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27.02.2013

16:00 Uhr

Sal. Oppenheim-Prozess

Geldadel auf der Anklagebank

VonSebastian Ertinger

Im Mammut-Strafprozess beleuchtet die Justiz den Niedergang der Privatbank Sal. Oppenheim. Pferderennen, Yachten und Villen: Die Angeklagten schwelgten im Luxusleben – nun treffen sie auf eine zielstrebige Richterin.

Auf der Anklagebank

Strafprozess gegen Ex-Führung von Sal. Oppenheim

Auf der Anklagebank: Strafprozess gegen Ex-Führung von Sal. Oppenheim

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DüsseldorfSolide wirtschaften, nachhaltige Werte schaffen und über Generationen denken. Diese Wertvorstellungen dürfte die zweifache Mutter Sabine Grobecker wohl voll unterstützen. Doch die Schlagworte stammen ausgerechnet von einem der Männer, über den die Richterin am Kölner Landgericht urteilen soll: Matthias Graf von Krockow, ehemals Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des altehrwürdigen Bankhauses Sal. Oppenheim.

Bankchef von Krockow predigte inmitten der Finanzkrise und dem einsetzenden Vertrauensverlust in die Geldbranche die Rückkehr zu kaufmännischen Tugenden. Doch heute müssen sich er und vier andere Angeklagte vor der 16. Großen Strafkammer in Köln wegen Untreue im besonders schweren Fall und Beihilfe verantworten. In einem der größten Wirtschaftsstrafverfahren des Landes geht es zunächst um drei Immobiliengeschäfte und einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe, den die einst größte Privatbank Europas erlitten haben soll.

Die Führung um von Krockow, Privatkundenchef Christopher Freiherr von Oppenheim, Risikomanager Friedrich Carl Janssen, Investment-Banking-Chef Dieter Pfundt sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch, soll die Bank zum eigenen Nutzen ausgesaugt, Milliarden verzockt und das 1789 gegründete Institut in den Abgrund und damit in die Abhängigkeit des neuen Eigners Deutsche Bank getrieben haben. Doch im Grunde kommt vor der Kölner Strafkammer der gesamte Klüngel, der sich um die einst stolze Traditionsbank in Familienhand rankt, auf die Anklagebank.

Die Angeklagten und Anwälte sind bereits früh im Saal 210 des Landgerichts Köln. Der Andrang ist groß, rund 100 Pressevertreter umringen die Protagonisten. Während die Fotografen knipsen, geben sich von Krockow und Janssen kurz die Hand, es wird wenig geredet. Unternehmer Esch kommt erst kurz vor Beginn. Im Gericht prallen zwei Welten aufeinander: auf der einen Seite der Geldadel in Maßanzügen, der das anvertraute Geld auf Pferderennbahnen, Yachten und in Villen verplempert haben soll. Auf der anderen Seite die nüchterne deutsche Justiz in Person von Richterin Grobecker.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

In 78 Prozessterminen bis zum 19. Dezember will die 50-Jährige in dem baufälligen Justizpalast an der Luxemburger Straße in Köln über zügelloses Handeln und die angebliche Verquickung privater und beruflicher Interessen in einer Bank urteilen, die mit Bedachtsamkeit und Verantwortung hausieren ging. Doch schon jetzt gilt unsicher, ob dieser Zeitplan zu halten sein wird.

Grobecker wird es nicht leicht haben, sich in der Verhandlung zu behaupten. Ihr gegenüber steht eine Riege erfahrener Wirtschaftsverteidiger wie der im Mannesmann-Prozess erprobte Eberhard Kempf sowie der Steuerstrafverteidiger von Boris Becker, Klaus Volk.

Kommentare (31)

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Rechner

27.02.2013, 07:05 Uhr

O-Ton Hanedlsblatt
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Pferderennen, Yachten und Villen: die Angeklagten schwelgten im Luxusleben
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Typen die sowas brauchen sind schon einigermaßen krank.

Da kann man nur hoffen, daß die "nüchterne Richterin" mit ihrer üppigen Besoldung (Besoldungsgruppe R2: 4238,69 bis 6160,46 - je nach Dienstalter) von Neidkomplexen frei ist.

Bei Handelsblattredakteuren sind letztere ja verständlich.

Account gelöscht!

27.02.2013, 07:09 Uhr

Erfolgt wirklich eine Verurteilung?
Kann da nicht so recht daran glauben.
Geht dann doch sehr schnell, und die Richtern wird als angebliche "Antisemitin" bezeichnet werden, weil sie es wagt, der Oppenheimer Dynastie "an den Karren zu fahren"!
Wird aus dem ganzen Prozeß vielleicht sogar ein Politikum werden?

Kerstenk63

27.02.2013, 07:14 Uhr

Das glaubt doch keiner, dass von denen jemand in den Knast geht. Das wir wie immer ausgehen. Viel Geld verplempert für nix. Die Kleinen hängt man und die Großen läst man laufen.

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