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12.08.2013

13:44 Uhr

Sal. Oppenheim vor Gericht

Wie viel Familie ist legal?

In Köln wehren sich die einstigen Chefs von Sal. Oppenheim gegen den Vorwurf der Untreue. Dabei ergeben sich Einblicke in ein sehr spezielles Familienunternehmen.

Josef Esch (Mitte) ist einer der Angeklaten im Prozess um Sal. Oppenheim. AFP

Josef Esch (Mitte) ist einer der Angeklaten im Prozess um Sal. Oppenheim.

KölnDer Sal.-Oppenheim-Prozess geht in den sechsten Monat. Anfangs wirkten die Angeklagten im Kölner Amts- und Landgericht noch wie Fremdkörper. Die Gänge des über 100 Meter hohen Betonklotzes sind deprimierend funktional gehalten, vor vielen Türen warten jugendliche Straftäter darauf, vor ihren Richter zu treten. Und dann tauchten in diesem Ambiente die früheren Spitzenmänner der ehemals größten Privatbank Europas auf: feiner Zwirn, Einstecktuch - und ein Tross von Begleitern.

Mittlerweile haben sich die einstigen Topbanker schon etwas akklimatisiert. Sie wirken zwar immer noch „overdressed“, aber einige von ihnen wurden sogar schon in einem Bistro gesichtet, das aufgrund seiner niedrigen Preise auch von Besuchern des gegenüberliegenden Arbeitsamtes frequentiert wird.

Noch immer verfolgt die Kölner Öffentlichkeit mit einem gewissen Unglauben den tiefen Fall einer ihrer größten Familien. Die Oppenheims kommen seit mehr als 200 Jahren ununterbrochen im Kölner Geschichtsbuch vor. Sie finanzierten die ersten Eisenbahnverbindungen des Rheinlands und die Industrialisierung des Ruhrgebiets. Sie brachten schillernde Figuren hervor wie Max von Oppenheim (1860-1946), den „deutschen Lawrence von Arabien“.

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Und jetzt also: Currywurst im „Hartz-IV-Café“. Wie konnte es soweit kommen? An diesem Montag ging der Oppenheim-Prozess nach drei Wochen Sommerpause weiter. Angeklagt sind die vier ehemals persönlich haftenden Gesellschafter und der Immobilienunternehmer Josef Esch (56). Ihnen wird teils Untreue in besonders schwerem Fall, teils Beihilfe dazu vorgeworfen. Sal. Oppenheim hatte sich in der Finanzkrise verspekuliert und seine Unabhängigkeit eingebüßt.

Das Verfahren hat bereits einige Überraschungen gebracht. So spielen zwei der Angeklagten - Friedrich Carl Janssen (69) und Dieter Pfundt (60) - ihre Rolle herunter. Obwohl sie zu den persönlich haftenden Gesellschaftern gehörten, blieb die eigentliche Macht nach ihrer Darstellung den Familienmitgliedern Christopher Freiherr von Oppenheim (47) und Matthias Graf von Krockow (64) vorbehalten. Janssen geht so weit zu behaupten, er sei ein „Neuer ohne Führungsanspruch“ gewesen. Gerade der Kontakt zu Josef Esch soll allein Sache von Oppenheim und Krockow gewesen sein. Esch wiederum bestreitet die Rolle der Grauen Eminenz des Unternehmens - er sei lediglich ein Geschäftspartner gewesen, der Aufträge ausgeführt habe.

Das wären also schon mal drei, die sich eher als kleine Rädchen im Getriebe betrachten. Oberstaatsanwalt Gunnar Greier ist nicht überzeugt. Deutlich wird, dass Sal. Oppenheim nicht wie eine normale Bank mit klaren Kontrollmechanismen geführt wurde. Schließlich war „man ja eine Familie“, wie die Führung der Bank nach Darstellung der Staatsanwaltschaft klarstellte.

Christopher von Oppenheim hat seine delikate Aufgabe dem Gericht so zu erklären versucht: „Unsere Aktionäre waren fast alle Mitglieder einer großen, weit verzweigten Familie. Ein gemeinsames Ziel musste es daher sein, einerseits die persönliche und wirtschaftliche Ausgewogenheit innerhalb dieser Familie mit ihren Stämmen und Gesellschaftergruppen zu erreichen und andererseits die Unabhängigkeit dieser Privatbank zu gewährleisten.“ Das Gericht muss nun klären, ob dabei strafrechtliche Grenzen überschritten worden sind.

Von

dpa

Kommentare (1)

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carbella

16.08.2013, 10:28 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,
schade, dass Sie im Anfang des Berichts dem Stil des trivialen Journalismus anheim gefallen sind. Es ist wohl den Umständen zu schulden, dass die Verfahrensbeteiligten sowie die Öffentlichkeit, innerhalb einer Stunde Mittagspause kaum andere Örtlichkeiten aufsuchen können, außer die im Umkreis des Justizgebäude liegen. Auch wenn die Angeklagten im Anzug im Bistro neben den sogenannten "Stinos" (stinknormale Leute) die Pause verbringen, können Sie davon ausgehen, dass bei den ausstehenden Anwaltskosten am Ende trotzdem mehr Vermögen, als nur Geld für eine "Currywurst", übrig bleibt. Interessant könnte es allerdings dann werden, wenn die Richterin am Landgericht Köln, Frau Sabine Grobecker, den Angeklagten den Begriff eines geschlossenen Immobilienfonds in Ossendorf, auf ihre Weise näher bringen sollte, das Urteil Rechtskraft erhält und folglich die Gefängnistüren im Namen des Volkes hinter den Angeklagten ins Schloss fallen. Egal wie dieser Prozess ausgehen wird, die Angeklagten werden immer eine größere Menükarte haben, als die „Harzer“, die „Stinos“ od. eventuell ihre Zellengenossen. Das wissen die Angeklagten und eigentlich wissen das auch die Journalisten.
Gruß
Holger, Köln

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