arbeitsplatz.

Anlass für Umbau und Kürzungen ist der branchenweite Umbruch in der einst lukrativen Sparte des Private Banking. Die Vermögensverwaltung und Beratung für wohlhabende Kunden spielen längst nicht mehr die Traumrenditen der Vergangenheit ein. „Die Erlöse im Private Banking stehen unter Druck. Die Kunden achten stärker auf die Preise und vergleichen häufiger die Leistungen“, sagt Professor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management, zu Handelsblatt Online.

„Deutschland zählt beim Private Banking zu den größten Märkten. Dementsprechend drängen viele Anbieter in das Segment“, erläutert der Private-Banking-Experte. Sinkende Einnahmen durch die Gewinnung neuer Kunden auszugleichen, sei daher äußerst schwierig. Zugleich unterliegen die Anbieter einem hohen Kostendruck. „Die Banken geben heutzutage viel Geld für IT-Dienste aus“, sagt Faust. Zugleich seien die Auflagen der Regulatoren umfangreich, der entsprechende bürokratische Aufwand enorm.

Kommentare (12)

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Glaskugel

21.11.2012, 17:53 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

DathilligeCoellen

21.11.2012, 18:00 Uhr

Die Kölner haben in letzter Zeit einfach kein Glück mit ihren Banken.

Erst Iwan D. Herstatt mit Dany Dattel und jetzt Sal. Oppenheim.

Die heiligen drei Könige im Kölner Dom mögen offensichtlich keine Zinsgeschäfte in ihrer Umgebung.

Excel

21.11.2012, 18:15 Uhr

@Glaskugel

Nonsense. Was hat das mit jüdisch oder nichtjüdisch zu tun. Im Uebrigen müssten Sie sich über die Karstadtpleite dann genauso freuen. Auch Karstadt war ehemals wie Sal. Oppenheim "jüdisch". Aber wie gesagt Nonsense Ihr Kommentar, denn was hat die Religion mit dem Geschäftsgebaren zu tun? Nothing.

Mir tut es um die gutbezahlten Arbeitsplätze leid. Viel Glück an die Betroffenen.

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