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27.01.2004

07:32 Uhr

SCH-Chef Emilio Botin erteilt grenzüberschreitenden Bankfusionen eine Absage – Ergebnis übertrifft Erwartungen

Santander lässt die Muskeln spielen

Deutsche Banken brauchen zumindest vor einer Übernahme durch das führende spanischen Kreditinstitut Santander Central Hispano (SCH) keine Angst zu haben. „Wir sind davon überzeugt, dass wir keine grenzüberschreitenden Fusionen brauchen, um auch in Zukunft weiter zu wachsen und Wert für unsere Aktionäre zu schaffen", sagte der vor Zuversicht strotzende SCH-Präsident Emilio Botín bei Vorlage der Bilanz 2003.

sk MADRID. Der Nettogewinn erreichte im vergangenen Jahr 2,6 Mrd. Euro, ein Plus von 16,2 % gegenüber dem Vorjahr. Die Erwartungen der Finanzmärkte wurden erfüllt. An der Börse spiegelte sich das gestern allerdings nicht wider, die Aktie tendierte in einem negativen Umfeld im Minus.

Die Antriebskraft kommt vor allem aus dem Kreditgeschäft in der Heimat. Vor allem der Hypothekenmarkt boomt weiter. Die höchsten Wachstumsraten derzeit bringt Santander das auf verschiedene europäische Länder, darunter auch auf Deutschland ausgeweitete Geschäft mit gewöhnlichen Konsumkrediten wie das auf Pump gekaufte Auto. Eine wichtige Rolle spielte erneut der Druck auf die Kosten, die im Jahresverlauf 2003 um 11,5 % gesenkt werden konnten. Die Aufwand-Ertrag-Relation fiel erstmals unter 50 %.

Anders als die drittgrößte eigenständige Bank Popular, die nur auf den Heimatmarkt konzentriert ist, musste Santander Einbußen bei den Nettozinseinnahmen von 15 % auf 8 Mrd. Euro hinnehmen. Grund sind nach Angaben der Bank neben den niedrigen Zinsen die Abwertung lateinamerikanischer Währungen. Ohne diesen Währungseffekt wären die Zinseinnahmen um lediglich 1,2 % gefallen. Für 2004 äußerte die Bank Optimismus: Das wirtschaftliche Umfeld stimme, das Geschäftsmodell ebenso – 2004 werde „ein weiteres gutes Jahr in allen Bereichen, in denen Santander arbeitet“, sagte Botín. Eine genaue Ergebnisprognose blieben er und Vorstandschef Alfredo Sáenz indes schuldig.

Die schwere wirtschaftliche Krise in einigen Ländern Lateinamerikas erklärte SCH für nahezu beendet: „Das Schlimmste liegt hinter uns, das Beste vor uns“, sagte Botín. Die Option für die Bank in der Region sei „wachsen oder wachsen.“ Die Phase der Restrukturierungen und Fusionen der Gruppe in Lateinamerika sei abgeschlossen. „Wir werden weiter investieren, aber jetzt in Technologie, in neue Produkte und Kunden.“ Santander Central Hispano ist vor allem in Brasilien präsent, setzt aber auch auf Mexiko und Chile. Brasilien, der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas, traut der Banker zu, einer der Motoren der Weltwirtschaft zu werden. Nennenswerten Investitionen in anderen aufstrebenden Regionen in Asien erteilte Botín zumindest auf kurz- und mittelfristige Sicht eine Absage.

Den in Lateinamerika erzielten Nettogewinn gibt Santander für 2003 mit 1,1 Mrd. Euro an, ein Minus von 3,1 % im Vorjahresvergleich. Da das Kreditvolumen im vierten Quartal gegenüber Vorquartal sank, sehen Analysten den Optimismus von SCH für die Region denn auch mit Skepsis. „Die Frage ist, ob sich das höhere Wirtschaftswachstum in der Region auf die Ergebnisse der Bank übertragen kann“, begründet Carsten Werle von WestLB Equity Markets die Vorsicht. Skepsis äußeren manche Analysten auch hinsichtlich der weiteren Entwicklung an der Börse. Im vergangenen Jahr hatte die Aktie 43,6 % zugelegt und damit 13,6 Mrd. Euro an Wert geschaffen. Das könnte den Spielraum für weitere Kurserhöhungen begrenzen.

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