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26.09.2016

19:38 Uhr

Saudi Arabiens Öl-Problem

Zentralbank muss die Banken mit Milliarden stützen

Saudi-Arabien ist zwar der mächtigste Akteur im Ölgeschäft. Doch auch den Scheichs macht der niedrige Ölpreis zu schaffen. Die Zentralbank der Regierung greift nun den Geldhäusern mit Milliardenhilfen unter die Arme.

20 Milliarden Rial entsprechen nach aktuellem Wechselkurs 5,3 Milliarden US-Dollar. dpa

Saudi Rial

20 Milliarden Rial entsprechen nach aktuellem Wechselkurs 5,3 Milliarden US-Dollar.

RiadDie Zentralbank von Saudi-Arabien hat ihre Maßnahmen zur Stärkung der Banken in der größten Volkswirtschaft Arabiens verstärkt. Die Finanzinstitute des Wüstenstaates haben, wie das ganze Land, mit den niedrigen Notierungen für Öl zu kämpfen.

Die Saudi Arabian Monetary Agency, wie die Zentralbank genannt wird, teilte mit, sie habe entschieden, den Banken rund 20 Milliarden Rial in Form von Termineinlagen zukommen zu lassen, im Auftrag von staatlichen Instanzen. Zudem wurden, als Teil der „stützenden Geldpolitik“, siebentägige und 28-tägige Repo-Vereinbarungen eingeführt. 20 Milliarden Rial entsprechen nach aktuellem Wechselkurs 5,3 Milliarden US-Dollar.

Der Einbruch der Ölpreise in den letzten zwei Jahren hat die Regierung gezwungen, auf ihre Einlagen im Bankensystem zuzugreifen, was die Liquidität im Inlandsmarkt verringert hat. Das führte zu einem Anstieg des Referenzzinses, der Dreimonats-Saudi Interbank Offered Rate, auf den höchsten Stand seit 2009. Es war bereits verlautet, dass die Zentralbank den Banken im Juni 15 Milliarden Rial in kurzfristigen Krediten angeboten hatte, um die Liquiditätslage zu entspannen.

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Die Mitteilung erfolgt nun zu einem Zeitpunkt, an dem der weltgrößte Ölexporteur die Emission seiner ersten Eurobond-Anleihe vorbereitet. Mit dem Erlös soll ein Haushaltsdefizit finanziert werden, das nach Erwartungen des Internationalen Währungsfonds in diesem Jahr rund 13 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen wird. Die Volkswirtschaft wird einer Bloomberg-Umfrage zufolge in diesem Jahr um 1,1 Prozent expandieren, was das schwächste Wachstum seit 2009 wäre.

„Sie wollen nicht mit einem Eurobond an den Markt kommen, solange diese Probleme nicht angegangen wurden“, sagte Apostolos Bantis, Anleiheanalyst bei der Commerzbank AG in Dublin. „Es wird den Investoren zeigen, dass die Regierung sich verpflichtet sieht, das Bankensystem zu unterstützen.“ Der saudische Index für Bankaktien ist in diesem Jahr um 17,6 Prozent gefallen im Vergleich mit einem Minus von 14,4 Prozent für den Benchmarkindex Tadawul All Share Index.

Nach dem Ölpreisverfall müssen auch Staatsdiener in Saudi-Arabien erstmals Einschnitte hinnehmen. Betroffen sind bis zu zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung. Unter anderem werden die Gehälter der Minister um ein Fünftel gekürzt, hieß es am Montag in einem Erlass des Königs und in einem Kabinettsbeschluss, die im staatlichen Fernsehen verlesen wurden. Zudem darf der Jahresurlaub nicht mehr als 30 Tage betragen. Auch Zuschüsse für Wohnraum und Autos wurden zum Teil gekürzt. Ausnahmen sollen für Soldaten im Einsatz gelten. Die gesunkenen Ölpreise haben dem Königreich im vergangenen Jahr ein Rekorddefizit von 100 Milliarden Dollar beschert.

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