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24.06.2015

05:54 Uhr

Sberbank-Vize im Interview

„Hohe Zinsen hatten wir nur zur Kundenwerbung“

VonMathias Brüggmann

Mehr als 70.000 Deutsche haben einer Tochter der russischen Sberbank Sparguthaben anvertraut. Im Interview sagt Bank-Vize Gorkow, ob so Sanktionen gegen Russland umgangen werden – und welche Pläne er für Deutschland hat.

Was plant die russische Staatsbank für Europa – und vor allem für Deutschland? Reuters

Filiale der Sberbank

Was plant die russische Staatsbank für Europa – und vor allem für Deutschland?

Sergej Gorkow ist der stellvertretende Vorstandsvorsitzender der russischen Sberbank, einem staatlichen Geldinstitut. Im Interview in St. Petersburg spricht er unter anderem über die Pläne der Sberbank in Deutschland.

Herr Gorkow, Konten bei der VTB in Europa wurden kürzlich eingefroren. Trifft das auch die Sberbank?
Nein, bei uns wurden keine Kundenkonten beschlagnahmt. Wir sind davon nicht betroffen.

Wie bedeutsam sind die Tagesgeld-Konten deutscher Kunden für die Sberbank?
Sie sind recht wichtig. Als wir in Österreich die Volksbank gekauft haben und sie zur Sberbank Europe umbauten, kam ein Teil des Kapitals für das Institut aus Russland. Wegen der hohen Zinssätze und Kapitalkosten in Russland war es natürlich zu teuer. So ist es für uns sehr wichtig, dass unser Geschäft verstärkt durch Einlagen aus Europa aufgebaut werden kann.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sberbank verneint, die Sanktionen gegen Russland zu umgehen. privat

Sergej Gorkow

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sberbank verneint, die Sanktionen gegen Russland zu umgehen.

Es gibt Vorwürfe, Sie würden mit den bei deutschen Sparern eingesammelten Geldern nun die Sanktionen gegen Russland umgehen, indem sie das Geld als billiges Kapital nach Russland verschieben, wo Kapital sehr teuer ist wegen der hohen Zinsen. Stimmt das?
Nein. Außerdem ist das auch gar nicht möglich. Wir unterliegen der Aufsicht und Regulierung der Europäischen Zentralbank und halten uns strikt an alle Regeln. Ein Verschieben von Geldern nach Russland von der Sberbank Europa oder der Sberbank Direct gibt es nicht.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Also umgeht die Sberbank mit den deutschen Sparer-Geldern nicht die europäischen Sanktionen gegen russische Banken?
Nein. Wir benutzen die in Europa eingesammelten Kundengelder, um die europäische Wirtschaft zu finanzieren. Außerdem werden seit drei Jahren planmäßig Kredite an die Muttergesellschaft zurückgezahlt, die hoch verzinst waren. Alle anderen Medienbehauptungen sind unwahr. Das verbietet die EZB. Dabei gilt für uns das Prinzip: Das Kapital dort einsammeln, wo wir es für unser lokales Kreditgeschäft dann brauchen. Egal, ob in Österreich, Deutschland, der Türkei, Kasachstan oder Tschechien.

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Die westlichen Sanktionen und die schwere Rezession stürzen die Banken reihenweise in existenzielle Krisen. Und ein mögliches Ende ist nicht in Sicht. Denn zu diesen Problemen gesellen sich weitere heimische Sorgen.

Wie groß ist denn Ihre Angst, dass bei einer Verschärfung der Sanktionen auch die Sberbank Europe mit Sitz in Wien auf die Liste der zu schneidenden russischen Firmen kommt?
Das ist natürlich auch eine sehr emotionale Frage. Aber der Verstand müsste doch über allem stehen. Wir finanzieren mit unserer europäischen Tochter doch Europas Wirtschaft, europäische Firmen. Sanktionen würden dann die europäische Wirtschaft treffen und eine Bank, die unter der Regulierung der EZB steht, und die sogar als systemrelevant eingestuft wurde. Da wären Sanktionen doch widersinnig.

Kommentare (1)

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aza azaziel

24.06.2015, 10:20 Uhr

Der Stil der Fragen laesst das Gefuehl aufkeimen, der Interviewer haette die Sberbank gern vorgefuehrt. Gelungen ist das nicht. Der Banker hat sich gut geschlagen.

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