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13.06.2016

17:06 Uhr

Sal. Oppenheim

Urteil im Schickedanz-Prozess könnte im September fallen

Der spektakuläre Schadenersatz-Prozess der Quelle-Erbin Schickedanz gegen die einstige Führung ihrer damaligen Hausbank läuft schon seit Ende 2012. Sie fordert eine Milliardensumme. Nun könnte bald ein Urteil fallen.

Im Prozess der Quelle-Erbin gegen ihren früheren Vermögensberater und der einstigen Führung ihrer damaligen Hausbank könnte bald ein Urteil fallen. dpa

Madeleine Schickedanz

Im Prozess der Quelle-Erbin gegen ihren früheren Vermögensberater und der einstigen Führung ihrer damaligen Hausbank könnte bald ein Urteil fallen.

KölnIm milliardenschweren Schadenersatz-Prozess von Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz könnte im September eine Entscheidung fallen. Nach längerer Pause und mehrfacher Termin-Verschiebung setzte das Kölner Landgericht am Montag die mündliche Verhandlung fort und bestimmte den 27. September als Verkündigungstermin. An dem Tag könnte das Urteil in dem Zivilprozess fallen, der schon seit dreieinhalb Jahren läuft. Es sei allerdings in dem komplexen Verfahren auch denkbar, dass die Kammer dann lediglich weitere Informationen von den Parteien anfordert oder erneut in die mündliche Verhandlung einsteigt, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Schickedanz fordert insgesamt 1,9 Milliarden Euro, vor allem von ihrem früheren Vermögensberater Josef Esch und der einstigen Führung ihrer damaligen Hausbank Sal. Oppenheim. Die Ex-Milliardärin hatte hohe Summen in den Arcandor-Konzern – vorher KarstadtQuelle – gesteckt, der 2009 Pleite ging. Laut Klägerin wurde ihr Vermögen gegen ihren Willen riskant angelegt und verschleudert. Die Beklagten weisen die Vorwürfe zurück und fordern die Abweisung der Klage.

Die Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

Matthias Graf von Krockow
  • bis 2009 Sprecher der zunächst fünf, später vier persönlich haftenden Gesellschafter
  • verheiratete mit Ilona von Ullmann aus der Familie der Oppenheims
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 4 bis 4,5 Jahre Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß: 2 bis 3 Jahre
  • Verteidiger: Daniel Krause, Christof Püschel
Christopher von Oppenheim
  • bis 2009 persönlich haftender Gesellschafter
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 3 bis 3,5 Jahre Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß: 22 bis 34 Monate Haft
  • Verteidiger: Klaus Volk, Norbert Scharf
Friedrich Carl Janssen
  • bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter zuständig für Risikomanagement, Beteiligungen, Bankbetrieb sowie die Rechts- und Steuerabteilung
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 3,5 bis 4 Jahre Haft
  • lehnte Verständigungsvorschlag des Gerichts ab
  • Verteidiger: Franz Salditt, Ulrich Leimenstoll
Dieter Pfundt
  • bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter zuständig für das Investmentbanking
  • angeklagt wegen Untreue im besonders schweren Fall
  • vorläufig von der Staatsanwaltschaft gefordertes Strafmaß: 15 bis 21 Monate Haft
  • vorläufig von der Richterin in Aussicht gestelltes Strafmaß (bei Geständnis): 20 bis 32 Monate Haft
  • Verteidiger: Felix Dörr, Johannes Corsten
Josef Esch
  • Immobilienunternehmer aus Troisdorf mit engen Geschäftsbeziehungen zum Bankhaus Sal. Oppenheim
  • Anklage wegen Beihilfe zur Untreue eingestellt nach Paragraf 153a Strafgesetzbuch gegen Zahlung einer Geldauflage von sechs Millionen Euro
  • weiterhin angeklagt wegen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz
  • Verteidiger: Eberhard Kempf, Heiko Lesch

Das Gericht gab den Streitparteien am Montag zudem bis Anfang August Zeit, sich um eine außergerichtliche Einigung zu bemühen. Dann müssen sie der Kammer mitteilen, ob ihnen ein Vergleich gelungen ist, ob sie dafür noch mehr Zeit brauchen, oder ob eine solche Lösung nicht in Frage kommt, wie der Gerichtssprecher schilderte. Diese außergerichtlichen Gespräche laufen bereits.

Ein Sprecher der Esch-Gruppe sagte aber der Deutschen Presse-Agentur vor der Kölner Verhandlung, von einer außergerichtlichen Lösung gehe er nach derzeitigem Stand eher nicht aus. Die Treffen seien bisher ohne Ergebnis geblieben. Die Esch-Seite sei vorübergehend bereit gewesen sei, der Klägerin „Brücken zu bauen“. Schickedanz habe aber auf ihren ursprünglichen Forderungen bestanden.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Der Vorsitzende Richter hatte zu Prozessbeginn Ende 2012 durchblicken lassen, dass er die Argumentation der Klägerin nicht für sehr überzeugend hält. Im Herbst 2015 hieß es dann, in einem Aspekt habe Schickedanz nach vorläufigem Stand Aussicht auf einen Teilerfolg. Bei dem Verfahren halte es sich um einen der größten Schadenersatz-Prozesse der deutschen Justizgeschichte.

Von

dpa

/ Sal.-Oppenheim-Prozess

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