Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2010

07:47 Uhr

Schadensersatz

Deutsche Banken fordern Milliarden von Island

VonHelmut Steuer

Institute machen Forderungen gegen die pleitegegangene Kaupthing Bank geltend: Stolze 7,3 Trillionen Kronen, das sind mehr als 43 Mrd. Euro, wollen die Gläubiger zurück haben. Diese Summe entspricht etwa dem Fünffachen von Islands Inlandsprodukt. Die Chancen auf Schadenersatz gelten als gering.

Demonstrantin vor der isländischen Botschaft in Berlin vor knapp einem Jahr. Die Entscheidung über eventuelle Rückzahlungen wird wohl erst in einigen Monaten fallen. dpa

Demonstrantin vor der isländischen Botschaft in Berlin vor knapp einem Jahr. Die Entscheidung über eventuelle Rückzahlungen wird wohl erst in einigen Monaten fallen.

STOCKHOLM. Noch verhandelt Islands Finanzminister Steingrimur Sigfusson in Den Haag mit seinen Amtskollegen aus den Niederlanden und Großbritannien über Entschädigungszahlungen an niederländische und britische Sparer der pleitegegangenen isländischen Icesafe-Bank. Schon braute sich zuhause auf Island ein neues Unwetter zusammen. Am Freitag trafen sich Gläubiger der zusammengebrochenen Kaupthing Bank aus 119 Ländern im in Reykjavik. Stolze 7,3 Trillionen Kronen, das sind mehr als 43 Mrd. Euro, wollen die Gläubiger zurück haben, etwa das Fünffache von Islands Inlandsprodukt.

Nachdem das sogenannte Abwicklungskommitee der Kaupthing Bank bereits am 22. Januar eine Liste der Gesamtforderungen aller Gläubiger veröffentlicht hatte, machten nun vor allem deutsche Institute Druck, denn sie stehen für mehr als die Hälfte der mehr als 28  000 Einzelforderungen. Dabei handelt es sich größtenteils um Sparer der Kaupthing Edge, die zwar ihre Einlagen nach einem monatelangen Hickhack im vergangenen Jahr zurückerhalten haben, jetzt aber auf die Zahlung der zugesagten Zinsen warten.

Auch bei der Höhe der Forderungen dominiert ein Institut aus Deutschland: Die Deutsche Bank hat knapp 50 Einzelforderungen geltend gemacht, Wert rund 5,3 Mrd. Euro. Isländische Medien haben Einblick in die Forderungsliste gehabt.

Insgesamt haben deutsche Finanzinstitute wie die Deka, die West LB, Bayern LB, die HSH Nordbank, die Commerzbank und die DZ Bank gut 22 Mrd. Euro in Island investiert. Damit steht jeder der knapp 320 000 Isländer mit 68 700 Euro bei deutschen Banken in der Kreide. Die Deka Bank hat bereits Schadenersatzforderungen in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe gegen die Landsbanki, das zweitgrößte Institut auf der Vulkaninsel, angemeldet.

Die Chance, das Geld zurückzuerhalten, bewerten Experten als gering. Denn Island, dass alle Banken im Herbst 2008 in Folge der Finanzkrise verstaatlichte, kämpft an mehreren Fronten mit den Folgen des Kollaps: Der immer noch nicht gelöste Konflikt mit Großbritannien und den Niederlanden verzögert die Auszahlung der zweiten Tranche eines Notkredits des internationalen Währungsfonds (IWF) und bremst damit die dringend notwendige Sanierung der Staatsfinanzen. In der Bevölkerung wächst der Unmut. Die Isländer sehen nicht ein, dass sie für die Fehler einiger Privatbanken haften sollen. Deshalb werden sie in einer Volksabstimmung am 6. März über die Entschädigung der Icesave-Sparer entscheiden.

Eine Entscheidung über die eventuellen Rückzahlungen an die Kaupthing-Gläubiger wird noch deutlich länger dauern. Erst am 18. Mai findet eine neue Gläubigerversammlung statt. Bis dahin wollen die Insolvenzverwalter die Forderungen sichten. Gleichzeitig bauen sie bereits vor: Eine weitereres Treffen, so teilten sie mit, könne im Herbst dieses Jahres stattfinden.

Kommentare (19)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kai

01.02.2010, 13:18 Uhr

68.700 €? Wieso nicht gleich 6 Mrd. € pro Kopf der isländer fordern - diese könnten damit gleich die Finanzprobleme der EU lösen.

Christoph

01.02.2010, 14:25 Uhr

Englischkurs für Journalisten:
one trillion = eine billion - nicht eine Trillion

Bernd

01.02.2010, 17:38 Uhr

Zuerst dachte ich, der Autor würde sonst nur über Elche in Skandinavien und ähnliches berichten, nein Herr Steuer hat Wirtschaft studiert und scheint für diese zuständig.
Unglaublich, wie man dann so einen Unsinn schreiben kann, als ob irgendein deutsches institut interessen von Kaupthing-Sparern vertreten und für diese "Druck machen" würde.
Die deutschen Kaupthing-Sparer sind Verlassen von jeglicher Unterstützung seitens der Politik, geschweige denn irgendwelcher (bank-)institute. Letztendlich wird jeder Sparer seine Ansprüche selbst vor isländischen Gerichten durchsetzen müssen.

.....und "veröffentlicht" hat das Abwicklungskommitee auch keine Liste der Gesamtforderungen, diese wurde allenfalls der Presse zugespielt, es handelt sich um interna des Abwicklungsverfahrens.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×