Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2008

10:49 Uhr

Sberbank

Der russische Primus

VonThomas Wiede

Es gibt viele Banken, die von einer tragenden Rolle im Konzert der Großen träumen. Die russische Sberbank machte im vergangenen Jahr den ersten Schritt und wagte den Gang an die Börse. Nun möchte das Finanzinstitut zum Global Player werden und die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

MOSKAU. Die Bank hatte keinen Aufwand gescheut: Plakate in rund 20 000 Filialen kündeten im Februar 2007 vom Börsengang der russischen Sberbank. Es sollte einer des Volkes werden, doch am Ende wurde es eher einer für die oberen Zehntausend. Denn bei einem Ausgabepreis von 3 450 Dollar pro Aktie blieb der neun Mrd. Dollar schwere IPO der ehemaligen sowjetischen Sparkasse für das Gros ihrer Kunden unerschwinglich.

Allerdings war es nicht nur der hohe Ausgabepreis, der die Finanzexperten irritierte. Das größte russische Finanzinstitut sorgte auch für Unmut bei Analysten, weil es den Börsenprospekt ausschließlich in Russisch abfassen ließ.

Besser präsentierte sich nach Meinung vieler Beobachter zum gleichen Zeitpunkt die Nummer zwei im Land, die staatliche VTB Bank, die ebenfalls an die Börse strebte, zumal in London. Doch die Experten irrten. Wer den VTB -Börsengang mitgemacht hatte, beklagte zum Jahresende 2007 einen Verlust. Die Aktien der Sberbank kamen dagegen zum gleichen Zeitpunkt auf ein Plus von 22 Prozent zum Ausgabekurs.

Günstig beeinflusst wurde das gute Abschneiden der Aktie durch die Tatsache, dass der ehemals optisch hohe Kurs durch einen Split im Verhältnis 1 zu 1 000 auf ein gängiges Maß heruntergeschraubt wurde. Dazu kommen aber auch fundamentale Gründe - zum Beispiel die starke Stellung der Sberbank auf dem Heimatmarkt. Denkt ein Russe ans Sparen, schwebt ihm in der Regel ein Konto bei der Sberbank vor. Sie hütet etwa die Hälfte aller privaten Einlagen im Land. Ihre Marktkapitalisierung übertrifft mit über 91 Mrd. Dollar die der Deutschen Bank und Commerzbank zusammen. Die Bilanzsumme beträgt derzeit 141 Mrd. Dollar. Das Gewicht im auf Dollar basierten russischen Aktien-Index RTS liegt bei 14 Prozent.

Analysten wie Christopher Weafer von der Bank Uralsib sind optimistisch: Die Sberbank sei wegen ihrer herausragenden Position in der boomenden russischen Wirtschaft eine sichere Anlage für Investoren. Sie profitiert vor allem vom wachsenden Geschäft im Bereich der Konsumentenkredite.

Dabei steckt Russlands größtes Finanzhaus derzeit in einer nicht ganz einfachen Lage: Dem Mann, der bisher mit einigem Erfolg die Sberbank-Geschicke bestimmt hat, Andrej Kasmin, hat der Kreml eine neue Aufgabe gestellt: die defizitäre russische Post auf Vordermann zu bringen. Sie soll in Zukunft zu einem modernen Logistik- und Finanzdienstleistungskonzern werden - und damit zu einem Konkurrenten der Sberbank.

Eine anspruchsvolle Aufgabe für Kasmin, der vielleicht aber auch einfach Platz machen musste, für einen, der noch besser verdrahtet ist: Russlands ehemaligen Wirtschaftsminister German Gref, der nach der Kabinettsumbildung im September aus der Regierung ausgeschieden ist. Gref, der als Minister im Aufsichtsrat der Bank saß, ansonsten aber über keinerlei Erfahrung in der Kreditwirtschaft verfügt, muss sich nun eine komplett neue Führungsmannschaft zusammenstellen. Denn mit Kasmin werden wohl bis zu 100 Manager die Bank verlassen - darunter auch mindestens ein Schwergewicht aus dem Vorstand: Alla Aljoschkina, Kasmins Lebensgefährtin, die das tägliche Geschäft der Bank unter ihrer Kontrolle hatte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×